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Corona-Infektion kann das Gehirn schrumpfen lassen

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Omikron: Diese 10 Schnelltests werden empfohlen // IMTEST

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Nicht jeder Schnell- oder Selbsttest erkennt eine Corona-Infektion zuverlässig. Das haben im Lauf der Pandemie verschiedene Untersuchungen gezeigt. Gerade bei einer Infektion mit Omikron seien viele Tests dabei, die nicht anschlagen. Welche Tests sind zuverlässig?

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Berlin  Laut einer aktuellen Studie kann Covid-19 die Gesamtgröße des Gehirns schrumpfen lassen. Das haben Fachleute aus Oxford herausgefunden.

  • Eine Corona-Infektion kann viele längerfristige Folgen haben
  • Nun haben Forscher herausgefunden, dass eine Infektion auch das Gehirn angreifen kann
  • Die neue Studie zeigt die Auswirkungen von Covid-19

Schon ein milder Verlauf einer Covid-19-Erkrankung kann sich auf die Größe des Gehirns sowie auf die sogenannte graue Substanz auswirken. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie unter der Leitung der Universität in Oxford, die kürzlich im Fachmagazin "Nature" erschienen ist.

"Wir waren ziemlich überrascht, dass wir selbst bei einer leichten Infektion deutliche Unterschiede im Gehirn feststellen konnten", erklärte die Hauptautorin und Professorin für Neurowissenschaften, Gwenaëlle Douaud, dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNN.

Corona-Infektion verringert "graue Zellen" im Gehirn

In der Studie wurden die Gehirne von insgesamt 785 Menschen im Alter zwischen 51 und 81 Jahren untersucht. Dabei wurden je zwei Scans der Gehirne gemacht. Bei 401 Personen lag zwischen den beiden Zeitpunkten eine Infektion mit Sars-CoV-2, durchschnittlich etwa vier bis fünf Monate vor der zweiten Untersuchung.

Beim Vergleich der Hirn-Bilder der Infizierten mit den Nicht-Infizierten seien signifikante Effekte festgestellt worden: Bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, hätte sich demnach die Dicke der sogenannten grauen Substanz verringert. Darunter versteht man Teile des zentralen Nervensystems, die Nervenzellkörper enthalten und umgangssprachlich als "graue Zellen" bezeichnet werden. Sie sind maßgeblich an der Verarbeitung von Informationen beteiligt und steuern auch Emotionen. In Hirnregionen, die für das Geruchsvermögen zuständig sind, ließen sich zudem Anzeichen für Gewebeschäden feststellen.

Alle 785 Teilnehmenden der Studie hatten ähnliche Risikofaktoren, wie zum Beispiel Bluthochdruck. Außerdem hatten sie einen ähnlichen sozialen Hintergrund. Von den Corona-Infizierten mussten lediglich 15 ins Krankenhaus, die meisten hatten also milde Verläufe.

Kann Covid-19 Alzheimer und Demenz begünstigen?

Mit den Covid-19-Patientinnen und -Patienten wurden ergänzend Tests durchgeführt, mit denen Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz ermittelt werden. Dabei wurde festgestellt, dass diejenigen mit dem größten Verlust an Hirngewebe auch bei den Tests am schlechtesten abschnitten. Die Ergebnisse legen nahe, dass Long Covid langfristig die Entstehung solcher Krankheiten begünstigen kann, heißt es in der Studie. Für genauere Ergebnisse diesbezüglich müssen die Teilnehmenden der Studie nach zwei Jahren wieder untersucht werden.

Die Gesamtgröße des Gehirns habe sich bei Covid-19-Erkrankten stärker verringert, als bei nicht erkrankten Teilnehmenden der Studie. Laut den Fachleuten sei es normal, dass Menschen mit dem Alter jedes Jahr einen sehr kleinen Teil ihrer grauen Substanz verlieren. So betrage der Verlust in Regionen, die mit dem Gedächtnis zusammenhängen, jährlich zwischen 0,2 und 0,3 Prozent. Bei den infizierten Teilnehmenden sei die Hirngröße aber durchschnittlich zwischen 0,2 und 2 Prozent geschrumpft.

Risiko für Geimpfte nicht erfasst

Auch wenn die Studie einen Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Gehirnfunktion nahelegt, sei noch nicht klar, warum. Die Autorinnen und Autoren wiesen zudem darauf hin, dass es sich bei der Studie um eine Momentaufnahme handele. Es lasse sich keine Aussage darüber treffen, ob die Veränderungen im Gehirn rückgängig gemacht werden könnten.

Der nicht an der Untersuchung beteiligte Neurologe Richard Isaacson aus Florida schätzte die Ergebnisse der Studie gegenüber CNN als auffällig aber nicht alarmierend ein. Die Gesamtauswirkungen für den Einzelnen seien damit schwer zu bestimmen.

Die Untersuchungen wurden durchgeführt, als in Großbritannien die Alpha-Variante dominierte. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass auch Personen beteiligt waren, die sich mit der Delta-Variante infiziert hatten. Nicht untersucht wurde der Einfluss einer Corona-Impfung auf die Veränderungen im Gehirn. Laut britischer Gesundheitsbehörde habe die Auswertung von 15 Studien ergeben, dass Geimpfte ein geringeres Risiko für Long Covid hätten als Ungeimpfte. (lg)

Dieser Artikel ist zuerst auf www.morgenpost.de erschienen