Interview

Carsten Maschmeyer: „Das war meine größte Niederlage“

Oliver Stöwing
| Lesedauer: 4 Minuten
Carsten Maschmeyer: "Ich wäre in den Tod gegangen durch Tabletten"

Carsten Maschmeyer: "Ich wäre in den Tod gegangen durch Tabletten"

Der Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer macht seine Tablettensucht öffentlich. Mittlerweile hat er einen Entzug gemacht. Doch er hat einen Rat an Betroffene.

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Berlin  Carsten Maschmeyer brachte seine Tablettensucht fast um. Im Interview spricht er jetzt über seinen Kampf und sein neues Kinderbuch.

Der Löwe kommt aus seiner Höhle: Carsten Maschmeyer (62) besucht die FUNKE Zentralredaktion in Berlin. Der Händedruck: erwartbar kräftig. Der Finanzunternehmer ist einer der Investoren der Vox-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“, jetzt will er mit seinem ersten Jugendbuch „Die Start-up-Gang“ Kindern Unternehmergeist einpflanzen. Ehefrau Veronica Ferres habe es natürlich gegengelesen. Der Vater zweier Söhne ist konzentriert, guckt nicht auf die Uhr oder das Smartphone.

Nun wollen Sie schon den Kleinen Gründergeist einpflanzen. Brauchen wir denn wirklich noch mehr Zuckerbergs und Bezos’? Brauchen wir nicht viel mehr Krankenpfleger, Umweltschützer, Handwerker?

Carsten Maschmeyer: Das ist kein Widerspruch. Technologie hilft ja auch gerade diesen Berufsgruppen. Nehmen Sie das wichtige Umweltthema. Das kann man nicht nur mit Verboten angehen, da braucht es viele Innovationen. Es kann gar nicht genug Erfindungen geben, energiesparsamer zu werden, grüner zu werden.

Ein Kind in Ihrem Buch heißt Mehmet, sein Vater hat eine Dönerstube. Kriegt denn ein Mehmet oder ein Mohammed hier überhaupt Investorengeld mit seinem Namen?

Maschmeyer: An seinem Namen wird das nicht scheitern, so weit sind wir ja hoffentlich. Aber was die Idee angeht: Ein Dönerladen ist jetzt nicht das, worin ein typischer Start-up-Investor sein Geld reinsteckt. Sondern es braucht eine neue Erfindung, die irgendwas nachhaltiger, gesünder, günstiger macht. Die Idee ist alles. Und ich habe jetzt gemerkt, wie wichtig es ist, auch digital zu werden. Ich war gerade in Hoyerswerda ...

Sie haben dort ein Hotel für ukrainische Flüchtlinge gemietet.

Maschmeyer: Die Menschen wollen sofort Deutsch lernen, die wollen arbeiten. Das scheinen fortbildungsfreudige, arbeitswillige Menschen zu sein. Sie waren sehr dankbar für die viele Hilfe. Und auch überrascht, wie wenig digital wir sind. In der Ukraine geht das meiste bei den Behörden auf Klick. Und bei uns: Listen, Kopieren, Drucken, Abheften, drei Wochen warten.

Ihr Freund Gerhard Schröder wird wegen seiner Geschäfte in Russland und Nähe zu Putin scharf kritisiert. Haben Sie mit ihm gesprochen seit der Invasion?

Maschmeyer: Selbstverständlich, aber was ich ihm zu sagen habe, das sage ich ihm persönlich. Wir haben aber in diesem Punkt eine sehr gegenteilige Auffassung. Das ist klar.

Sie gelten als Erfolgstyp. Aber was sind Ihre Misserfolge?

Maschmeyer: Das Schlimmste war, dass ich mich durch meine Arbeitssucht gesundheitlich fast ruiniert hatte. Das war meine größte Niederlage. Ich war kurz davor, mit meiner Schlaftablettensucht mein Hirn irreparabel zu schädigen. Wenn ich das noch ein paar Wochen länger gemacht hätte, wäre ich tot gewesen. Und natürlich bin ich traurig, dass ich meinen Kindern eine Scheidung zugemutet habe, weil ich Workaholic war und mich nicht genug um die Familie gekümmert habe. Viel schlimmer geht es ja nicht, als suchtkrank zu werden oder seine Familie zu verlieren. Bei mir fiel beides zeitlich auch noch zusammen.

Was glauben Sie, was die Öffentlichkeit für ein Bild von Ihnen hat?

Maschmeyer: Die meisten Menschen kennen mich als Start-up-Investor, der mit den Dingen, die ich kann und habe, Erfinder gut unterstützt. Für manche ist das polarisierend. Ich habe Kapital, also bin ich ein Kapitalist. Und dann helfe ich Gründerinnen und Gründern im Vertrieb und im Verkauf. Aber manche mögen keine Verkäufer. Sie sagen: Die Verkäufer verkaufen dem Papst ein Doppelbett. Ich bin Gott sei Dank in einem Alter und einer Situation, dass mir die Vorurteile von Leuten, die mich nicht persönlich kennen, nicht so wichtig sind, wie die Meinung von Menschen, die mich beruflich oder privat erlebt haben.