Interview

„Die Hausbesitzer in Hagen sind gewiss keine Abzocker“

Hagen.  Vermieter würden oft zu pauschal verurteilt, beklagt Paul Streppel, der sich Vorsitzender des Vereins Haus und Grund in Hagen verabschiedet.

Über Themen wie die Mietpreisbremse und Wartungsstau spricht Paul Streppel, langjähriger Vorsitzender von Haus und Grund in Hagen, im Interview.

Über Themen wie die Mietpreisbremse und Wartungsstau spricht Paul Streppel, langjähriger Vorsitzender von Haus und Grund in Hagen, im Interview.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

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Die Kritik an angeblich gierigen Miet-Haien ist groß. Doch Paul Streppel wehrt sich leidenschaftlich gegen solche Vorwürfe. 37 Jahre lang war der 72 Jahre alte Rechtsanwalt und Notar Vorsitzender desVereins Haus und Grund, der In­ter­es­sens­ver­tre­tung der Haus-, Woh­nungs- und Grund­ei­gen­tü­mer in Hagen. Nun hat er sein Amt niedergelegt und zieht Bilanz seiner Jahrzehnte währenden Tätigkeit.

Im Streit um Mietpreise und das Grundrecht auf Wohnen sind die Immobilienbesitzer in die Kritik geraten. Was sagen Sie?

Paul Streppel: Die überwiegende Zahl aller Vermieter ist völlig zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt und in die Nähe von Abzockern gebracht worden. Richtig ist allerdings, dass es Vermieter gibt, die ihren Verpflichtungen gegenüber den Mietern nicht nachkommen, notwendige Instandhaltungsarbeiten unterlassen und die Wohnhäuser zum Teil sogar verkommen lassen. Hierbei handelt es sich um Firmen und Gesellschaften, die Wohnimmobilien erwerben in dem Wissen, sie nur einige Jahre halten zu wollen, um sie dann weiterzuveräußern. In dieser Zeit wird nichts in die Gebäude investiert. Das verstärkte Interesse dieser Investoren hängt auch eng mit dem seit Jahren niedrigen Zinsniveau zusammen.

Die Mitglieder von Haus und Grund bewegt also eine andere Motivation?

So ist es. Die pauschale Verurteilung, die sich in einigen Medienberichten auf alle Vermieter erstreckt, ist jedenfalls völlig unbegründet. Die Mitglieder unseres Vereins halten ihr Eigentum zum Teil generationsübergreifend und sind nicht an dem schnellen Euro interessiert, sondern an einer nachhaltigen Erhaltung eines guten Wohnwertes, allein schon um dauerhaft den Wert der Immobilie zu erhalten. Aus

diesem Grund ist regelmäßig das Verhältnis zu den Mietern auch gut.

Wie viele Gebäude gehören denn einem bei Haus und Grund organisierten Hausbesitzer?

Fast ein Viertel aller Wohngebäude in Hagen steht im Eigentum von Mitgliedern unseres Vereins. Der Verein hat knapp 3000 Mitglieder. Neben Wohnungseigentümern, die vermieteten Grundbesitz haben, sind auch zahlreiche Eigentümer von selbst genutzten Immobilien Mitglieder unseres Vereins.

Was halten Sie von einer Mietpreisbremse?

Der Ruf nach einer Mietpreisbremse ist angesichts der Überhitzung der Preise in einigen wenigen Großstädten wie Berlin, München oder Köln verständlich. Eine staatlich angeordnete Mietpreisbremse schafft jedoch keinen neuen Wohnraum. In Hagen ist dies zudem überhaupt kein Thema. Hier herrschen ganz andere Verhältnisse. In Hagen ist vielmehr das Problem, dass es zu viele nicht renovierte und eigentlich, wenn man einen angemessenen Maßstab ansetzt, unbewohnbare Wohnungen gibt. Die Konsequenz hieraus spüren wir in Hagen alle. Dies führt unter anderem dazu, dass ganze Straßenzüge vermüllt und verdreckt sind, da derartige Objekte Clans und Einzelmenschen anziehen, die auf einen gepflegten Wohnraum keinen Wert legen können.Bundesregierung verlängert Mietpreisbremse und bessert nach

Die Stadt ist dazu übergegangen, solche Problemhäuser aufzukaufen und zu renovieren. . .

Was zu begrüßen ist, um dann städtebauliche Entwicklungen einzuleiten, die zu einem geordneten Miteinander führen können. Nicht in jedem Fall kommt es dann zu einem Neubau, vielmehr werden Freiräume geschaffen, die sich für einen weiteren Bereich insgesamt positiv auswirken.

Haus und Grund vertritt demnach die guten Hausbesitzer?

Die Aufgabe unseres Vereins ist es sicherlich in erster Linie, die Rechte der Hausbesitzer zu gewährleisten. Haus & Grund sieht es aber auch als seine Aufgabe an, die Eigentümer, wenn nötig, an ihre Pflichten zu erinnern. Aus diesem Grund sind wir auch um ein gutes Verhältnis zum örtlichen Mieterverein bemüht. Häufig ist es in der Vergangenheit gelungen, bei Unstimmigkeiten zwischen Vermieter und Mieter außergerichtliche Vereinbarungen zu finden, die im Interesse aller Beteiligten besser sind als streitige

Gerichtsentscheidungen.

Wie attraktiv ist es denn heutzutage, sein Geld als Vermieter zu verdienen?

Durch das seit Jahren andauernde und für die Zukunft auch weiterhin prognostizierte Zinsniveau sind klassische Spar- und Kapitalanlagen unattraktiv geworden. Oft wird geraten, sein Geld in Aktien anzulegen. Ich bin der Meinung, dass der Erwerb von Immobilien für viele Menschen als Vermögensanlage vorzuziehen ist. Dies gilt uneingeschränkt für den Erwerb selbst genutzten Grundeigentums. Hierin sehe ich die beste Altersversorgung. Bei dem Erwerb von Mietimmobilien sollte beachtet werden, dass die Unterhaltung von Immobilien auch mit – manchmal überraschenden – erheblichen Kosten verbunden sein kann. Als nur kurzfristiges Invest scheint mir der Erwerb einer Immobilie vor allen Dingen im Hinblick auf die damit zusammenhängenden Kosten, wie etwa die 6,5-prozentige Grunderwerbsteuer, nicht sinnvoll. Als nachhaltige und langfristige Investition erscheint mir der Erwerb von Wohnungsimmobilien attraktiv zu sein. Interessant ist es auch, festzustellen, dass viele junge Menschen den Rat unseres Vereins suchen, bevor sie ihre Entscheidung treffen, eine Immobilie zu erwerben. Hier können wir sehr oft gute Ratschläge geben.iframe newsletter hagen wp

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