Saalfeld wird für sechs Jahre vom IC-Netz abgekoppelt

Jena  Der kleine Bahngipfel in Jena bringt keine Fortschritte für Ostthüringen. Frühestens im Dezember 2023 soll es ein Fernzug-Angebot im Zwei-Stunden-Takt auf der Saalbahn geben. Gera wird ab Ende 2018 ins IC-Netz eingebunden.

ICE. Symbolfoto: Martin Schutt/dpa

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Auf einen Vier-Punkte-Plan haben sich das Land Thüringen und die Deutsche Bahn AG verständigt, um Ostthüringen den Anschluss an den Bahnfernverkehr zu sichern. Doch das Paket enthält kaum Entgegenkommen für die Zeit nach der Eröffnung der ICE-Neubaustrecke durch den Thüringer Wald im Dezember 2017.

Ab diesem Zeitpunkt soll es im Saaletal statt ICE im Stundentakt nur noch zwei Intercity-Express täglich morgens von Jena nach Berlin und am Nachmittag und am Abend von Berlin zurück nach Jena geben. Saalfeld wird bei dieser Lösung nicht bedacht, weil sich die Verlängerung laut Alexander Quirin von DB Fern­verkehr nicht rechnet.

Im zweiten Schritt soll ab Dezember 2018 der Doppelstock-Intercity nach Gera rollen – dreimal am Tag enden hier Linien aus dem Ruhrgebiet oder aus Kassel. Von Gera bis Gotha sollen auch Nahverkehrsfahrscheine im Intercity gelten, der bestehende Regionalexpress-Züge ersetzt. Ursprünglich sollte das Angebot zeitiger starten. „Limitierend wirkt die Zulassung einer auf die Wagen abgestimmten Diesellok“, sagt Quirin.

Ab Dezember 2023 plant die Bahn, eine Intercity-Linie von Karlsruhe über Stuttgart, Nürnberg, Saalfeld und Jena nach Leipzig im Zwei-Stunden-Takt anzubieten – und damit sieben Jahre früher als im Ursprungsplan. Der Starttermin orientiert sich am Vertragsende des Franken-Thüringen-Express. Die IC-Doppelstockwagen sollen das Nahverkehrsangebot zwischen Jena und Nürnberg ersetzen, weil für Parallelangebote nicht genügend Fahrgastpotenzial vorhanden sei, sagt Quirin.

Vierter Punkt im Konzept sei die Verlängerung der IC-Linie von Gera in Richtung Chemnitz, sobald die Mitte-Deutschland-Schiene elektrifiziert ist – doch noch hat nicht einmal die Planung des Projektes begonnen.

„Thüringen kann nicht alle wegfallenden Fernverkehrs­verbindungen auffangen“, sagte Verkehrs­ministerin Birgit Keller (Die Linke). Ziel sei es aber, durch gute Expressangebote im Nahverkehr „Ostthüringen näher an die ICE-Schnellfahrstrecke zu rücken“.

Politiker enttäuscht von Konzept

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) forderte, dass der Saalbahn-Intercity Ende 2017 startet: „Jena ist ein ganz wichtiger Wirtschaftsstandort – bei sechs Jahren Pause entwöhnen sich viele Kunden des Fernverkehrs.“ Auch Marko Wolfram (SPD), Landrat von Saalfeld-Rudolstadt, hatte ein besseres Ergebnis und keine so lange Kappung der Fernanbindung erwartet.

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