Immunschutz

Wie viele Antikörper schützen vor Corona? Alle Infos

Rebecca Baden
| Lesedauer: 8 Minuten
Antikörpertitertests sind inzwischen automatisiert. In Zentrallaboren  können täglich bis zu 5000 durchgeführt werden.

Antikörpertitertests sind inzwischen automatisiert. In Zentrallaboren können täglich bis zu 5000 durchgeführt werden.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin  Noch ist unklar, wie lange Antikörper gegen das Coronavirus bestehen. Abhilfe schaffen Tests. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Antikörper bilden eine der wichtigsten Abwehrreaktionen des Körpers gegen Viren, Bakterien oder Pilzinfektionen. Besonders im Zusammenhang mit dem Coronavirus und den wieder aufflammenden hohen Infektionszahlen interessieren sich aktuell mehr Menschen für Antikörper und andere Prozesse des Immunsystems als vor der Pandemie. Doch was machen Antikörper genau, und ab wann bilden sie ausreichend Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2?

Dafür lohnt sich zunächst ein Blick aufs Grundsätzliche: Antikörper – auch Immunoglobine (Ig) genannt – sind Proteine, die das Immunsystem zur Abwehr von Erregern einsetzt. Durch Kontakt mit Antigenen, etwa Viren, kann das Immunsystem jeweils passende Antikörper bilden. Beim nächsten Kontakt baut es die Antikörper dann aus seinem Gedächtnis nach und kann die Infektion bekämpfen. Impfungen helfen bei diesem Immunisierungs-Prozess. Aber besonders im Zusammenhang mit dem Coronavirus gibt es noch viele Fragen.

Wie viele Antikörper braucht man?

Die meisten Wirbeltiere haben fünf unterschiedliche Klassen von Antikörpern in sich, sie befinden sich zu großen Teilen im Blut. Die wichtigsten Antikörper für die Abwehrreaktion sind die Immunoglobine A, M, G und E. Das IgA sitzt dabei vor allem auf Schleimhäuten, zum Beispiel in den Atemwegen oder im Magen-Darm-Trakt, und verhindert dort das Eindringen von Antigenen. Das IgE dient der Abwehr von Parasiten. Es kann auch vorkommen, dass der Körper Antikörper gegen seine eigenen Bestandteile baut und sich selbst bekämpft. In solchen Fällen spricht man von einer Autoimmunerkrankung.

Wie viele Antikörper man in sich tragen sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn in der Regel passt nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip auf ein Antigen nur eine Art von Antikörpern. Wie viele davon jeweils gegen unterschiedliche Erreger helfen und den Körper immun machen, bestimmen unterschiedliche Grenzwerte, die anhand von Forschungen erst ermittelt werden müssen.

Bei manchen Erregern gibt es allerdings großflächige Impfungen, um so viele Menschen wie möglich zu immunisieren: zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder eben auch SARS-CoV-2. Nach entsprechenden Forschungen und Langzeitstudien gehen Behörden wie das Robert Koch-Institut (RKI) bei solchen Erregern dann davon aus, dass die Immunität nach einer bestimmten Impffolge erreicht wurde. In manchen Fällen muss die Impfung aufgefrischt werden. Danach ist es nicht zwingend notwendig, die Antikörperwerte im Blut zu kontrollieren. In Einzelfällen kann der Test aber dabei helfen, bestimmte Symptome und Erkrankungen zu verstehen und gegebenenfalls Therapiemaßnahmen einzuleiten.

Wie viele Antikörper schützen vor Corona?

Die wichtigsten Antikörper zum Schutz vor Corona sind die IgM, die IgA auf den Schleimhäuten und die IgG. Während Erstere sich schon kurz nach den ersten Symptomen von Covid-19 als Reaktion bilden, treten die IgG mithilfe der Gedächtniszellen erst später auf – und bleiben länger erhalten. Sie gelten sowohl bei SARS-CoV-2 als auch bei vielen anderen Viren als Marker für Immunität.

Den maximalen Antikörpertiter – also die Menge, die man für eine biologische Reaktion braucht –, erreichen Geimpfte in der Regel zwei Wochen nach der vollendeten Grundimmunisierung gegen Covid-19. Danach sinkt er, wie eine Auswertung der Sechs-Monats-Daten des Biontech/Pfizer-Vakzins ergab. Allerdings ist noch nicht ausreichend geklärt, wie schnell und stark die Anzahl der Antikörper sinkt und wann der Schutz nicht mehr effektiv ist. Ab welchem Wert man überhaupt als gegen das Coronavirus geschützt gilt, versuchen Forschende auf der ganzen Welt derzeit nämlich noch zu definieren.

Der Körper hat neben der Abwehr durch Antikörper aber noch andere Mittel, um sich gegen Viren zu wehren: Aktivierte T-Lymphozyten (auch T-Zellen) können virusinfizierte Zellen eliminieren und so verhindert, dass sich das Virus weiter verbreitet. Es kann also sein, dass eine Person einen niedrigen Antikörperwert gegen SARS-CoV-2 hat und dennoch nicht schwer erkrankt. Allerdings ist es sehr schwer, die T-Zellen zu messen.

Was kostet ein Antikörper-Test?

Aus diesem Grund gelten Antikörper-Tests als wenig aussagend, um daraus genaue Rückschlüsse über eine Immunität gegen SARS-CoV-2 zu ziehen. Wer eine hohe Anzahl an Antikörpern im Blut hat, muss sich also dennoch an die Schutzmaßnahmen halten. Die Tests helfen vor allem dann, wenn Antikörper gegen das Coronavirus generell nachgewiesen sollen, zum Beispiel wenn eine Person noch nicht geimpft ist und wissen möchte, ob sie bereits eine Infektion überstanden hat. Aber auch, ob und wie gut die Impfung angeschlagen hat, kann man mittels Antikörpertests herausfinden.

Je nach Auswahl der Testmethode, fallen unterschiedlich hohe Kosten an. Surrogat-Neutalisationstests, bei denen das Blut mit Viruselementen in Verbindung gebracht und auf ihre Reaktion getestet wird, sind mit 50 bis 60 präziser und teurer als einfache Antikörpertests. Dabei nimmt der Hausarzt oder die Hausärztin Blut ab und schickt es ins Labor, die Tests kosten etwa 15 bis 20 Euro. Wenn ein Antikörpertest ärztlich verordnet wurde, übernehmen zudem manche gesetzliche Krankenkassen die Kosten.

Keine Antikörper nach der Impfung, was tun?

Auch wenn nicht klar ist, ab welchem Antikörper-Titer eine Person immun gegen das Coronavirus ist: Wer Antikörper hat, ist auf jeden Fall besser vor einem schwerem Verlauf geschützt als jemand, der keine hat. Was aber, wenn sich auch nach der Impfung gegen Covid-19 keine Antikörper gebildet haben?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat in Studien beobachtet, dass manche Menschen nach der Impfung gegen Covid-19 eine schlechtere Immunantwort hatten. Im Gespräch mit der “Tagesschau" erklärte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens, dass das vor allem auf Personen zutreffe, deren Immunsystem medikamentös gebremst werde. Darunter fallen zum Beispiel Personen mit neuen Spenderorganen oder Patienten und Patientinnen in Chemotherapie. Auch einige Menschen mit Autoimmunerkrankungen können Medikamente bekommen, die die Impfwirkung hemmen. Zudem reagiert das Immunsystem mit zunehmendem Alter oft weniger zuverlässig und stabil als bei jüngeren Geimpften.

In der 12. Aktualisierung der Impfempfehlung rät die STIKO betroffenen Personengruppen daher zu Impfauffrischungen nach sechs Monaten. Ein vorheriger Antikörpertest, um sicherzugehen, dass der Impfschutz auch tatsächlich nachgelassen habe, sei aber nicht grundsätzlich nötig und auch nicht hilfreich: Der Wert, der den Schutzstatus bestimmt, ist schließlich noch nicht definiert. Lediglich “schwer immundefiziente Personen mit einer erwartbar stark verminderten Impfantwort" sollen ihre Antikörper noch einmal testen lassen, rät die STIKO. Und zwar vor und nach der dritten Impfdosis.

Wie lange sind Antikörper nachweisbar?

Dadurch, dass es noch recht wenig Datenmaterial zum Langzeit-Antikörperspiegel nach der Covid-19-Impfung gibt, lässt sich auch diese Frage noch nicht eindeutig beantworten. Forschende gehen derzeit davon aus, dass er ein Jahr nach der Impfung relativ sicher deutlich abgefallen sein wird. Eine Booster-Impfung gilt aber auch dann als ungefährlich, wenn der Antikörper-Spiegel zum Zeitpunkt ihrer Verabreichung noch hoch liegen würde.


Ganz anders nach einer überstandenen Infektion: Bereits im vergangenen Jahr hatten Studien aus Großbritannien und China gezeigt, dass die Antikörper-Level schon nach zwei beziehungsweise drei Monaten stark gefallen waren. Generell geht man daher davon aus, dass spätestens sechs Monate nach überstandener Infektion kein ausreichender Schutz mehr besteht.