Wird das Holzland zum Wolfsland?

Jena  Weiterer Wolf im Frühjahr wird im Saale-Holzland bestätigt. Doch es gibt auch eine Entwarnung nach einer verdächtigen Sichtung in Jena-Ost.

Leser Frank Kriete hat am Donnerstag diesen wolfsähnlichen Hund gesichtet, der frei in Jena-Ost herumlief und kein Halsband trug.

Leser Frank Kriete hat am Donnerstag diesen wolfsähnlichen Hund gesichtet, der frei in Jena-Ost herumlief und kein Halsband trug.

Foto: Frank Kriete

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Streift Isegrim durch Jena-Ost? Das zumindest befürchtet Leser Frank Kriete aus Gera, der am Donnerstagmorgen aus beruflichen Gründen bei der Fuchslöcherstraße war und dort eine befremdliche Begegnung hatte.

Ein Vierbeiner, der einem Wolf glich, streifte etwa fünf Minuten dort entlang und verschwand dann durch eine Hecke. Frank Kriete konnte das Tier noch schnell fotografisch festhalten und zeigte die Bilder einem Förster, der sich unsicher war, und schließlich unserer Zeitung. Wir schickten die Aufnahmen weiter an Silvester Tamás, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim Naturschutzbund Thüringen. Er antwortete prompt und gab Entwarnung: Es handle sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen wolfshundartigen Haushund“.

Woran macht er das fest? „In diesem Fall gibt es mehrere Merkmale“, sagt der Experte. Das Tier auf den Bildern ist sehr untersetzt, ein Wolf dagegen eher drahtig und schlank. Die Schnauze ist kräftiger, die Backen hohl, und außerdem ist das Tier kurzbeinig, was auf eine Domestizierung hinweise. Vermutlich sei der Hund schon älter, sagt Tamás. Wölfe haben dagegen schrägstehende gelbe Augen und rot-braun-gräuliches Fell. Die Rute hängt zudem beim Isegrim nach unten – das gesichtete Tier hat auf mehreren Fotos jedoch einen gehobenen Schwanz.

„Es treten oft Verwechslungen auf“, beruhigt Tamás, selbst Jäger könnten bei schlechter Sicht ein solches Tier für einen Wolf halten. Ungewöhnlich sei das zumal in der Region keineswegs. „Der Saale-Holzland-Kreis mit Jena ist nach Ohrdruf das Gebiet mit den meisten Wolfssichtungen“, sagt der Nabu-Experte. Zuletzt sei in diesem Frühjahr ein Wolf im Saale-Holzland-Kreis nachgewiesen worden. Zum genauen Ort hält sich Tamás aber bedeckt, Stichwort Jagd: „Wir nehmen illegale Tötungen ernst.“

Ein anderer Fall: Vor wenigen Tagen wurde ein erlegtes Reh im städtischen Forst von Jena gefunden. Die Bisse könnten von einem Wolf stammen, um Gewissheit zu erlangen, müssen die genetischen Untersuchungen noch abgewartet werden. „Wenn ein streunender Hund ein Tier reißt, sieht es auch wie beim Wolf aus.“

Man bedenke: Der erste Nachweis eines Wolfs in Thüringen glückte in Lobeda-Ost im Jahr 2013. Ein Rudel ließ sich in dieser Region aber nicht nieder, es sind immer durchziehende Tiere gewesen, die am Tag bis zu 80 Kilometer zurücklegen könnten. Offenbar ist die A4 eine Art Orientierung für die Tiere, die von Sachsen nach Thüringen kommen. „In Zukunft ist mit mehreren Wölfen zu rechnen“, sagt Tamás. Zum Schutz ihrer Herden sollten Schäfer die Tiere mit Zäunen schützen, die das Thüringer Landwirtschaftsministerium vollständig fördert. Und für Hundebesitzer gelte immer: Tiere anleinen.

Für die Wolfs-Bestimmung ist in Thüringen das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz zuständig, das in Abstimmung mit Fachleuten von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf Bilder und Rissgutachten sichtet. Genetisch ähneln Hunde, ob Dackel oder Schäferhund, immer noch stark dem Wolf.

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