Pandemie

Johnson & Johnson: Apotheken geben Geimpften wichtigen Rat

Beate Kranz
| Lesedauer: 5 Minuten
Lauterbach will drei Dosen für Erfüllung von Impfpflicht

Lauterbach will drei Dosen für Erfüllung von Impfpflicht

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) setzt sich dafür ein, dass zur Erfüllung der geplanten Impfpflicht drei Corona-Impfungen vorgeschrieben werden. Derart Geimpfte seien "gegen alle Corona-Varianten - zumindest vor schwerer Krankheit und Tod - geschützt", sagte er in einem Interview.

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Berlin.  Verwirrung um die Corona-App: Wer mit J&J und einem weiteren Vakzin geimpft wurde, galt als geboostert. Leicht zu sehen ist das nicht.

  • Bei der Corona-Impfung von Johnson & Johnson war nur eine Dosis für den vollen Impfschutz nötig
  • Das hat aber Auswirkungen auf den Booster, denn die Corona-Apps verstehen diese Logik nicht
  • Es wird nach einer Lösung gesucht. Apotheken haben deshalb einen wichtigen Rat für Geimpfte

Der Bund hat die Corona-Schutzmaßnahmen angepasst: Seit kurzem gelten zwar mit Johnsons & Johnson-Geimpfte grundsätzlich nur als geboostert, wenn sie noch zwei weitere Impfdosen mit einem anderen Impfstoff bekommen haben. Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Kriterien für den Impfstatus geändert. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie der Blick in die Bundesländer zeigt: In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg regeln zum Beispiel die Verordnungen des Landes, das es bestimmte Ausnahmen gibt. Wer zweimalig geimpft ist und deren Impfung bereits mehr als 14 Tage her ist, aber weniger 90 Tage zurückliegt, gilt als geboostert.

Geboosterte, die mit Johnson & Johnson (J&J) geimpft wurden oder von einer Corona-Erkrankung genesen sind, haben derzeit allerdings Probleme mit ihrem Status in den Impf-Apps. Die Corona-Warn-App und CovPass-App zeigt eben erst einmal nur zwei Impfungen an, was in den meisten Fällen gegen eine Booster-Impfung spricht. Erst der aufwendige Blick auf den genauen Impfstoff und das Datum offenbart: Möglicherweise gilt jemand trotzdem als geboostert. Der Ärger bei den Betroffenen ist entsprechend groß. Viele klagen über Probleme in Cafés oder Restaurants.

Alle Infos im Überblick: Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Booster – Alles zu Johnson & Johnson

Corona-Geboosterte mit Johnson & Johnson brauchen Test

Betroffen waren vor der Neuregelung des Paul-Ehrlich-Instituts mindestens 5,3 Millionen Menschen, die bisher mit Johnson & Johnson geimpft wurde.

„Die Menschen, die einmal mit J&J geimpft wurden, müssen wissen, dass ihre Impfung in der Grundimmunisierung auch nur einfach statt zweifach auf dem Impfzertifikat gezählt wird“, berichtet Christian Splett, ein Pressesprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) dieser Redaktion. Lesen Sie hier: Chaos um Johnson & Johnson-Impfstatus

„Dasselbe Problem gilt auch für Genesene, die danach nur einmal zur Grundimmunisierung geimpft werden.“ Damit haben sie jedoch nicht den Status als Geboosterte, sondern nur als Grundimmunisierte.

Fehler in Corona-App: Falsche Anzeige bei Johnson & Johnson

In der Corona-App ist der Fall bislang nicht vorgesehen, dass eine Impfung auch durch eine überstandene Corona-Erkrankung ersetzt werden kann – oder eine Grundimmunisierung auch durch eine statt zwei Impfgaben bei manchen Vakzinen erfolgen kann.

„Hier wird die J&J-Impfung derzeit einfach als ,1 von 1‘ gezählt, statt als ,2 von 2‘ wie bei der doppelten Grundimmunisierung bei anderen Impfstoffen angezeigt zu werden“, erläutert Splett. „Nach der Auffrischung steht bei J&J dann ,2 von 2‘ - statt wie bei anderen Impfstoffen „3 von 3“ nach der Auffrischungsimpfung.“

Apotheken: Corona-App muss nachgebessert werden

Der Apothekerverband fordert deshalb das RKI auf, das die QR-Codes erstellt, die Apps technisch nachzuarbeiten. Wichtig sei es, „dass auch bei J&J-Grundimmunisierten schnell und eindeutig erkennbar ist, dass sie mit dem Zertifikat „2 von 2“ geboostert sind“, sagte der ABDA-Sprecher Splett.

Dasselbe gelte auch für viele Genesene: „Sie haben ein digitales Impfzertifikat für Genesene erhalten, wo nach ihrer Genesung die einmalige Grundimmunisierung mit „1 von 1“ vermerkt wurde. Haben sie nun eine Auffrischungsimpfung erhalten, zeigt das Impfzertifikat „2 von 2“ an“, berichtet Splett. „Auch sie lassen sich somit in der App nicht leicht als Geboosterte identifizieren.

Hintergrund: Booster-Impfung: Ab wann gibt es die volle Wirkung?

Problem mit Corona-App: Ministerium sucht Lösung

Apotheken sind heute oft noch ein wichtiges Bindeglied zwischen Hausarzt bzw. Impfzentrum und der Übertragung des Impfstatus in die Corona-Apps. Sie können bei Vorlage der gelben Impfpässe über ihr Apothekerportal beim Robert-Koch-Institut die entsprechenden Impfcodes (QR-Code) abrufen und den Kunden ausdrucken.

Das technische App-Problem ist dem Bundesgesundheitsministerium bekannt. Wann es gelöst ist, dagegen noch nicht. Auch die EU-Kommission dringt darauf, dass die Nachweise für Geimpfte und Genesene bis zum 1. Februar verbessert werden müssen. Das Ministerium arbeitet nach eigenen Angaben daran.

Der Apothekerverband empfiehlt deshalb allen J&J-Geimpften und Genesenen, immer ihre Impfzertifikate oder Genesenenzertifikate auch ausgedruckt bei sich zu haben, um im Zweifelsfall ihre Zertifikate vorlegen und erläutern zu können.

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Corona-Tipp: Corona-Impfpass immer mitnehmen

„Das ist zwar etwas kompliziert und dauert alles länger, kann aber sinnvoll sein, um überhaupt einen Eintritt in ein Restaurant oder ein Kino bei dem Kontrolleur oder der Kontrolleurin zu erhalten“, meint Splett.

Insgesamt wurden in Deutschland 5,3 Millionen Menschen mit Johnson & Johnson geimpft – dies sind 3 Prozent aller verabreichten Impfstoffdosen von 179 Millionen. Die meisten Bürger erhielten Biontech/Pfizer(127,9 Millionen), Astrazeneca (14,4 Millionen) und Moderna (31,9 Millionen Dosen).

In Deutschland sind aktuell 72,7 Prozent (60,5 Millionen Personen) der Bevölkerung vollständig geimpft. Mindestens 39,2 Millionen Menschen (47,1 Prozent) sind geboostert. (mit les)