Immunität

Corona: Diese Universal-Impfstoffe werden gerade entwickelt

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Lauterbach: Angepasste Impfstoffe frühestens im Herbst

Lauterbach: Angepasste Impfstoffe frühestens im Herbst

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet nicht, dass an Varianten angepasste Corona-Impfstoffe vor dem Herbst verfügbar sein werden. of Karl Lauterbach

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Berlin  Forscher suchen weltweit nach Impfstoffen, die gegen alle Corona-Varianten schützen können. Drei Projekte gelten als aussichtsreich.

Eines ist nach zwei Jahren Pandemie klar: Das Coronavirus entwickelt sich weiter, passt sich stetig an, sodass es sich trotz Impfungen und durch Genesung erworbener Immunität weiterverbreiten kann. Die aktuell verfügbaren Corona-Impfstoffe senken das Risiko schwerer Covid-19-Erkrankungen und das Sterberisiko deutlich. Doch sie haben alle einen Haken.

Mit jedem Auftreten einer Mutation muss überprüft werden, ob die Vakzine auch gegen diese „Version“ des Coronavirus ähnlich schützen. Bei bestimmten Varianten des Virus zeigen die bisher zugelassenen Impfstoffe eine geringere Wirkung. Die verfügbaren Impfungen senken zwar nach wie vor das Risiko von schwerer Erkrankung und Tod erheblich, vor Ansteckung mit Omikron aber schützen sie kaum noch.

Corona-Impfstoffe benutzen vor allem das Spike-Protein – das sich laufend verändert

Weltweit arbeiten Forscher deshalb nicht nur an auf die Varianten wie Omikron angepassten Impfstoffen, sondern entwickeln auch optimierte Corona-Vakzine, die möglichst universell wirken sollen. Einige Kandidaten werden bereits in klinischen Studien geprüft.

Bei allen heutigen Corona-Impfstoffen steht das Spike-Protein des Virus im Fokus, also die „Zacken“ auf der Oberfläche. Das gesamte Protein oder Teile davon werden bei der Impfung dem Immunsystem präsentiert, so dass dieses Antikörper und andere zelluläre Immunantworten dagegen entwickeln kann. Allerdings verändert sich gerade das Spike-Protein laufend.

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Impfung gegen alle Corona-Varianten: Diese Forschungsprojekte könnten Erfolg haben

Künftige Impfstoffe sollten deshalb auf die Spike-Proteine verschiedener bekannter Virusvarianten zielen. „Die Hoffnung ist, dass man so eine möglichst breite Immunantwort auslöst und damit auch ein Schutz vor kommenden Varianten gegeben ist“, erklärte Peggy Riese vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Diese Forschungsprojekte gelten als aussichtsreich:

  • An der University of North Carolina in den USA wird an einem mRNA-Impfstoff gearbeitet, der nach der Verabreichung dafür sorgt. dass die Körperzellen unterschiedliche Virus-Spike-Proteine herstellen. Immunzellen nehmen die Information auf und stellen dann nicht nur Antikörper her, die gegen die einzelnen Viren wirken, sondern auch Antikörper, die alle Viren-Varianten auf einmal neutralisieren. Im Laborversuch war dieses Vakzin bereits erfolgreich, in diesem Jahr sollen die ersten klinischen Studien am Menschen durchgeführt werden.
  • Noch in diesem Jahr möchte das US-Unternehmen ImmunityBio zum Beispiel einen Covid-19-Impfstoff der zweiten Generation auf den Markt bringen, der eine Immunreaktion gegen das Spike-Protein und das sogenannte Nucleocapsid aufbaut. Das Nucleocapsid ist ein Protein, das an der Verpackung des Virus-Erbguts beteiligt ist und sich weniger stark verändern kann.
  • Das von Tübinger Forschern entwickelte Präparat CoVac-1 aktiviert die T-Zell-Immunantwort. Dieser Peptid-basierte Impfstoff enthält sechs verschiedene Proteinbestandteile (Peptide) von Sars-CoV-2 als Antigene, gegen die das Immunsystem nach der Impfung eine T-Zell-Antwort aufbaut. Darunter ist das Spike-Protein, gegen das auch die bisher verfügbaren Impfstoffe gerichtet sind. Die Kombination von mehreren Virus-Eiweißen in einem Impfstoff soll eine möglichst breite T-Zell-Immunantwort auslösen, so dass die Schutzwirkung auch bei Mutationen des Virus erhalten bleibt.

Impfung: Neuartiges Corona-Vakzin soll eine T-Zell-Immunantwort auslösen

„Wir haben im Blut von Covid-19-Genesenen geschaut, welche Proteinbestandteile des Virus von den T-Zellen erkannt wurden“, erläutert Walz. „Genau diese Peptide haben wir dann für unseren Impfstoff ausgesucht.“

Profitieren könnten von so einem Impfstoff vor allem Menschen, bei denen die Bildung von Antikörpern gestört ist, etwa manche Krebspatienten oder Personen mit angeborenem Immundefekt. Zum Einsatz kommen soll der Impfstoff – falls die weitere Entwicklung erfolgreich verläuft – nicht als eigenständiges Präparat für die Grundimmunisierung, sondern als zusätzlicher „T-Zell-Aktivator“.

Universal-Impfstoffe auch für mehrere Coronaviren möglich?

Im Idealfall schützen Impfstoffe, die die konservierten - also weniger wandelbaren – Bereiche des Virus ansprechen, nicht nur vor verschiedenen Varianten eines Coronavirus, sondern auch gleich vor verschiedenen Coronaviren wie zum Beispiel vor dem Sars-Coronavirus oder dem verwandten Mers-Coronavirus.

Der Forschungsansatz sei grundsätzlich richtig, sagt Peggy Riese. „Man muss aber ganz klar sagen, bei der Entwicklung universeller Impfstoffe stecken wir noch in den Kinderschuhen.“ Es fehlten noch immer viele grundlegende Informationen über das Virus, seine Verbreitung in der Natur oder seine Interaktionen mit den menschlichen Zellen. (bml/dpa)

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.