Betrug

„Inventing Anna“: Hochstaplerin Anna Sorokin packt aus

Oliver Stöwing
| Lesedauer: 4 Minuten
Hochstaplerin Sorokin soll wohl nach Deutschland abgeschoben werden

Hochstaplerin Sorokin soll wohl nach Deutschland abgeschoben werden

Die deutsch-russische Hochstaplerin Anna Sorokin soll US-Medienberichten zufolge nach Deutschland abgeschoben werden. Sie war in den USA 2019 wegen Diebstahls zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

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New York.  Durch die Netflix-Serie „Inventing Anna“ ist ihre Geschichte berühmt geworden: Im Interview spricht Anna Sorokin über Geld und Betrug.

Von Eschweiler in Nordrhein-Westfalen in New Yorks High Society: Anna Sorokin (31) ist die wohl berühmteste Hochstaplerin der Welt. Die Serie „Inventing Anna“ basiert auf ihrem Leben und hält sich seit Wochen in den Top 5 bei Netflix.

Sorokin, die als Teenager mit ihren Eltern von Moskau nach Deutschland gezogen war, zockte die Kunst-, Finanz- und Modeszene Manhattans ab, indem sie behauptete, Investoren für einen exklusiven Kunstclub zu suchen. Jeder hielt sie für eine . Doch dann klickten die Handschellen. 2019 wurde sie , Anfang 2021 kam sie wegen guter Führung frei.

Wegen eines abgelaufenen Visums fand sie sich schon bald in Abschiebehaft wieder – Montag sollte sie nach Deutschland ausfliegen. Für sie schlimmer als das Gefängnis. Der Flieger blieb leer. Aus „Sicherheitsgründen“, gab die US-Behörde ICE bekannt, werde ihre Abschiebung verschoben. Sorokin soll sich mit Händen und Füßen gewehrt haben, berichten Medien.

Videointerview aus dem Gefängnis

Der Podcasterin Alex Cooper gelang es kurz vorher noch, mit Sorokin ein Videointerview zu führen. Überrascht, dass die Hochstaplerin es vorerst geschafft hat, in den USA zu bleiben, ist Cooper nicht. „Nichts über Anna schockiert mich mehr“, sagt sie.

Sorokin geht es bestens. Sie lacht viel, nur die Gespräche der Mitinsassinnen im Gemeinschaftsraum stören sie. Ihre Haare sind frisch geföhnt, zum gelben Haft-Overall trägt sie Make-up und ihr Markenzeichen, die riesige Brille. 320.000 Dollar bekam sie von Netflix für die Filmrechte. Mit dem Geld macht sie sich das Leben in Haft angenehm.

Sie leistet sich eine „Assistentin“ und lässt ihre Wäsche waschen. „Sie denken, ich sei superreich“, sagt sie. Außerdem werde sie mit Fanpost geflutet: „Ich bekomme mehr Heiratsanträge als je zuvor.“ Ihr Talent zu beeindrucken und zu manipulieren ist also ungebrochen.

„Ich habe nie sinnlos gelogen“, sagt Sorokin

Reue empfindet sie nicht. Zwar bezeichnet sie ihre Aktionen als kriminell. Eine Trickbetrügerin aber sei sie nie gewesen. „Ich wollte niemandem schaden.“ Und was ist mit der früheren Freundin, der sie bei einem Luxusurlaub in Marokko eine 62.000-Dollar-Rechnung überließ? „Das war eine unglückliche Situation. Wenn sie glaubt, dass ich ihr Geld schulde, sie weiß, wie sie mich erreicht.“ Die Frau habe ja ein Buch geschrieben: „Ich habe gehört, es sei sehr schlecht.“

Ansonsten gewährte Sorokin Einblick in ihre Karten. Über Social Media hatte sie, kaum in New York, Glamour-Bilder für ihren angeblichen Reichtum sprechen lassen. „Ich habe aber nie erzählt, ich sei eine Erbin. Wer stellt sich denn auch so vor?“ In diesen Kreisen frage niemand, wo man sein Vermögen herhabe. Kredite waren kein Problem: „Es ist leichter, nach 20 Millionen Dollar zu fragen, wenn sie annehmen, dass du ebenfalls reich bist“, sagt sie.

Wenn sie log, dann nur, um ihr Ziel zu erreichen: „Ich habe nie sinnlos gelogen.“ Wenn Lügen, „dann in einer Bank“, sagt sie und kichert. Auch entsprach sie optisch bewusst nicht dem Klischee einer Femme fatale, sondern kleidete sich zurückhaltend. Keine High Heels, keine engen Kleider. „Niemand sollte denken, ich wolle beeindrucken. Die anderen sollten glauben, sie müssten mich beeindrucken. Ich gab ihnen diese Ihr-könnt-mich-mal-Schwingungen.“

„Mich werden sie immer verfolgen“

Ihre Jugend in Deutschland? Die Eltern ließen sie weitgehend in Ruhe. „Ich hasste es, wenn man mir sagte, was ich tun soll. Ich war immer gegen Regeln und Autoritäten.“ Wenn die Eltern ihr das Taschengeld entzogen, traf sie das am härtesten. „Ich wollte immer finanzielle Kontrolle“, sagt sie. Arbeiten dagegen wollte sie nie.

Ganz so selbstsicher, wie sie wirkt, sei sie aber nicht, räumt sie ein „Ich fühle mich abhängig von der Gnade anderer.“ Andere Kriminelle hätten ihre Strafe irgendwann abgesessen. „Mich werden sie immer verfolgen.“

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