Museum Reichenfels

Ein Kleinod mit bedeutenden Sammlungen wird 70 Jahre alt

Hohenleuben.  Rund 20 sakrale Holzschnitzfiguren sind in den Ausstellungen des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins (VAVH) im Museum Reichenfels in Hohenleuben zu sehen.

Antje Dunse zeigt eine der rund 20 sakralen Holzschnitzfiguren, die im Besitz des Vogtländischen Altertumsforschenden verein Hohenleuben sind.  Der Heilige Wolfgang aus der ehemaligen Sankt Wolfgang Kapelle in Gera. Die Schnitzfigur war besonders schlimm vom Schimmel befallen und wurde restauriert. Der Heilige Wolfgang trägt die Kapelle auf dem Arm.  

Antje Dunse zeigt eine der rund 20 sakralen Holzschnitzfiguren, die im Besitz des Vogtländischen Altertumsforschenden verein Hohenleuben sind.  Der Heilige Wolfgang aus der ehemaligen Sankt Wolfgang Kapelle in Gera. Die Schnitzfigur war besonders schlimm vom Schimmel befallen und wurde restauriert. Der Heilige Wolfgang trägt die Kapelle auf dem Arm.  

Foto: Heidi Henze

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Das Ziegelsteingebäude auf der Burgruine Reichenfels in Hohenleuben mit den großen und kleinen Fenstern und der Veranda auf der Rückseite des Gebäudes, ist rein äußerlich ein ganz normaler Museumsbau aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Es war das erste Kreisheimatmuseum zu DDR-Zeiten, das gebaut und eröffnet wurde.

„Unser Museum ist kein Museum im üblichen Sinn“, sagt Antje Dunse, die die Einrichtung seit Oktober 2018 für den Vogtländischen Altertumsforschenden Verein (VAVH), leitet. Sie begründet diese Aussage mit der Vielfältigkeit der Sammlungen und der Einzigartigkeit zahlreicher Objekte. „Wir haben allein 20.000 Exponate aus der Ur- und Frühgeschichte, die von den Vereinsmitgliedern größtenteils selbst ausgegraben wurden“, weiß die Museumsleiterin. Die Dauerausstellung „Sammelleidenschaft“, die bis 1. März im Museum zu sehen ist, zeugt von der Vielseitigkeit der Sammlerobjekte der Mitglieder des VAVH.

Museum wird 70 Jahre alt

Auch wenn das Gebäude des Museums erst 70 Jahre alt wird, es wurde genau am 1. Februar 1950 eröffnet, so wurden die Sammlerstücke durch die Mitglieder des Vereins seit fast zwei Jahrhunderten zusammen getragen. Der Verein selbst kann auf eine 195-jährige Geschichte verweisen.

Auch wenn der Verein eigentlich derjenige war, der den Bau des musealen Haus in Angriff genommen hatte, bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Verein das Grundstück, auf dem das Museum steht, erworben, so waren es gesellschaftliche Ereignisse, die damalige DDR als den Bauherrn des Museums kennzeichnet.

Der Bau des musealen Hauses wurde durch die Vereinsmitglieder schon 1938 begonnen

1938 verfolgten die Mitglieder des Vogtländischen Altertumsforschenden Verein das Ansinnen, das museale Haus zu bauen. Die Kapazitäten der zwei Räume im gegenüberliegenden Pächterhaus auf der Burgruine Reichenfels reichten für die zahlreichen Sammlerstücke der Mitglieder nicht mehr aus, die Bibliothek hatte kaum Platz und so hatten sich die Mitglieder entschlossen zum Museumsneubau. Sie erwarben das Grundstück. Dann kam der Erste Weltkrieg und danach die Weltwirtschaftskrise. Als der Rohbau fertiggestellt war, folgt der Zweite Weltkrieg. Das Gebäude wurde konfisziert, ein Planungsbüro für Rüstungsaufträge von Siemens zog in das Gebäude ein. Erst 1947 wurde der Museumsbau durch die DDR weiterverfolgt. Waldmalerein im damaligen Kreisheimatmuseum von Professor Hermann Paschold, zeugen von ersten Aktivitäten.

Seit dem 1. März 2016 obliegt dem VAVH, stellvertretend für die Stadt Hohenleuben, die Trägerschaft des Museums Reichenfels-Hohenleuben. Seither unternehmen die Mitglieder des VAVH enorme Anstrengungen, um die kulturhistorische Bedeutung des Museums Reichenfels-Hohenleuben stärker als bisher in das öffentliche Bewusstsein zu heben und seine außergewöhnlichen Sammlungen zur Geltung zu bringen. Zahlreiche Sonderausstellungen, Vorträge und Gedenkveranstaltungen sowie die kontinuierliche Herausgabe des Jahrbuches zeugen davon.

20 sakrale Holzschnitzfiguren im Bestand des Vereins

Innerhalb dieses Jubiläums sind die Mitglieder des Vereins besonders stolz darauf, auf rund 20 sakralen Holzschnitzfiguren aufmerksam zu machen. Kunsthistorikerin Sandra Kästner wird die Schnitzfiguren in ihrem Festvortrag am 1. Februar näher darauf eingehen, gibt Antje Dunse einen kleinen Vorausblick auf das, was die Gäste zum Festkolloquium im Museum Reichenfels erwartet. Für die Museumsleiterin des VAVH ist die Verbindung ein besonderer Glücksfall. Die Kunsthistorikerin Sandra Kästner hatte schnell festgestellt, dass die unterschiedlichen Darstellungen von Heiligen etwas Außergewöhnliches ist, zumal sie alle wieder im Besitz des Vereins sind. Auch ein Glücksfall, da durch die Behörden der damaligen DDR verfügt wurde, diese Holzschnitzfiguren in die unterschiedlichsten Einrichtungen auszusiedeln. Die Schnitzfiguren sind hauptsächlich im 19. Jahrhundert in die Sammlung des VAVH gekommen. Damals waren es die Pfarrer, die Mitglieder im Verein waren, die diese Figuren an den Verein übergaben. So sind Heilige aus Leitlitz, Stelzendorf, Langenwetzendorf, aber auch Schwarra und andere Orte im Museum Reichenfels beheimatet und werden in die Dauerausstellungen integriert und gezeigt. Zu den Holzfiguren zählen auch die Mondsichel-Madonna in Schloss Burgk oder der Heilige Wolfgang aus der ehemaligen Sankt Wolfgang Kapelle in Gera.

„Das Festkolloquium wird eine Probe für das sein, was in zwei Jahren auf uns zukommt“, sagt Antje Dunse. Dann begeht das museale Haus das 75-Jährige und der VAVH kann auf 200 Jahre zurückblicken.

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