Anwohner in Untergrochlitz gestresst von Straßensperrung

Greiz  Umleitung stark frequentiert. Autos und Lkws fahren trotz Tempolimit zu schnell

An Spitzenzeiten staut sich der Verkehr vom Ortstausgang Greiz-Obergrochlitz bis zur Ampel Tannendorfplatz, weil seit 29. August die Zeulenrodaer Straße in Greiz aufgrund eines vom Einsturz gefährdeten Gebäudes gesperrt ist

An Spitzenzeiten staut sich der Verkehr vom Ortstausgang Greiz-Obergrochlitz bis zur Ampel Tannendorfplatz, weil seit 29. August die Zeulenrodaer Straße in Greiz aufgrund eines vom Einsturz gefährdeten Gebäudes gesperrt ist

Foto: Christian Freund

Seit mehr als einer Woche ist die Bundesstraße 92/94 gesperrt, weil im Bereich der Zeulenrodaer Straße ein Haus zusammenzustürzen droht. Unsere Zeitung hat sich unter den Betroffenen umgehört, wie sie die Situation erleben.

Man merke finanzielle Einbußen wegen der Sperrung, aber sie würden geringer ausfallen, als gedacht, sagt Uwe Liebold von der Getränkequelle Liebold, die sich fast gegenüber des einstürzenden Hauses befindet. Das liege auch daran, dass die Sperrung wirklich nur auf Länge des Hauses eingerichtet worden sei und nicht etwa vom Kreisverkehr bis zum Silberloch.

So war es der Getränkequelle möglich, einen zweiten Eingang, den ehemaligen Eingang des Getränkemarktes Brückner, für die Kunden zu aktivieren. So könnten die Autofahrer in Richtung Greiz zur Getränkequelle kommen und wieder aus Greiz hin­auszufahren.

In der Gegenrichtung stadtauswärts könne man am Imbiss entlang, parallel zur Elster das Geschäft anfahren und komme dann auch wieder zurück in die Stadt. „Für die Kunden ändert sich gar nichts“, so Liebold. Inzwischen hat man auch am Kreisverkehr und an der Tankstelle ausgeschildert, dass die Getränkequelle weiterhin erreichbar ist. Nun hofft der Inhaber, dass dies auch von Behördenseite noch einmal geschehen könnte, da die Sperrung wohl länger dauern solle, als erwartet.

Raserei auf der Umleitung durch Untergrochlitz

Berit Dübler (parteilos), Ortsteilbürgermeisterin von Untergrochlitz, hat selbst am Abend der Sperrung bei einer Versammlung des Sportvereins in Moschwitz von den Vorkommnissen erfahren, wie sie erzählt. Zuerst habe man ihr nur gesagt, dass auffällig viel Verkehr durch Untergrochlitz rolle.

Nach der Versammlung habe sie dann sofort nachgeschaut und die Sperrung vorgefunden. Am gleichen Abend habe sie noch Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) geschrieben, was für ein großes Problem die Sperrung für Untergrochlitz sei. Inzwischen habe sich die Situation ein wenig entspannt, vor ­allem weil die Umleitung um Greiz schon früh und gut ausgeschildert sei, sie bleibe aber nach wie vor schwierig. Zumal sich viele Verkehrsteilnehmer nicht an die Tempo-30-Zone im Ort halten würden, wie sie beobachtet habe. „Ich habe das Gefühl, dass das die wenigsten tun.“ Gerade in Untergrochlitz sei das aber gefährlich, da manche Einwohner quasi die Tür des Hauses öffneten und auf der Straße stehen. Deswegen habe sie die Polizeiinspektion Greiz gebeten, Präsenz zu zeigen und verstärkt Geschwindigkeitskon­trollen durchzuführen. Auch die Einwohner wurden unter anderem in einer Ortsteilratssitzung informiert und hätten zum größten Teil Verständnis gezeigt, zumal wegen der Schrottimmobilie schnell gehandelt worden sei.

Dennoch müssten Fußgänger und Kinder wegen des Verkehrs weiter „höllisch aufpassen“, zumal viele Fahrer auch die Bürgersteige zum Ausweichen nutzen. Das sei zwar beim Bau vorgesehen gewesen, aber natürlich nicht in diesem Maße. „Ich hoffe, dass sich die Sache nun schnell erledigt“, so Dübler, die verspricht für die Untergrochlitzer weiter am Ball zu bleiben.

Auch in den sozialen Medien wird die Sperrung natürlich ausgiebig diskutiert. Dort ist vor allem die Wut der Einwohner zu spüren. Sie berichten von Lkw, die mit geschätzten 60 Kilometern pro Stunde durch Obergrochlitz fahren, obwohl auch dort eine Tempo-30-Zone ist. Morgens müssten sie zum Teil 20 Minuten am Straßenrand stehen, um die Straße überqueren zu können, weil der Verkehr so stark sei.

Manche haben sich nach eigenen Angaben schon anderswo Garagen gemietet, weil sie nicht mehr vom eigenen Grundstück herunterkommen. Fotos von den ersten überfahrenen Tieren machen auf Facebook die Runde. Gerade am früheren Vormittag berichten viele sogar über Stau auf der Strecke.

Beobachtungen des Redakteurs bestätigen vieles davon. Über die Umleitung, die gerade in Untergrochlitz stellenweise sehr schmal ist, wälzen sich tagsüber zahlreiche Autos und Lkws, viele davon nicht aus Greiz. Nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich an die Geschwindigkeitsvorgaben und fahren zum Teil mit deutlich höherem Tempo durch die Orte.

In Untergrochlitz ist der Bürgersteig inzwischen zur erweiterten Straße geworden und wird regelmäßig zum Ausweichen genutzt.

Halbseitig frei in der 38. Kalenderwoche

Das wird zumindest bis zur 38. Kalenderwoche, die am 16. September beginnt, so bleiben. Man tue alles dafür, um in der Woche die Bundesstraße wenigstens halbseitig zu öffnen, wie die Greizer Landrätin, Martina Schweinsburg (CDU), in einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt mitteilt.

Die Vorbereitungen für den Abriss der Schrottimmobilie liefen auf Hochtouren, heißt es darin. In den vergangenen Tagen habe man die mit Asbest behafteten Teile aus dem Objekt entfernt und entsorgt. Mit dem Eigentümer des Nachbargebäudes – es teilt sich mit der Schrottimmobilie eine Außenwand – habe man sich nach schwierigen Verhandlungen auf eine Wandverankerung geeinigt. Sie soll in der nächsten Woche erfolgen und danach wird das baufällige Gebäude abgerissen. „Mir ist ­bewusst, dass jeder Tag, den ­Gewerbetreibende, Pendler, ­Einwohner, Schulbusse und überhaupt der öffentliche ­Nahverkehr über die Umleitungsstrecken ausweichen müssen, für Unmut sorgt“, so Schweinsburg.

Die beauftragten Firmen, aber auch die zuständigen Mitarbeiter im Landratsamt arbeiteten mit Hochdruck, um diese belastende Situation so schnell wie möglich zu beenden. Denn nicht nur Abriss und Sicherung des Nachbargebäudes kosteten jede Menge Geld, sondern auch die aufwändige Absperrung.

Man gehe aktuell – ohne Entsorgung – von rund 60.000 Euro Gesamtkosten aus, die der Landkreis, und damit der Steuerzahler, vorstrecken müsste. „Und weil wir wissen, dass auch den Firmen, Pendlern und Speditionen die weiträumigen Umfahrungen Zeit, Nerven und Geld kosten, drücken wir aufs Tempo und hoffen, dass uns unliebsame Überraschungen beim Verankern und beim Abriss erspart bleiben, die zu Verzögerungen führen“, so die ­Landrätin.

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