Kriminalfall

Familie getötet - wegen eines gefälschten Impfzertifikats?

Julian Würzer
| Lesedauer: 6 Minuten
Familiendrama von Senzig: Gefälschtes Impfzertifikat mögliches Motiv

Familiendrama von Senzig: Gefälschtes Impfzertifikat mögliches Motiv

Ein gefälschtes Impfzertifikat und Angst vor Verhaftung waren offenbar die Motive für das Familiendrama im brandenburgischen Königs Wusterhausen. In einem Abschiedsbrief gab der 40-jährige Familienvater an, dass er und seine Frau Angst vor einem Verlust ihrer drei Kinder gehabt hätten.

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Cottbus.   Ein Vater soll seine Frau und Kinder getötet haben. Der Abschiedbrief deutet auf Sorgen wegen eines gefälschten Impfzertifikats hin.

  • In einem Ortsteil von Königs Wusterhausen sind fünf Menschen tot aufgefunden worden
  • Offenbar hat ein Familienvater seine drei Kinder, seine Frau und sich selbst getötet
  • Womöglich hatte er Angst vor einer Verhaftung wegen eines gefälschten Impfnachweises
  • Laut einem Medienbericht gehörte er einer Telegram-Gruppe mit Corona-Leugnern und Impfgegnern an

Hat der Familienvater seine Frau, Kinder und anschließend sich selbst aus Angst vor dem Gefängnis umgebracht? Im Fall der fünf Toten im Ortsteil Senzig von Königs Wusterhausen südlich von Berlin sind Details aus dem Abschiedsbrief des Familienvaters bekannt geworden – und sie deuten auf Sorgen des Mannes vor einer Verhaftung wegen eines gefälschten Impfzertifikats hin.

Daraus ergab sich nach Justizangaben vom Dienstag die Befürchtung des 40-Jährigen, dass man ihm und seiner Frau die Kinder wegnehmen werde. Das bestätigte der Cottbusser Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon , die ebenfalls zu dieser Redaktion gehört. Die Deutsche Presse-Agentur hatte zuerst darüber berichtet.

Abschiedsbrief von Familienvater unterschrieben

Der 40-Jährige hatte dem Brief zufolge ein Impfzertifikat für seine Frau fälschen lassen. Ihr Arbeitgeber hatte dies erfahren. Deshalb hatte der Mann Angst vor einer Verhaftung und dem Verlust der Kinder, wie Bantleon am Dienstag sagte. Hinweise, ob die Tat in Absprache mit seiner Frau stattfinden sollte, gebe es in dem Abschiedsbrief nicht, so Bantleon.

„Das Schreiben beschäftigt sich nur mit dem Familienvater“, so der Oberstaatsanwalt. Auch verliere er kein Wort in Bezug auf die Kinder, noch habe er um Verzeihung gebeten oder, dass es ihm leid tue, sagte Bantleon auf Nachfrage. Der Abschiedsbrief sei von dem 40-Jährigen unterschrieben. „Deshalb kann man davon ausgehen, dass er auch von ihm stammt“, sagte Bantleon. Weitere Details zum Inhalt des Briefes wollte er nicht nennen.

Den Brief fanden die Ermittler im Haus der Familie. Ob die Angst vor einer Verhaftung gerechtfertigt ist, wollte Bantleon nicht öffentlich kommentieren. Er sagte lediglich, dass der Strafrahmen für das Fälschen eines Impfpasses eine Haftstrafe hergeben könnte. Die Gesetzgebung zum Anfertigen oder Vorlegen eines gefälschten Impfnachweises ist vor zwei Wochen verschärft worden. Seitdem ist der „Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ allgemein strafbar. Der entsprechende Paragraf des Strafgesetzbuchs sieht dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor.

Schussverletzungen bei Frau und Kindern gefunden

Nach dem Fund des Abschiedsbriefes gehen die Ermittler davon aus, dass der Familienvater für die Tat verantwortlich ist. Er soll seine Frau, 40 Jahre alt, und seine drei Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren getötet haben – man fand alle mit Schussverletzungen. Zunächst hieß es, sie wiesen Schuss- und Stichverletzungen auf.

Das revidierte die Staatsanwaltschaft bereits am Montag. Auch eine Schusswaffe fanden die Ermittler im Haus. Ob es sich dabei um die Waffe handelt, mit der geschossen wurde, sei derzeit aber noch offen. „Es finden Untersuchungen statt, die klären, ob die Projektile zur Waffe passen“, sagte Bantleon. Ob der Familienvater einen Waffenschein besaß, konnte die Oberstaatsanwaltschaft nicht beantworten.



Auch war am Dienstag noch unklar, ob das Verbrechen am Samstag geschah. Die Tat sei nicht am selben Tag geschehen, sagte Bantleon. Die Anzeichen würden sich dahingehend verdichten, dass die Frau und die Kinder zum Tatzeitpunkt geschlafen hatten. Ausschließen könne Bantleon, dass der Familienvater mit Schlafmitteln nachgeholfen habe.

Kein Haftbefehl gegen eine dritte Person

Auch Hinweise auf eine körperliche Auseinandersetzung, etwa zwischen dem Familienvater und seiner Frau, habe es in dem Haus nicht gegeben, so Bantleon. „Es gibt keinen Hinweis auf einen Kampf“, sagte er. Wann der 40-Jährige die mutmaßliche Tat vollzog, kann der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Diese Frage soll womöglich die Obduktion der fünf Toten beantworten. Ergebnisse sollen in einigen Tagen vorliegen.



Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen hätten sich in dem Haus ebenso wenig wie sonstige Anhaltspunkte für die Anwesenheit anderer Personen gefunden. „Es gibt derzeit keinen Tatverdacht gegen eine dritte Person“, sagte Bantleon. „Es gibt keinen Haftbefehl gegen jemanden.“

Tat löst Bestürzung in Königs Wusterhausen aus

Der Abschiedsbrief weise auf den 40-Jährigen hin und zeige auch auf, dass die Tat geplant gewesen sei und der Familienvater nicht im Affekt gehandelt habe, so Bantleon. Sollte sich dieser Verdacht weiter verhärten, werde das Ermittlungsverfahren womöglich auch bald eingestellt. „Wir können nicht gegen Tote, sondern nur gegen Lebende ermitteln“, sagte Bantleon. Er verwies aber auch darauf, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Laut "Tagesspiegel" soll ein Mann mit dem Namen des 40-Jährigen am 25. November in eine Telegram-Gruppe namens "Freiheitsboten Königs Wusterhausen" eingetreten sein. In der Gruppe sammeln sich viele Impfgegner und Corona-Leugner. Fachleute rechnen sie dem Querdenker-Milieu zu.


In König Wusterhausen löst die Tat Bestürzung aus. „Diese Tragödie lässt mich fassungslos zurück“, sagte die Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen, Michaela Wiezorek. Ihr tiefstes Mitgefühl gehöre zuallererst den Angehörigen, Freunden und Bekannten. Sie denke aber auch an alle Einsatzkräfte, die vor Ort ihre Aufgaben erfüllt hätten und nun dieses Geschehen verarbeiten müssten, sagte sie. Ein Seelsorgezentrum sei eingerichtet worden. (mit dpa)

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.