Nilgänse breiten sich im Landkreis Greiz und in Gera immer mehr aus

Greiz  Population ist innerhalb der letzten zehn Jahre sprunghaft angestiegen

Nilgänse haben sich im Landkreis Greiz und in Gera rasant ausgebreitet.

Nilgänse haben sich im Landkreis Greiz und in Gera rasant ausgebreitet.

Foto: Ralph Jahn

Sie stammt aus Afrika, ist aggressiv und breitet sich im Landkreis Greiz und in Gera immer mehr aus: die Nilgans. Wie viele der eingewanderten Vögel es hier gibt, sollte mit Hilfe einer Zählung erfasst werden. Für unsere Region hat die Koordination der Aktion der Greizer Ornithologe Hartmut Lange übernommen. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Ingeborg Kinast aus Gera, Ingo Giebner aus Hirschfeld und Enrico Lux aus Zeulenroda-Triebes.

„Es war eine Sisyphos-Arbeit, wir haben teils kriminalistische Fähigkeiten entwickelt, um die Vögel zu finden“, sagt Lange. 85 bis 90 Prozent der Flächen, schätzt er, konnten abgedeckt werden. Es gibt ein paar weiße Flecken wie Hartmannsdorf, Bad Köstritz, Hundhaupten oder Rückersdorf. Aus zeitlichen Gründen und weil es zu wenig Ornithologen gibt, sei es hier nicht möglich gewesen, die Bestände zu erfassen. Insgesamt wurden 150 Gewässer sowie die Weiße Elster kontrolliert.

Gezählt wurden im Landkreis Greiz in Gera (Aga und Kleinfalke) 61 Paare mit Nachwuchs. Die Vogelkundler fanden 284 Jungvögel. „Darüber hinaus haben wir an mindestens elf Gewässern Paare ohne Jungtiere entdeckt. Wir können also von rund 80 Paaren ausgehen, die im Kreis und in Gera leben“, so Hartmut Lange. Im Durchschnitt hatten die Paare vier bis fünf Junge, zwei jedoch neun beziehungsweise zehn Jungtiere.

„Die Nilganspopulation ist in den letzten zehn Jahren sprunghaft angestiegen. Die Vögel breiten sich invasiv aus“, schätzt Lange ein. Die Gründe seien noch nicht geklärt. Offenbar fühlen sie sich wohl, sind bei Brutplätzen nicht wählerisch. So hätten Paare versucht, im Entenhaus in Ronneburg und im Triebeser Freibad zu brüten – beides wurde unterbunden. Auch in Baumhöhlen, Gebäuden und Greifvogelhorsten wird gebrütet.

Die Nilgans vertreibt andere Arten vom Gewässer, macht nicht mal vor Rotmilan und Mäusebussard Halt. Der Einzige, der sich gegen sie durchsetzen könne, sei der Höckerschwan. Derzeit werde deshalb diskutiert, ob die Nilgans künftig bejagt werden sollte.

Thüringenweit gehe man von bis zu 400 Brutpaaren aus – und das, obwohl aus manchen Teilen nicht einmal ein Zählergebnis vorlag. Im Altenburger Land etwa seien so gut wie keine Daten erfasst worden. Die Zahl der Nilgänse dürfte also im Freistaat tatsächlich weit über 400 liegen.

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