Recht

Mieter abgehauen, Miete weg: Was können Vermieter tun?

Berlin.  Rund 15.000 Eigentümer haben jährlich Probleme mit Mietnomaden. Aber es gibt Mittel, wie sich Vermieter schon vorher schützen können.

Neben Kosten hinterlassen Mietnomaden oft Chaos in der Wohnung. Ohne eine Versicherung sind Vermieter meist hilflos.

Neben Kosten hinterlassen Mietnomaden oft Chaos in der Wohnung. Ohne eine Versicherung sind Vermieter meist hilflos.

Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ FotoPool

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Ob es nun 15.000 Fälle pro Jahr sind, wie der Eigentümerverband Haus & Grund schätzt, oder doch viel weniger, wie der Deutsche Mieterbund meint: Es gibt sie tatsächlich, Mietnomaden. Und weil sie in der Regel Chaos hinterlassen, für Kosten sowie einen großen Verwaltungsaufwand sorgen, sind sie in Vermieterkreisen berüchtigt. Ein Überblick.

Miete bleibt aus, wann handelt es sich um Mietnomaden?

Die Forschungsstelle für Immobilienrecht der Universität Bielefeld hat im Januar 2011 ein Sondergutachten zum Thema vorgelegt. Auftraggeber waren zwei Bundesministerien.

Nach der Auswertung von über 1300 Fällen wurde im Rahmen der Studie eine Definition für Mietnomaden festgeschrieben: Sie sind demnach Menschen, die in betrügerischer Absicht ein Mietverhältnis eingehen, keine Miete zahlen und die Wohnung mitunter verwahrlost zurücklassen oder sich herausklagen lassen. In dem Gutachten wurde mit der Fehlannahme aufgeräumt, alle nichtzahlenden Mieter seien dieser Kategorie zuzuordnen.

Mietnomaden: Wie groß ist die Problematik in Deutschland?

Haus & Grund, eine Interessenvertretung der Vermieter spricht von etwa 15.000 Fällen pro Jahr. Der Deutsche Mieterbund, eine Interessenvertretung der Mieter, nennt die Zahl 1000. Am Ende basieren beide Aussagen auf Schätzungen. Eine verlässliche Statistik gibt es nicht.

Und so existiert womöglich eine Diskrepanz zwischen Fallzahlen und den davon ausgelösten Emotionen. Ein bekanntes Immobilienportal bringt es auf den Punkt: „Das Risiko, einem Mietnomaden aufzusitzen, ist tatsächlich recht gering, sorgt im Schadensfall aber für eine Menge Ärger“.

Wie hoch sind die von Mietnomaden verursachten Schäden?

Auch hier gibt es in den Angaben eine enorme Spannbreite. Manche regionalen Eigentümerverbände sprechen von bis zu 50.000 Euro Schaden pro Fall. Tatsächlich dürften die Kosten in den meisten Fällen aber geringer ausfallen: Darauf jedenfalls deutet das Gutachten der Universität Braunschweig hin: So gaben damals etwa 45 Prozent der betroffenen Vermieter an, dass ihre Schäden unter 5000 Euro lagen. Weitere 30 Prozent der Schäden blieben unterhalb der Schwelle von 10.000 Euro.

Wodurch werden die Schäden verursacht?

Zunächst haben die Vermieter Mietausfälle. In den meisten Fällen über mehrere Monate. Hinzu kommen Kosten für Anwälte oder Gerichte, für Räumung und Entsorgung von Unrat. In einigen Fällen müssen Wohnungen renoviert werden.

Welche Instrumente haben Vermieter, sich gegen Mietnomaden zu wappnen?

Markus Artz ist einer der Autoren der Studie über Mietnomaden. Im Gespräch mit der Wochenzeitschrift Kontext riet er privaten Vermietern dringend, die Interessenten gründlich zu überprüfen, bevor sie ihre Wohnungen vermieten. Es gebe es keine Garantien, die Gefahr aber sinke deutlich.

Laut Studie verzichteten über 60 Prozent der privaten Vermieter darauf, Informationen über die Zahlungsmoral der Mietinteressenten einzuholen. Wichtig ist es hierbei, auf Fälschungen zu achten. Bonitätsauskünfte oder auch Mietschuldenfreiheitsbescheinigungen müssen nicht echt sein. Wer als Mietinteressent seine Vorvermieter nicht nennen will, macht sich dabei durchaus verdächtig. „Der vorherige Vermieter kann, muss aber nicht bestätigen, dass keine Mietschulden vorliegen“, teilt Stiftung Warentest mit.

Abgesehen davon können Mietzahlungen der Vergangenheit per Kontoauszug nachgewiesen werden. Den Mietinteressenten danach zu fragen, sei zulässig. Ebenso zulässig ist es, einen Interessenten das Gehalt nachweisen zu lassen. „Vermieter sollten keine falschen Hemmungen haben. Ihr vermieteter Wohnraum ist ein Großteil ihres Vermögens“, sagt Gerold Happ von Haus & Grund Deutschland.

Können Vermieter alle geforderten Unterlagen vorlegen, kann sich die Vermietung für Eigentümer jedoch lohnen.

Gibt es nicht eine schwarze Liste für Mietnomaden?

Im Internet werden diverse Informationen zu Mietnomaden angeboten, meist gegen Geld. Am Ende ist eine solche Liste aber wohl nicht rechtens. Die Weitergabe entsprechender Daten verstößt gegen Gesetze.

Wie geht es weiter, wenn Mieter nicht zahlen?

„Vermieter und Mieter sollten schon bei der ersten ausbleibenden Miete in Kontakt treten“, rät Gerold Happ. Meist kläre sich der Sachverhalt dabei auf. Zahlt der Mieter zwei aufeinanderfolgende Mieten nicht oder nicht in voller Höhe, gibt das Gesetz dem Vermieter das Recht auf eine außerordentliche Kündigung.

Geschieht dann nichts, kann er Räumungsklage erheben und notfalls eine Zwangsräumung erwirken. Der gesamte Verlauf der Räumung kann sich durchaus in die Länge ziehen. Laut der Studie aus Bielefeld dauerte das ganze im Schnitt 15 Monate.

Neben der Räumungsklage gibt es auch bei Eigenbedarfskündigungen einiges zu beachten.

Können sich Vermieter gegen Mietnomaden versichern?

Ja, es gibt Mietnomadenversicherungen. Meist sind diese aber in eine Vermieterrechtsschutz oder eine Mietausfallversicherung optional eingebettet. Im Gegensatz zu einer reinen Mietausfallversicherung ist sie etwas teurer. „Vermieter sollten genau darauf achten, was in der Versicherung enthalten ist und in welchen Fällen sie einspringt“, sagt Happ. Schließlich müssten sie bei Abschluss einen Teil ihrer Mieteinnahmen hierfür investieren.

Laut Stiftung Warentest sind die Preise für entsprechende Versicherungen in den letzten Jahren gestiegen. Reine Mietausfallversicherungen gebe es je nach versicherter Schadenssumme für etwa 60 Euro pro Jahr. Inklusive Schutz vor Mietnomaden, Rechtsschutz und Sachversicherung seien die Kosten höher. Hier könnten die Beiträge zwei bis fünf Prozent der zu ersetzenden jährlichen Kaltmiete betragen, erklärt der Bund der Versicherten.

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