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Hochwasser: Feuerwehr fordert mehr Hilfe von Arbeitgebern

| Lesedauer: 123 Minuten
Debatte über Katastrophenschutz: Besser warnen, besser vorbeugen?

Debatte über Katastrophenschutz: Besser warnen, besser vorbeugen?

Die verheerenden Überschwemmungen in Deutschland haben auch eine Debatte über etwaige Mängel im Warnsystem ausgelöst. Kritiker fordern Verbesserungen. Experten mahnen derweil an, auch vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen und zum Beispiel katastrophensicher zu bauen.

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Die Feuerwehren beklagen Hürden bei der Freistellung ihrer Mitglieder für Einsätze. Ein Sektor falle besonders auf. Alle Infos im Blog.

  • Bundeskanzlerin Merkel hat indirekt Versäumnisse in der Klimapolitik eingestanden
  • Der Feuerwehrverband fordert unbürokratische Freistellungen von Arbeitgebern
  • Der Bund hat millionenschwere Soforthilfen für die Hochwasseropfer beschlossen
  • Querdenker und Rechtsextreme verbreiten anscheinend Fake News in Ahrweiler
  • Die Vize-Präsidentin des Technischen Hilfswerks rechnet kaum noch mit Überlebenden
  • Luisa Neubauer wirft der Bundesregierung vor, die Klimakrise nicht ernstzunehmen

Berlin. Die Aufräumarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands sind im vollen Gange. Die Behörden haben jedoch immer noch keine vollständige Übersicht über die Lage. Gleichzeitig wächst die Kritik am Katastrophenschutz. Die hatten vergangene Woche ganze Ortschaften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zerstört.

Die Zahl der Todesopfer stieg zuletzt auf mindestens 172. Eine nicht bekannte Zahl an Menschen gilt weiterhin als vermisst. Der befürchtete Dammbruch an der Steinbachtalsperre konnte knapp verhindert werden. Auch in Bayern hat sich die Hochwassersituation entspannt.

Zahlreiche Spitzenpolitiker haben sich mittlerweile ein Bild von der massiven Zerstörung gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etwa sagte am Sonntag in Rheinland-Pfalz: "Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die hier angerichtet ist." Eine Woche nach Beginn der Katastrophe hat das Bundeskabinett nun Soforthilfen für die Opfer beschlossen.

Extreme Wetterlagen treten durch die Klimakrise immer häufiger auf. Unsere interaktive Karte zeigt, wie viele den Landkreisen in Zukunft drohen. Lesen Sie außerdem hier, wie Sie jetzt für Betroffene des Hochwassers spenden können.

Hochwasser-News von Donnerstag, 22. Juli: Merkel zu Klimapolitik: "Nicht ausreichend viel passiert"

11.36 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz indirekt Versäumnisse in der Klimapolitik unter ihrer Regide eingeräumt.

Seit ihrem Antritt als Kanzlerin 2005 sei zwar der Anteil von erneuerbaren Energien an der Stromversorgung von zehn Prozent auf über 40 Prozent gewachsen, sagte Merkel. Auch die CO2 Emissionen seien seit 1990 um 40 Prozent reduziert worden. Demnach sei einiges passiert. "Aber gemessen an dem Ziel deutlich unter zwei Grad Anstieg der Temperatur ist nicht ausreichend viel passiert." Das gelte aber nicht nur für Deutschland, sondern auch für viele andere Länder. "Deshalb muss das Tempo angezogen werden", sagte Merkel.

Auch zur Bewältigung der Flutkatastrophe rief Merkel die Deutschen zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung auf. "Wir werden zur Behebung all dieser Schäden einen langen Atem brauchen", sagte Merkel.

Gewittergefahr am Wochenende in Rheinland-Pfalz und im Saarland

8.42 Uhr: Schauerartiger Regen und Gewitter erwarten Rheinland-Pfalz und das Saarland am Wochenende. Es könne erneut Starkregen geben, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Donnerstag. Wo und ob es zu Unwettern komme, könne derzeit noch nicht genau vorhergesagt werden. Am Freitag bleibe es zunächst trocken bei Sonnenschein und bis zu 30 Grad. Die Bewölkung ziehe am Samstag auf, so die Meteorologin. Am Mittag gebe es zunächst im Westen schauerartigen Regen, am Nachmittag sei dann das ganze Gebiet betroffen. Auch am Sonntag können sich im Laufe des Tages örtlich Gewitter bilden.

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Unmengen von Sperrmüll nach Hochwasser

7.23 Uhr: Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands müssen die kommunalen Abfallentsorger Unmengen von Sperrmüll beseitigen. "Wir haben von einem Mitgliedsunternehmen aus dem Katastrophengebiet gehört, dass in drei Tagen die übliche Jahresmenge an Sperrmüll zusammengekommen sei", sagte der für die Abfallwirtschaft zuständige Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp. Ein anderer Entsorger habe sogar von einer Sperrmüllmenge innerhalb weniger Tage berichtet, die mit dem Aufkommen der vergangenen drei Jahre vergleichbar sei.

Zuverlässige Schätzungen der Müllmengen seien aber noch nicht möglich. Erst nach und nach lasse sich erfassen, wie viel zusätzlicher Abfall tatsächlich angefallen ist. "Aber schon allein der optische Anblick macht an vielen Orten klar: Es werden signifikante Volumina sein", sagte Hasenkamp.

Deutscher Feuerwehrverband beklagt Hürden für Hilfskräfte

4.13 Uhr: Angesichts der Flutkatastrophe hat der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) insbesondere Arbeitgeber aus dem öffentlichen Sektor dazu aufgerufen, Hilfskräfte mit Freistellungen zu unterstützen. "Meiner Erfahrung nach haben wir mit privaten Arbeitgebern weniger Probleme; leider gibt es ab und an Hürden bei Beschäftigten im öffentlichen Dienst", sagte DFV-Präsident Karl-Heinz Banse unserer Redaktion. "Hier appellieren wir dringend, die Feuerwehrangehörigen nicht nur jetzt für die bundesweit präsenten Großschadenslagen freizustellen, sondern dies auch für den alltäglichen Einsatz zu ermöglichen", sagte er. Nur so könne auch in Zukunft gesichert werden, dass tagsüber genug Einsatzkräfte zur Verfügung stehen.

Göring-Eckardt fordert mehr Unterstützung für ehrenamtliche Katastrophenhelfer

1.00 Uhr: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat eine bessere Unterstützung für ehrenamtliche Helfer in den Katastrophendiensten gefordert. "Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass niemand durch sein Engagement Nachteile erfährt, Belastungen ausgeglichen werden und die Freistellung der Helfenden durch den Arbeitgeber unkompliziert möglich ist", sagte sie unserer Redaktion.

Sowohl die Helfenden als auch das Ehrenamt an sich müssten "materiell und strukturell gestärkt werden", betonte Göring-Eckardt. "Dafür braucht es akut einen unbürokratischen Sonderfonds für die Rettungs- und Katastrophendienste, wenn Ausrüstung im Einsatz verschleißt oder Material fehlt." Außerdem müsse für die Helfer ein einfacher Zugang zu Traumahilfe und Seelsorge gewährleistet werden.

Hochwasser-News von Mittwoch, 21. Juli: Trinkwasser in Euskirchen nur abgekocht nutzen - Krankheitserreger?

22.17 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe sollte das Trinkwasser in Euskirchen wegen mikrobiologischer Veränderungen derzeit nur abgekocht getrunken werden. Die Abweichungen seien in aktuellen Proben im Bereich des Wasserversorgungsverbandes Euskirchen-Swisttal (WES) festgestellt worden, teilte die Stadt am Mittwoch auf ihrer Internetseite mit. Betroffen seien alle Euskirchener Ortsteile außer Frauenberg, Oberwichterich, Elsig, Wißkirchen und Euenheim.

Bei mikrobiologischen Abweichungen von der Trinkwasserverordnung kann es um Krankheitserreger in zu großen Konzentrationen gehen. "Lassen Sie das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens 10 Minuten abkühlen", hieß es. Die von Kaffeemaschinen entwickelte Temperatur sei dafür nicht ausreichend. Und: "Sollte keine Möglichkeit zum Abkochen bestehen, wenden Sie sich bitte an die zentralen Trinkwasserstellen in den Ortsteilen der Stadt Euskirchen."

Zahl der Flutopfer in Rheinland-Pfalz steigt auf 125

20.30 Uhr: Die Zahl der Menschen, die bei der Flutkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen sind, hat sich am Mittwoch weiter erhöht: von 122 auf 125. Das berichtete Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Abend auf dem Nürburgring.

764 Verletzte seien bisher behandelt worden und 155 Menschen würden noch immer vermisst, hatte Polizei-Einsatzleiter Heinz Wolschendorf zuvor in Bad Neuenahr-Ahrweiler gesagt. Fast 42.000 Menschen seien von der Katastrophe betroffen.

Bei der Hochwasser-Katastrophe kamen nach bisherigen Erkenntnissen insgesamt mindestens 172 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ums Leben. Straßen, Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Wasserleitungen sind vielerorts zerstört.

Berlin schickt Aggregate aus Corona-Krankenhaus in Hochwassergebiet

18.27 Uhr: Berlin greift einem stark von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen unter die Arme: Mehrere Aggregate zur Druckluft- und Sauerstoffversorgung aus dem Corona-Notfallkrankenhaus auf dem Messegelände werden auf den Weg nach Eschweiler geschickt, wie die Gesundheitsverwaltung am Mittwoch mitteilte. Sie sollen im dortigen St. Antonius Hospital zum Einsatz kommen, dessen Untergeschosse überflutet und schwer beschädigt wurden.

Fridays for Future sammelt Spenden für Flutopfer

17.59 Uhr: Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future will am Freitag bundesweit Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in mehreren Teilen Deutschlands sammeln. Wie die Organisation am Mittwoch mitteilte, soll es am 23. Juli im ganzen Bundesgebiet Hilfsaktionen und Solidaritätsbekundungen für die Menschen geben, die in der vergangenen Woche von den Fluten überrascht worden waren. Gleichzeitig wollen die Klima-Aktivisten mit Demonstrationen auf den Zusammenhang zwischen häufigeren Extremwetter-Ereignissen und dem Klimawandel aufmerksam machen.

„Die Klimakrise ist hier. Leere politische Ankündigungen und kurzfristige Symptombehandlungen halten sie nicht auf“, sagte Aktivistin Pauline Brünger am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Brünger selbst kommt aus der von Überflutungen betroffenen Stadt Köln.

Rheinland-pfälzischer Oppositionschef entsetzt über Querdenker in Hochwasserregionen

16.19 Uhr: Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf hat sich entrüstet über eine offenbar von sogenannten Querdenkern initiierte Hilfsaktion für die Flutopfer im Landkreis Ahrweiler gezeigt. Die Ausnutzung der Situation sei "schändlich", und die betreffenden Menschen seien "nicht bei Trost", sagte Baldauf am Mittwoch dem Deutschlandfunk. Momentan gehe es darum, Menschen zu helfen.

Die Aufräumarbeiten in den von der Katastrophe betroffenen Orten sollen auch Helfer aus dem Umfeld der Querdenker-Szene sowie Verschwörungstheoretiker angelockt haben. Am Dienstag hatte die Polizei Koblenz zudem Gerüchte dementiert, wonach sich die Einsatzkräfte zurückziehen würden. Sie warnte vor Fahrzeugen mit Lautsprechern, mit denen Falschmeldungen verbreitet würden. Diese sähen ähnlich aus wie Einsatzfahrzeuge der Polizei. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) machte Rechtsextremisten für Falschmeldungen verantwortlich und drohte den Verursachern mit strafrechtlichen Konsequenzen.

Bund der Steuerzahler warnt vor Betrug bei Hochwasser-Hilfen

Der Bund der Steuerzahler hat vor etwaigem Betrug bei den Hochwasser-Hilfen von Bund und Ländern gewarnt. Der Präsident des Vereins, Reiner Holznagel, sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) am Mittwoch, er begrüße die Soforthilfen zwar, es müsse aber auf mögliche Betrugsfälle bei der Inanspruchnahme geachtet werden.

Die Soforthilfen müssten "unbürokratisch ausgezahlt werden", sagte Holznagel. "Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Fluthilfen zielgerichtet sind und nur bei den Betroffenen ankommen."

Holznagel fügte zudem an: "Mittelfristig muss man klären, welche Schäden Versicherungen tragen können." Das Versicherungswesen müsse so fit werden, dass solche Schäden versicherbar sind und nicht alles vom Staat beglichen werden muss.

Versicherer rechnen mit Milliardenschäden

14.51 Uhr: Die Versicherungsschäden nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen in die Milliarden. "Wir rechnen momentan mit versicherten Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro", teilte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, am Mittwoch in Berlin mit. "Die Schäden dürften sogar noch über denen des August-Hochwassers im Jahr 2002 von 4,65 Milliarden Euro liegen." Die Überschwemmungen der vergangenen Tage in Bayern und Sachsen seien in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Seehofer will Warn-SMS einführen

12.13 Uhr: Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Westen Deutschlands geht Bundesinnenminister Horst Seehofer davon aus, dass die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per SMS gewarnt wird. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, habe zur Warnung per Cell Broadcasting bereits im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, sagte Seehofer am Mittwoch in Berlin. Schuster gehe davon aus, dass das noch vor der Bundestagswahl am 26. September erwartete Ergebnis positiv sein werde.

Beim Cell Broadcasting wird ähnlich wie bei einer SMS eine Nachricht an Handy-Nutzer verschickt - und zwar an alle Empfänger, die sich zu dem Zeitpunkt in der betreffenden Funkzelle aufhalten. Datenschützer halten diese Technologie, die in vielen anderen Staaten bereits genutzt wird, für relativ unbedenklich.

Für die Warnung vor akuten Gefahren sei ein Mix aus analogen und digitalen Methoden notwendig, von Sirenen bis hin zu High-Tech-Lösungen, betonte Seehofer. Sirenen alleine seien kein Allheilmittel, denn „es reicht ja nicht aus, nur akustisch zu warnen, die Bevölkerung muss ja auch wissen, was sie tun soll“.

Bund beschließt Soforthilfe in Höhe von 400 Millionen Euro

11.19 Uhr: Eine Woche nach Beginn der Hochwasserkatastrophe hat das Bundeskabinett eine millionenschwere Soforthilfe auf den Weg gebracht. Der Bund beteiligt sich nach dem Beschluss vom Mittwoch mit bis zu 200 Millionen Euro zur Hälfte an den Hilfen aus den Bundesländern. Insgesamt stünden demnach bis zu 400 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen die schlimmsten Schäden an Gebäuden und kommunaler Infrastruktur beseitigt und besondere Notlagen überbrückt werden.

Außerdem ist ein milliardenschwerer Aufbaufonds geplant. Über dessen genaue Höhe soll aber erst entschieden werden, wenn das Ausmaß der Schäden besser absehbar ist. Nach der Katastrophe mit inzwischen mehr als 170 Todesopfern hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) schnelle unbürokratische Hilfen versprochen.

THW-Vize hat kaum noch Hoffnung auf Überlebende

7.45 Uhr: Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, sieht kaum noch Chancen, knapp eine Woche nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands noch Überlebende zu finden. "Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). "Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten."

Die Zahl der Hochwasser-Todesopfer war innerhalb knapp einer Woche bis zum Dienstag auf mindestens 170 gestiegen. Aus Rheinland-Pfalz wurden 122 und aus Nordrhein-Westfalen 48 Unwetter-Tote bestätigt. Auch am Dienstag wurden noch Menschen vermisst - allein 155 im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Rund 40.000 Menschen galten dort als betroffen von den Folgen des verheerenden Hochwassers und der Flut.

Laschet kündigt 200 Millionen Euro Hochwasser-Hilfe für NRW an

6.55 Uhr: Die nordrhein-westfälische Landesregierung wird 200 Millionen Euro für die Opfer der Unwetterkatastrophe bereitstellen. Das kündigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag im "heute journal" des ZDF an. "Das Land Nordrhein-Westfalen wird 200 Millionen Euro bereitstellen, die dann der Bund verdoppeln will", sagte er. Laut Düsseldorfer Regierungskreisen gibt es eine Zusage des Bundes, Soforthilfen der Länder zu verdoppeln.

Bislang ist bekannt, dass die Bundesregierung an diesem Mittwoch, rund eine Woche nach Beginn der Hochwasserkatastrophe vor allem im Westen Deutschlands, laut einer Kabinettsvorlage 400 Millionen Euro an Soforthilfen auf den Weg bringen will. Sie sollen je zur Hälfte vom Bund und von den Ländern getragen werden. Damit sollen die schlimmsten Schäden an Gebäuden und kommunaler Infrastruktur beseitigt und besondere Notlagen überbrückt werden. Bei diesen 400 Millionen werde es aber nicht bleiben, hieß es aus Düsseldorfer Koalitionskreisen.

Außerdem ist ein Aufbaufonds geplant. Der Bund will den Ländern zudem die Kosten für Rettungseinsätze von Bundespolizei, Technischem Hilfswerk und Bevölkerungsschutz erlassen. Auch die Bundeswehreinsätze in den Überschwemmungsgebieten sollen nicht in Rechnung gestellt werden. Zur Bewältigung der Schäden sollen auch Mittel aus dem EU-Solidaritätsfonds beantragt werden.

Entwarnung in Leichlingen: Anglerteich wurde abgepumpt

6.51 Uhr: Nach dem Abpumpen eines übervollen Anglerteiches in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Gefahr laut Feuerwehr gebannt. Seit dem späten Dienstagabend könnten die Anwohner, die zuvor ihre Wohnungen hatten verlassen müssen, in diese zurückkehren, sagte ein Feuerwehrsprecher. Einsatzkräfte pumpten demnach über mehrere Stunden einen großen Teil des Wassers ab. Sogar im Fall eines Dammbruches könne nun keine bedenkliche Menge an Wasser mehr austreten, sagte der Sprecher. "Die Lage hat sich soweit stabilisiert, aus unserer Sicht gibt es keine weitere Gefahr mehr."

Reul appelliert an Arbeitgeber: Katastrophenschutz unterstützen

6.47 Uhr: NRW-Innenminister Herbert Reul hat an die Arbeitgeber im Land appelliert, den Katastrophenschutz jederzeit besser zu unterstützen - mit Freistellungen für die Helfer. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch) sagte der CDU-Politiker: "Früher haben die Handwerker im Dorf alles stehen und liegen lassen, wenn es galt, einen Brand zu bekämpfen. Heute machen es manche Arbeitgeber ihren Angestellten schwer, sich bei den Einsatzkräften zu engagieren, weil man ihnen nicht erlaubt, kurzfristig das Büro zu verlassen. Deshalb fehlen in plötzlichen Notsituationen oft die erfahrenen Kräfte."

Lindner fordert milliardenschweren Aufbaufonds für Flut-Opfer

5.29 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat langfristige Hilfen für die Flut-Opfer gefordert. Die Menschen müssten die Sicherheit bekommen, dass sie "nach der akuten Hilfe nicht allein gelassen werden", sagte Lindner unserer Redaktion. "Die Politik muss in dieser Woche das Signal senden, dass es einen Aufbaufonds geben wird, mit dem die Solidargemeinschaft von Bund und Ländern die Regionen vor Ort und die geschädigten Menschen auskömmlich unterstützen wird."

Der Aufbaufonds werde wie nach der Hochwasserkatastrophe 2013 eine Größenordnung von mehreren Milliarden Euro haben müssen, betonte Lindner. "An den Finanzierungs- und Auszahlungsbedingungen von damals kann man sich orientieren, um schnell handeln zu können."

Einsatz im Flutgebiet: Bundesverband fordert mehr Hilfe für Ehrenamtliche

3.13 Uhr: Im Zusammenhang mit der Hilfe in den Hochwasser-Gebieten hat der Bundesverband der Vereine und des Ehrenamts (bvve) die Rolle von Ehrenamtlichen hervorgehoben und zugleich eine stärkere Unterstützung von freiwilligen Helfern durch den Staat gefordert. "Ehrenamtlich bergen Hilfsvereine Menschen aus den Trümmern, sie unterstützen beim Leerpumpen der Keller, sie versorgen die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen mit Trinkwasser, Essen und Unterkünften", sagte der Präsident des Bundesverbandes, Hans-Jürgen Schwarz, unserer Redaktion. "Ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen wäre das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe um ein Vielfaches höher. Der Staat kann Krisen nicht allein managen."

Zugleich warnte Verbandschef Schwarz: "Die Vereine haben immer mehr Schwierigkeiten, die neue Generation und junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern." Das liege auch "am hohen Aufwand, den Vereine mit der Bürokratie haben", sagte Schwarz. Die Corona-Pandemie habe zudem "die Vereine ans Limit gebracht", hob Schwarz hervor. "Der Staat muss nun schnelle finanzielle Hilfe für Vereine leisten, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern." Tausende ehrenamtliche Einsatzkräfte etwa vom Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz sind derzeit in den Hochwassergebieten im Westen Deutschland im Einsatz.

THW-Chef: Ortskräfte bei Flutkatastrophe von „unschätzbarem Wert“

1.00 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau in den Hochwasser-Gebieten hat der Präsident der Bundesanstalt des Technischen Hilfswerks (THW), Gerd Friedsam, die Rolle der Helferinnen und Helfer vor Ort gelobt und zugleich eine bessere Vernetzung der Hilfskräfte in Aussicht gestellt. "Tausende Helferinnen und Helfer sind jetzt vor Ort. Sie helfen beim Aufräumen und Wiederaufbau, etwa von Straßen und Brücken. Es geht auch noch immer darum, Menschen aus den Trümmern zu bergen", sagte Friedsam unserer Redaktion.

Laut Friedsam ist es zu früh für eine Bilanz des Einsatzes. Zugleich hob der THW-Präsident hervor: "Was sich abzeichnet, ist, dass wir die Einheiten vor Ort mit den externen Helferinnen und Helfern künftig noch besser vernetzen müssen. Auch die Kapazitäten beim Brückenbau sind in diesem Einsatz enorm wichtig, das müssen wir für künftige Krisen im Hinterkopf behalten und hier Kapazitäten weiter ausbauen", sagte THW-Chef Friedsam.

Hochwasser-News von Dienstag, 20. Juli: Übervoller Anglerteich: Evakuierung in NRW

19.50 Uhr: Ein übervoller Anglerteich hat am Dienstagabend wieder Evakuierungen in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis nach sich gezogen. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte Hauptbrandmeister Thomas Schmitz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. Der Uferbereich des Anglerteichs Hasensprung in der Ortschaft Büscherhöfen beginne sich aufzulösen. Sicherheitshalber werde der Bereich mit Sandsäcken gesichert und Wasser abgelassen.

Die Polizei evakuiere Häuser der kleinen Ortschaft. Bewohner eines Altenheims würden aus dem Erdgeschoss in die erste Etage verlegt. Um die Fische im Teich kümmere sich der örtliche Anglerverein. Größere Überflutungen in der Nacht zum Mittwoch würden aber nicht befürchtet. "Dafür legen wir ja die Sandsäcke", sagte Schmitz.

Unterdessen dementierte die Stadt Leverkusen Gerüchte, dass der Damm der zwischen Leichlingen, Leverkusen und Burscheid gelegenen Diepentalsperre durch einen Schaden am Bauwerk gefährdet sei. "Dies ist nicht der Fall", teilte eine Sprecherin mit. "Eine schadhafte Stelle wird repariert. Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung in Leverkusen."

Land Rheinland-Pfalz stellt Soforthilfen für Flutopfer bereit

19.18 Uhr: Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in dem Bundesland Soforthilfen bis zu 3500 Euro pro Haushalt beschlossen. Das Geld soll ohne Bedürftigkeitsprüfung schnellstmöglich über die Kreisverwaltungen ausgezahlt werden, teilte die Staatskanzlei in Mainz am Dienstag mit.

"Wer durch das Hochwasser einen Schaden an Wohnraum, Hausrat oder Kleidung erlitten hat, bekommt unbürokratisch und schnell Hilfe", teilte Innenminister Roger Lewentz (SPD) mit. Eine Vermögensprüfung sei nicht notwendig, Spenden würden nicht angerechnet "Damit hoffen wir dazu beitragen zu können, die akute Not vieler Menschen ein Stück weit zu lindern."

Darüber hinaus seien auf dem Spendenkonto der Landesregierung mehr als 6,2 Millionen Euro an Privatspenden eingegangen, teilte die Staatskanzlei mit. "Das Geld soll über die Kreisverwaltungen verteilt werden", meinte Lewentz. "Vor Ort kann am besten gesehen werden, wo die Not am größten ist und wie Abhilfe geschaffen werden kann."

Ärztegewerkschaft besorgt über medizinische Lage in Hochwassergebieten

18.09 Uhr: Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich mit Blick auf die Versorgung von Patienten in den westdeutschen Katastrophengebieten besorgt gezeigt. Wie es in einer Mitteilung vom Dienstag hieß, seien beispielsweise zahlreiche Arztpraxen in den betroffenen Regionen überschwemmt, nicht mehr arbeitsfähig oder sogar komplett zerstört. Niemand habe bisher ein komplettes Bild davon, wie stark die medizinische Grundversorgung zerstört sei, hieß es.

"Wir wissen derzeit von über 20 Arztpraxen alleine in Rheinland-Pfalz, die nicht mehr arbeitsfähig sind", sagte Hans-Albert Gehle, Vorsitzender des Marburger Bundes in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, laut Mitteilung. Nicht von Hochwasser betroffene Praxen müssten Patienten in einer solchen Lage mitversorgen. Es sei zudem sinnvoll, wenn für chronisch Kranke und sonstige Patienten in Gemeinden und Stadtteilen provisorische "Not-Praxen" sowie "Not-Apotheken" aufgebaut würden.

Zahl der Unwetter-Toten in NRW steigt auf 48

17.52 Uhr: Die Zahl der Todesfälle nach der Unwetterkatastrophe ist in Nordrhein-Westfalen um ein Opfer auf 48 gestiegen. Wie das Kölner Polizeipräsidium am Dienstag mitteilte, hat ein Leichenspürhund einen weiteren, noch nicht identifizierten Toten im Katastrophengebiet in Bad Münstereifel gefunden.

Mehr als 850 als vermisst gemeldete Menschen hätten die Ermittler mittlerweile telefonisch erreicht. Aktuell suche die Polizei noch nach 14 Menschen aus dem Raum Bonn/Rhein-Sieg-Kreis und zwei aus dem Kreis Euskirchen, der in NRW die meisten Todesopfer nach dem Starkregen zu beklagen hat.

Zahl der Toten im Kreis Ahrweiler steigt auf 122

17.51 Uhr: Die Zahl der Todesopfer der Unwetterkatastrophe im Kreis Ahrweiler ist auf 122 gestiegen. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Koblenz. Bislang war die Rede von 117 Toten gewesen. Die Zahl der Verletzten stieg ebenfalls auf nunmehr 763. Aktuell würden noch 155 Menschen vermisst, sagte der Sprecher weiter.

Scheuer will Gemeinden und Länder bei Behelfsbrücken entlasten

17.29 Uhr: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, angesichts der Hochwasser-Katastrophe Gemeinden und Länder bei Behelfsbrücken finanziell zu entlasten. Das geht aus einem Schreiben Scheuers an Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hervor, das der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vorlag.

Es sei gegenwärtig davon auszugehen, dass mindestens 20 Behelfsbrücken in den vom Unwetter betroffenen Regionen errichtet werden müssten, um den Straßenverkehr wieder normalisieren zu können, heißt es in dem Schreiben. Um den auch finanziell durch das Unwetter schwer belasteten Kommunen und Ländern in den Katastrophengebieten unkompliziert helfen zu können, sollten diese von den Kosten für die Errichtung von Behelfsbrücken befreit werden. Scheuer schlägt vor, der Bund solle für die Dauer von 24 Monaten auf Mietkosten und Reparaturkostenzuschläge verzichten.

Bahnstrecken vielerorts zerstört – Wiederaufbau könnte Monate dauern

16.57 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden die gravierenden Schäden bei der Bahn immer deutlicher: Allein sieben Regionalverkehrsstrecken seien von den Wassermassen so stark zerstört worden, dass sie neu gebaut oder umfangreich saniert werden müssten, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. Die Reparatur- und Wiederaufbaumaßnahmen würden Wochen und Monate dauern. Insgesamt seien Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern von den Unwetterfolgen betroffen.

Rund 2000 Mitarbeiter der Bahn seien dabei, Gleise, Bahnhöfe und Anlagen von Geröll und Schlamm frei zu räumen. Rund 80 Bahnhöfe wurden laut Mitteilung durch das Unwetter beschädigt. Wassereinbrüche hätten Aufzüge zerstört oder Bahnsteige unterspült. Viele kleinere Reparaturen habe die Bahn bereits erledigt. Aber: Noch seien nicht alle Erkundungsarbeiten abgeschlossen.

Immer noch Vermisste im Rhein-Erft-Kreis

16.01 Uhr: Knapp eine Woche nach dem Hochwasser im Rhein-Erft-Kreis werden dort noch fünf Menschen vermisst. Bei ihnen sei der Aufenthaltsort derzeit noch ungewiss, sagte Landrat Frank Rock auf einer Pressekonferenz des Kreises am Dienstag. Demnach habe die örtliche Personenauskunftsstelle schon viele Vermisstenfälle klären können. „Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf“, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Katastrophenwarnung per SMS wird geprüft

15.21 Uhr: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) überprüft die Einführung von Warnmeldungen an die Bevölkerung per SMS. Das sagte BBK-Präsident Armin Schuster den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Mein Ziel ist es, über eine Machbarkeitsstudie festzustellen, ob eine Einführung von Cell Broadcasting sinnvoll und realisierbar ist." Das Ergebnis der Studie wird im Herbst erwartet.

Mittels Cell Broadcasting können Textnachrichten an alle Mobiltelefone geschickt werden, die sich innerhalb einer bestimmten Funkzelle befinden. So können jeweils die Handynutzer in einer bestimmten Gegend erreicht werden, ohne dass der Stelle, von der die Nachrichten verschickt werden, deren Telefonnummern bekannt sein müssten.

Laut Schuster bietet bisher kein Mobilfunkanbieter das System an. Zudem seien auch datenschutzrechtliche Punkte überprüft werden. Lesen Sie dazu: Warum hat Deutschland kein flächendeckendes SMS-Warnsystem?

Bayern stellt 50 Millionen Euro Soforthilfe nach Unwetter bereit

14.59 Uhr: Für die Betroffenen des Unwetters vergangene Woche stellt Bayern 50 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Das Kabinett beschloss am Dienstag ein entsprechendes Hilfspaket, durch das Privathaushalte bis zu 5000 Euro Soforthilfe bekommen können. Unternehmer können ebenfalls Unterstützung erhalten.

Zur Warnung der Bevölkerung will Bayern in Zukunft wieder stärker auf Sirenen setzen. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) brachte auch Push-Nachrichten an Handys ins Spiel, um schnell vor Gefahrenlagen warnen zu können.

Merkel spricht von "erschreckenden Schäden" in Bad Münstereifel

14.42 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei ihrem Besuch in Bad Münstereifel erschüttert angesichts der Schäden gezeigt – diese bezeichnete sie als "erschreckend". Den Betroffenen sicherte sie schnelle Unterstützung zu und bedankte sich bei allen Helferinnen und Helfern. "Es zeigt sich an dieser Stelle, dass unser Land stark ist, weil wir miteinander arbeiten", hob die Kanzlerin hervor. "Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken für die Kraft, die viele Menschen aufbringen. Jeder tut, was er kann." Dies sei das, was ein Land und eine Region stark mache.

Weiter erklärte sie, sie gehe davon aus, dass die Wiedererrichtung der zerstörten Infrastruktur wie Straßen und Bahnstrecken sowie der Wiederaufbau der Stadt länger als ein paar Monate dauern wird. Es sei sehr klar, "dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden".

Auch NRWs Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kam zu Wort. "Was mich besonders beeindruckt hat, war diese große Dankbarkeit, aber auch, dass alle Parteigrenzen vergessen sind", sagte er. "Bund, Land, Kommune – alle Parteien stehen jetzt zusammen und wollen helfen." Soforthilfe müsse nun "so schnell und unbürokratisch wie möglich" ankommen. Die Formulare sollten noch in dieser Woche fertig werden, betonte er.

Lindner spricht sich für Katastrophenwarnung per SMS aus

14.23 Uhr: Nach der Flutkatastrophe fordert FDP-Chef Christian Lindner eine Katastrophenwarnung per SMS. "Wir werden zukünftig mit vielen Folgen des globalen Klimawandels zu tun haben – und müssen uns dafür rüsten. Dazu gehört ein niedrigschwelliges und digitales Frühwarnsystem", sagte Lindner unserer Redaktion. "Mit der Mobilfunkinfrastruktur sind Warnungen per SMS auf jedes Handy in einem Gefahrenbereich leicht umsetzbar." Bisher behindere allerdings die Rechtslage ein solches System, das in anderen Ländern üblich sei. "Das will die FDP ändern."

Im Falle eines Ausfalls von Strom und Mobilfunk brauche man noch andere Kommunikationsmittel wie Sirenen und Lautsprecher, fügte Lindner hinzu. "Aber es gibt Katastrophen, die sich Stunden oder Tage vorher abzeichnen. Da muss eine digitale Infrastruktur den Behörden zur Verfügung stehen."

Lauterbach warnt vor Sammelunterkünften in Hochwassergebieten

13.39 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat wegen steigender Corona-Zahlen davor gewarnt, Betroffene in den Hochwasserregionen in Sammelunterkünften unterzubringen. "Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko", sagte der Mediziner gegenüber unserer Redaktion.

Beengte Unterkünfte seien deshalb zu vermeiden, mahnte Lauterbach. Eine Alternative sei die Unterbringung in Hotels und Einzelunterkünften. Nur auf diese Weise ließen sich Massenausbrüche verhindern und die Zahl der vermeidbaren Kontakte eingrenzen. "Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde", erklärte Lauterbach.

Polizei warnt vor falschen Durchsagen im Krisengebiet

13.18 Uhr: Die Polizei hat vor falschen Durchsagen per Lautsprecher im vom Hochwasser betroffenen Norden von Rheinland-Pfalz gewarnt. Es gebe Hinweise, dass dort Fahrzeuge mit Lautsprechern unterwegs seien, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähnelten, teilte die Polizei in Koblenz am Dienstag mit. Damit werde "wahrheitswidrig" verkündet, dass die Zahl der Einsatzkräfte verringert werde.

"Das ist eine Falschmeldung", erklärte die Polizei. "Die Polizei reduziert die Anzahl der Einsatzkräfte nicht und befindet sich weiterhin ohne Unterbrechung im Katastrophengebiet."

Kanzlerin Merkel in NRW angekommen

12.10 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Dienstag in Bad Münstereifel angekommen. Zusammen mit Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) macht sich Merkel ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zum Auftakt führte die Kanzlerin Gespräche mit dem Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, und Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian.

Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht anschließend mit Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Hochwasser-Held: Dieser Mann rettete die Steinbachtalsperre

11.35 Uhr: Einige Tage nach der Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands gibt es immerhin einen Grund zum Aufatmen: Die tagelang vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen scheint zu halten. Ein Dammbruch ist nicht mehr zu befürchten, teilten die Behörden mit. Bewohnerinnen und Bewohner umliegender Orte konnten zurück in ihre Häuser. Das ist vor allem mutigen Menschen wie Hubert Schilles zu verdanken. Er hat mit seinem Bagger den Abfluss der Steinbachtalsperre freigeräumt und brachte sich dabei selbst in Lebensgefahr. „Man hat mich angerufen, mit der Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dort reinzufahren. Mit dem Hinweis, dass ich wissen muss, was auf mich zukommt. Weil das lebensgefährlich ist“, berichtet der 68-Jährige in einem Interview mit der „FAZ“. Die ganze Geschichte des mutigen Baggerfahrers lesen Sie hier.

Nach Erdrutsch in Erftstadt: Viele Anwohner dürfen kurz zurückkehren

11.19 Uhr: In dem von einem Erdrutsch betroffenen Ortsteil Blessem im nordrhein-westfälischen Erftstadt sollen viele Anwohner in den kommenden Tagen zeitweise in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Es gebe aber eine Sicherheitszone von 100 Metern rund um die Kiesgrube und die entsprechende Abbruchkante nach der Hochwasser-Katastrophe, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Dienstag. Diese dürfe nicht betreten werden, vor allem an der Abbruchkante bestehe weiter "akute Lebensgefahr".

Für die Straßenzüge außerhalb dieses Radius plane die Stadt derzeit, Bewohner kurz in ihre Häuser und Wohnungen zu lassen, um ihr Hab und Gut zu sichern. Die Betroffenen sollten dabei begleitet werden und nicht alle zeitgleich nach Blessem gelassen werden. "Wir haben dies in enger Abstimmung mit den Fachleuten heute entschieden und können damit immerhin einem Teil der Bevölkerung eine erste, wichtige Perspektive bieten", hatte Landrat Frank Rock am Montag gesagt.

Feuerwehrverband drängt auf Wiederaufbau von Warnsirenen

10.58 Uhr: Der Feuerwehrverband fordert angesichts der verheerenden Unwetter im Westen Deutschlands den Wiederaufbau von Warnsirenen. "Ich habe das Gefühl, nicht alle Menschen nehmen das so ernst, was da kommt", sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse im Bayerischen Rundfunk mit Blick auf die genutzten Warn-Apps auf Smartphones. "Ich persönlich finde es viel sinnvoller, wenn die Sirenenanlagen wieder flächendeckend aufgebaut werden."

Banse wies auch darauf hin, dass insbesondere ältere Menschen ihr Handy nicht laufend in der Hand hätten. Der Feuerwehr-Verbandschef gab zudem zu bedenken, dass über die Warn-Apps wie Katwarn und Nina relativ häufig gewarnt werde: "Wenn die Leute fünfzehn Mal gewarnt wurden, und fünfzehn Mal ist nichts passiert, und beim sechzehnten Mal passiert es dann, dann muss man sich nicht wundern."

Katastrophenfall im Berchtesgadener Land aufgehoben

9.04 Uhr: Der Katastrophenfall ist nach dem verheerenden Hochwasser im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder aufgehoben. Auch die Schulen und Kitas sollten am Dienstag nach Angaben des Landratsamtes wieder regulär öffnen. Wasserfluten und Erdrutsche hatten manche Orte in der beliebten Urlaubsregion rund um Watzmann und Königssee am Wochenende regelrecht verwüstet.

Behörden warnen vor Corona-Ausbreitung

8.25 Uhr: Auf das Hochwasser könnte die Viruswelle folgen: In den Unwetterregionen wächst die Sorge vor vermehrten Covid-Fällen. Vor allem die vollen Notunterkünfte sind problematisch. "Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird", sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Das Landesgesundheitsministerium bereitet deshalb laut Freichel in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonder-Impfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits den vollen Impfschutz.

Bundeskanzlerin kommt nach Bad Münstereifel

7.26 Uhr: Angela Merkel macht sich heute ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kommt die Bundeskanzlerin (beide CDU) nach Bad Münstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) über die Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau informiert. Am Samstag war der Bundespräsident nach NRW gekommen. Frank-Walter Steinmeier hatte sich auf Einladung von Ministerpräsident Laschet die Situation im vom Hochwasser zerstörten Erftstadt angeschaut. Dort waren in einem Stadtteil zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden.

Baugewerbe rechnet mit jahrelangem Wiederaufbau

6.03 Uhr: Der Wiederaufbau nach den Hochwasserschäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird nach Einschätzung der deutschen Bauwirtschaft mehrere Jahre dauern. "Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die größten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen", sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutsches Baugewerbes (ZDB) in Berlin. Das Ausmaß der Schäden in Westdeutschland sei immens, aber noch nicht zu beziffern.

Um den Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig. "Bauunternehmen und Handwerker können ihre Kapazitäten auf 120 bis 130 Prozent hochfahren", sagte Quast der Deutschen Presse-Agentur. Aufträge könnten umgeschichtet und Prioritäten auf Krisenregionen gelenkt werden. Ebenso müsse die Politik öffentliche Aufträge in anderen Bereichen zurückstellen und Behörden unbürokratisch helfen, indem sie etwa Duplikate von weggeschwemmten Bauunterlagen aushändigten.

Deutscher Städtetag fordert "glasklare Analyse" aus Kriseneinsatz

5.01 Uhr: Der Deutsche Städtetag hat eine "glasklare Analyse" des Krisenmanagements während der Flutkatastrophe in Westdeutschland gefordert. "Die Folgen dieser Unwetterkatastrophe sind so schwer, dass es nach der akuten Nothilfe eine glasklare Analyse geben muss, was wir für die Zukunft daraus lernen können", sagte der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, dieser Redaktion. "Dabei muss besonnen betrachtet werden, wo etwas verbessert werden sollte. Vorschnelle Schlussfolgerungen über Fehler beim Katastrophenschutz halte ich für falsch."

Jung hob hervor: "Genau anschauen müssen werden sich alle Beteiligten von Bund, Ländern und Kommunen, wie die Warnung der Bevölkerung abgelaufen ist und welche Konsequenzen für die künftige Kommunikation bei Extremwetter zu ziehen sind." Die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der die Flut die betroffenen Orte heimgesucht hat, seien absolut außergewöhnlich gewesen, so Jung. "Und das Zusammenbrechen von Festnetz und Mobilfunknetz hat die Kommunikation erschwert." Lesen Sie dazu: Hochwasser: Wie überlastet ist der Katastrophenschutz?

Mittelstand: Fehler der Corona-Hilfen bei Zahlungen an Hochwasser-Opfer vermeiden

4.13 Uhr: Die mittelständische Wirtschaft hat eine "schnelle und unbürokratische" Auszahlung der von der Bundesregierung angekündigten Soforthilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe gefordert. "Um Fehler wie bei den Corona-Hilfen zu vermeiden, sollten die Hilfsgelder diesmal über die Finanzämter ausgezahlt werden", sagte Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), unserer Redaktion.

Der Mittelstand begrüße die angekündigten Hilfen ausdrücklich, zumal auch Hunderte kleine Gewerbetreibende und mittelständische Betriebe betroffen seien. Pauschalzahlungen in gleicher Höhe seien jedoch der falsche Weg, so Jerger. Gefragt seien maßgeschneiderte Lösungen. "Zudem sollten die betroffenen Betriebe in die Planung sowohl der Soforthilfen als auch des milliardenschweren Aufbauprogramms der Bundesregierung einbezogen werden", forderte der Verbandschef. Als Lehre aus der Hochwasserkatastrophe müssten zudem Bund, Länder und Hilfsorganisationen jetzt gemeinsam ein Nationales Katastrophenkonzept entwickeln.

EVP-Fraktionschef Weber fordert europäische Finanzhilfe nach Flutkatastrophe

1.00 Uhr: Nach der verheerenden Flutkatastrophe vor allem im Westen Deutschlands wird der Ruf nach finanzieller Hilfe durch die Europäische Union lauter. Der Fraktionschef der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, sagte unserer Redaktion: "Europa muss zeigen, dass es in der Not da ist." Die vorhandenen Fonds zur Bewältigung von Naturkatastrophen müssten bei einer länderübergreifenden Flutkatastrophe dieses Ausmaßes aktiviert werden, sagte Weber, der auch CSU-Vize ist.

Ein Schwerpunkt solle auf dem Wiederaufbau der Infrastruktur liegen. Weber plädierte auch für ein längerfristig stärkeres Engagement der EU in solchen Katastrophenfällen: Die EU solle ihre Krisenfonds stärken und vor allem eine unbürokratische und schnelle Auszahlung möglich machen. "Es ist zu befürchten, dass Naturkatastrophen großen Ausmaßes künftig häufiger vorkommen werden. In der Krise bewährt sich europäische Hilfe", sagte Weber.

Hochwasser-News von Montag, 19. Juli: Staatstrauertag in Belgien zum Gedenken an Opfer der Überschwemmungen

21.14 Uhr: Im Gedenken an die Opfer der verheerenden Überschwemmungen begeht Belgien am Dienstag einen Tag der nationalen Trauer. Von 12.01 Uhr bis 12.02 Uhr wird eine Schweigeminute abgehalten. In Brüssel stehen dann alle Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen still, wie die Verkehrsbetriebe in der belgischen Hauptstadt ankündigten. Regierungschef Alexander De Croo erklärte, der Staatstrauertag werde ein Moment sein, um sich zu sammeln angesichts der zahlreichen Todesopfer.

Er biete aber auch die Möglichkeit, die "vielen Solidaritätsbekundungen und das von den Belgiern empfundene Zusammengehörigkeitsgefühl zu würdigen". In Belgien kamen durch die Flutkatastrophe 31 Menschen ums Leben.

Bund rechnet mit zwei Milliarden Euro Schäden bei Bahn und Straßen

19.12 Uhr: Der Bund rechnet wegen der Hochwasser-Katastrophe mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Schäden alleine bei der Deutschen Bahn sowie bei Straßen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen. Alleine bei der Bahn gebe es einen Schaden von mindestens 1,3 Milliarden Euro.

Zerstörte Brücken, Gleise, Straßen und Mobilfunkmasten in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sollen schnellstmöglich wieder instandgesetzt werden, hatte es zuvor aus dem Bundesverkehrsministerium geheißen. Dazu tagte am Montag eine Taskforce, wie ein Sprecher von Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) gesagt hatte. Daran hätten auch Vertreter der Deutschen Bahn und der Autobahngesellschaft des Bundes teilgenommen.

Das Verkehrsministerium hatte angekündigt, zur Schadensermittlung werde in einzelnen Arbeitsgruppen für Straße, Schiene, Wasserstraße und digitale Infrastrukturen der weitere Handlungsbedarf ermittelt und priorisiert. Das Bundeskabinett will am Mittwoch über Bundeshilfen für die Hochwasser-Katastrophengebiete entscheiden.

Bundeskanzlerin kommt am Dienstag nach Bad Münstereifel

17.24 Uhr: Angela Merkel (CDU) macht sich am Dienstag ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kommt die Bundeskanzlerin am Mittag nach Bad Münstereifel, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte. Vor Ort im Kreis Euskirchen will sich Merkel ein Bild von der Lage machen, mit Vertretern von Hilfsorganisationen und Helferinnen und Helfern sprechen. Auch Treffen mit betroffenen Bürgern stehen auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht.

Dobrindt sagt Flutopfern "Hilfen in Rekordhöhe" zu

16.37 Uhr: Nach der verheerenden Flutkatastrophe vor allem im Westen Deutschlands hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt den Opfern "volle Unterstützung" zugesichert. "Wir werden dafür Hilfen in Rekordhöhe bereitstellen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin. "Wir brauchen jetzt eine Solidaritätsoffensive für Soforthilfe und Wiederaufbau für die Hochwassergebiete."

Die Bundesregierung will bei der Kabinettssitzung an diesem Mittwoch über die Hilfen für die Hochwassergebiete vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entscheiden. An der genauen Höhe und Ausgestaltung wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums vom Montag noch gearbeitet. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte am Sonntag gesagt, der Bund orientiere sich bei den Soforthilfen an der letzten Flut, also an etwa 400 Millionen Euro.

Laschet kündigt Analyse beim Katastrophenschutz an

15.20 Uhr: Nach Kritik am Katastrophenschutz in den Unwetterregionen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine Analyse der Abläufe angekündigt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hob hervor, die Warninfrastruktur habe funktioniert.

Die Kritik war angesichts der hohen Zahl der Todesopfer in den Hochwassergebieten laut geworden; auch gab es am Wochenende Berichte über frühzeitige Alarmmeldungen des europäischen Hochwasser-Warnsystems Efas, aus denen betroffene Bundesländer demnach aber nicht die angemessenen Konsequenzen gezogen hätten.

Laschet sagte bei einem gemeinsamen Besuch mit Seehofer an der zeitweise von Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre bei Euskirchen, die betroffenen Landkreise hätten auf Warnungen des Deutschen Wetterdienstes reagiert. "Wir werden das im Nachhinein untersuchen, wo können die Meldewege noch besser werden", kündigte der CDU-Chef gleichwohl an.

Wetterdienst warnte frühzeitig vor Unwettern

14.41 Uhr: Im Fall der schweren Unwetter in der vergangenen Woche im Westen Deutschlands haben die Rechenmodelle des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bereits am Montag klare Hinweise gegeben. "Wir haben am Montag die Vorabinfo herausgeben können, in der schon stand, dass bis zu 200 Liter (Niederschlag pro Quadratmeter) erwartet werden", sagte Franz-Josef Molé, der Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der Deutschen Presse-Agentur. "Früher ging es eigentlich nicht."

Der Dienst habe explizit nicht nur vor Stark- sondern auch vor Dauerregen gewarnt. "Normalerweise ist den Wasserverbänden klar, dass das die schlimmste Lage ist, die man im Sommer haben kann – Starkregenfälle eingebettet in ein Dauerregengebiet", sagte Molé. Er wies jedoch auch daraufhin, dass die Orte aufgrund der exorbitant hohen Wassermengen "gar nicht hätten geschützt werden können".

Seehofer – Kritik an Katastrophenschutz ist "billige Wahlkampfrhetorik"

13.59 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen den Katastrophenschutz verteidigt. Manches an der derzeit geäußerten Kritik sei einer "ganz billigen Wahlkampfrhetorik" zuzuordnen, sagte Seehofer am Montag bei einem Besuch an der Steinbachtalbrücke in Euskirchen. Dies sei fast schäbig.

Seehofer kündigte zugleich an, dass nach der Bewältigung der akuten Krisenlage die Abläufe im Katastrophenschutz aufgearbeitet würden. Er selbst habe "das größte Interesse“ daran. "Aber jetzt in diesen Tagen hat die Bevölkerung ein Interesse an der Hilfe und der Solidarität."

Seehofer sagte, die Meldewege rund um die Unwetterkatastrophe hätten nach seiner Information von Seiten des Bundes funktioniert. Auf der Ebene der Bundesländer wolle er sich nicht dazu einmischen.

NRW-Ministerium: Unwetterwarnung an Städte und Kreise weitergeleitet

13 Uhr: Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat nach eigener Darstellung in der vergangenen Woche Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) an die Städte und Kreise weitergeleitet. Grundsätzlich gelte im Katastrophenschutz aber ein Örtlichkeitsprinzip, so dass über Schutzmaßnahmen vor Ort zu entscheiden sei, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Am vorigen Mittwoch sei im NRW-Innenministerium ein Koordinationsstab gebildet worden. Dort berieten seitdem Fachleute aus dem eigenen Haus mit weiteren Experten - etwa aus dem Umweltministerium, der Bundeswehr, Bundespolizei oder den Feuerwehren - permanent über die Lage. Rund um die Uhr sei dort auch eine Kontaktperson zu erreichen, sagte der Sprecher. Diese Koordinierungsgruppe sei aber kein Krisenstab, welcher von der Landesregierung unter Beteiligung sämtlicher Ressorts eingerichtet werden müsste, um dann in regelmäßigen Sitzungen zentral die Lage im Land abzuarbeiten.

Dammbruch an Steinbachtalsperre verhindert

12.54 Uhr: An der von einem Dammbruch bedrohten Steinbachtalsperre in Euskirchen hat sich die Situation entspannt. Ein Bruch habe an dieser Stelle verhindert werden können, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag unmittelbar an der Talsperre.

Der CDU-Bundesvorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat besuchte zusammen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Ort, an dem seit Tagen gegen einen verheerenden Dammbruch gearbeitet wird. Laschet würdigte die Hilfe des Bundes. Es bestehe nun die Chance, "dass sich die Lage endgültig entspannt". Eine enge Zusammenarbeit der örtlichen Feuerwehren, der beiden Kreise, des Technischen Hilfswerks (THW) und der Bundeswehr habe ermöglicht, dass ein Dammbruch an dieser Stelle verhindert werden konnte.

Israel bietet Deutschland und Belgien "jede erdenkliche Hilfe" an

12.26 Uhr: Israel hat den vom Hochwasser getroffenen Regionen in Westdeutschland und Belgien Unterstützung zugesagt. Die Botschaft twitterte am Montagvormittag ein Statement von Premierminister Naftali Bennett. Darin drückt Bennett den Betroffenen seine Anteilnahme aus. "An unsere Freunde in Deutschland und Belgien, die gerade eine unerträgliche Naturkatastrophe erleben: Im Namen der Regierung und der Bürger Israels möchte ich unser Beileid über den Verlust von Menschenleben und die weitreichenden Verwüstungen übermitteln", so der Premierminister.

Israel sei "natürlich bereit, jede erdenkliche Hilfe zu leisten, die angefordert werden kann". Die Menschen in Israel bewegt das Schicksal der Flutbetroffenen. Erst am Wochenende hatte das Rathaus von Tel Aviv seine Fassade in den Farben Schwarz, Rot und Gold angestrahlt und damit seine Solidarität und Anteilnahme zum Ausdruck gebracht.

Bezirksregierung Köln: Hotline nur für Vermisstenmeldung nutzen

12.10 Uhr: Die Bezirksregierung Köln hat an die Bevölkerung appelliert, die Flutkatastrophen-Hotline 0221-147-2206 nur als Angehöriger bei einer Vermisstensuche anzurufen. "Aktuell melden sich unter dieser Nummer unzählige Personen, um zu melden, dass sie in Sicherheit sind und/oder NICHT vermisst werden. Dadurch kommt es zu einem enormen Anrufaufkommen, das die Hotline nicht bewältigen", schrieb die Bezirksregierung am Montag bei Twitter.

Schadstoffe verschmutzen Gewässer in NRW

11.40 Uhr: Mit dem Hochwasser kommt der Dreck: Das Landesumweltamt (LANUV) in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass durch die Fluten Öl, Diesel und andere Schadstoffe in die Gewässer eintreten werden. Bereits am frühen Donnerstagmorgen seien die ersten Ölschlieren auf dem Rhein bei Bad Honnef gefunden worden. "Die Leute haben das auch schon gemeldet, dass es riecht und Schlieren auf dem Wasser sind", sagte eine Sprecherin des LANUV am Montag. Die Schadstoffe stammen aus aufgeschwemmten Öltanks, gerissenen Leitungen und weggespülten Pkw.

Auch in Erftstadt-Blessem, wo die Lage nach einem Erdrutsch besonders angespannt war, sind die ersten Umweltfolgen bereits spürbar. Das Wasser, durch das man auf den Straßen von Blessem watete, roch beißend nach Benzin und hatte einen öligen Schleier. Wo sich das Wasser schon zurückgezogen hatte, blieb Unrat zurück, der aus Häusern und Garagen geschwemmt worden war.

Oberste Priorität für das LANUV habe zunächst die Trinkwasserversorgung, sagte die Sprecherin am Montag. Wasserversorger würden über einen sogenannten Warn- und Alarmplan über mögliche Befunde informiert und könnten dann Maßnahmen ergreifen. "Über andere Umweltfolgen haben wir noch gar keinen Überblick."

Katastrophenschutz: "Wollen die gute alte Sirene wiederhaben"

11.15 Uhr: Sirenen spielen bei der Warnung vor Katastrophen nach Ansicht des Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, einen wichtige Rolle. Es brauche einen Warnmittel-Mix aus verschiedenen Methoden, rein digitale Warnungen seien nicht der richtige Weg, sagte er im Deutschlandfunk. "Und deswegen wollen wir auch die gute alte Sirene zurückhaben."

Mit einem Förderprogramm in Höhe von 90 Millionen Euro sollen gemeinsam mit den Bundesländern "an den richtigen Stellen" wieder Sirenen installiert werden. "Die 90 Millionen werden dafür aber nicht reichen. Wir werden mehr Geld brauchen", sagte Schuster. Schnell werde es nicht gehen. "Das ist ein Projekt für mehrere Jahre."

"Keine gute Idee" – Zwei Männer kentern mit Schlauchboot auf der Donau

10.54 Uhr: Beim Donau-Hochwasser sind in der Nähe von Passau in einer dramatischen Rettungsaktion zwei Schlauchbootfahrer gerettet worden. Die Männer seien am Vorabend mit ihren Booten abgetrieben und gekentert, sagte ein Sprecher der Wasserpolizei am Montagmorgen. Laut Feuerwehr konnten sich die Männer an Treibholz festklammern. Es hatte sich am Ufer der unbewohnten Donau-Insel Soldatenau verfangen, die schon zu Österreich gehört. Die Feuerwehr sei wegen des Hochwassers in der Nähe gewesen und habe die beiden mit einem Boot rechtzeitig retten können. Die Aktion der Schlauchbootfahrer sei keine gute Idee gewesen, so ein Polizeisprecher. "Das ist lebensgefährlich."

Hochwasserlage in Bayern entspannt sich deutlich

10.44 Uhr: Die Hochwasserlage in Bayern hat sich am Montag deutlich entspannt. Da es keine relevanten Niederschläge mehr gegeben habe und nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auch die kommenden Tage keine relevanten Flächenniederschläge geben werde, sei von einer weitergehenden Entspannung auszugehen, teilte der Hochwassernachrichtendienst Bayern mit. "Die Wellen laufen ab", hieß es im Lagebericht des Warndienstes.

An der Donau verläuft der Scheitel der aktuellen Hochwasserwelle derzeit demnach bei Neuburg. Dort gilt derzeit die Meldestufe drei, die im Tagesverlauf auch für Ingolstadt und Kelheim erwartet wird. Die zweithöchste Meldestufe drei bedeutet, dass einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet werden können und auch einzelne überörtliche Straßen. An allen anderen bayerischen Flüssen sind die Meldestufen bereits niedriger.

Auch im Landkreis Berchtesgadener Land entspannte sich die Lage. Die Nationalparkverwaltung warnte in der bei Touristen beliebten Region allerdings vor Unternehmungen. Zahlreiche Forststraßen, Wege und Steige seien unpassierbar. Im gesamten Gebiet sei mit Wegeschäden, Erosionen, Unterspülungen, Muren, Steinschlag oder akuten Gefahren durch umstürzende Bäume zu rechnen. Die Schifffahrt auf dem Königssee blieb am Montag eingestellt.