Schießerei

Schüsse in Kopenhagen: Verdächtiger kommt in Psychiatrie

| Lesedauer: 7 Minuten
Todeschüsse in Kopenhagen: Tatverdächtiger hatte psychische Probleme

Todeschüsse in Kopenhagen: Tatverdächtiger hatte psychische Probleme

Nach den tödlichen Schüssen in einem Einkaufszentrum in Kopenhagen geht die Polizei nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Tatverdächtige habe in der Vergangenheit psychische Probleme gehabt und sei den "psychiatrischen Diensten bekannt", teilte der Polizeichef der dänischen Hauptstadt mit.

Beschreibung anzeigen

Kopenhagen.  Ein Mann hat in Kopenhagen das Feuer in einem Einkaufszentrum eröffnet, drei Menschen starben. Nun ist er vor den Haftrichter getreten.

  • Schüsse in Kopenhagen - drei Menschen sterben in Einkaufszentrum
  • 22-Jähriger Tatverdächtiger ist festgenommen
  • Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vorsätzliche und versuchte Tötung vor
  • Der Beschuldigte muss für 24 Tage in eine geschlossene psychiatrische Abteilung
  • Dänemark in tiefer Trauer

Dänemark steht unter Schock. Am Sonntagabend hat in der Hauptstadt Kopenhagen ein Mann drei Menschen erschossen und mehrere schwer verletzt. Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter, einen 22 Jahre alten Dänen, festgenommen. Der Mann trat bereits vor den Haftrichter.

Wie mehrere dänische Medien am Montag aus der Anhörung des Tatverdächtigen berichten, wirft sie Staatsanwaltschaft in Kopenhagen dem mutmaßlichen Amokläufer vorsätzliche Tötung und versuchte Tötung vor. Außerdem werde er für 24 Tage in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen, so dänische Medien. Somit müsse der Tatverdächtige die Untersuchungshaft in der Psychiatrie verbringen.

Der 22-Jährige wird beschuldigt, am Sonntagabend in einem Einkaufszentrum drei Menschen erschossen und vier weitere durch Schüsse schwer verletzt zu haben. Unter den Toten soll ein 47-jähriger Mann mit russischer Staatsbürgerschaft sein, der in Dänemark lebte. Bei weiteren Toten soll es sich um zwei dänische 17-jährige Jugendliche handeln, ein Mädchen und ein Junge.

Drei der vier Verletzten bei dem Amoklauf sind außer Lebensgefahr. Eine Person befinde sich noch in kritischem Zustand, sagte Chefarzt Kasper Claudius vom Kopenhagener Krankenhaus Rigshospitalet bei einer Pressekonferenz am Montagmorgen.

Angriff auf Einkaufszentrum: Motiv unklar

Die Polizei sucht derweil nach den Hintergründen für die Tat. "Wir kennen das Motiv bisher nicht, aber ich kann versichern, dass die Behörden alles unternehmen, um diesen Fall aufzuklären und die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden können", sagte Justizminister Mattias Tesfaye der Agentur Ritzau.

Ein früherer Leiter der Mordkommission, Jens Møller, sagte dem Sender TV2, der Täter habe offensichtlich nicht blind in die Menge gefeuert. "Wenn man schießt und drei Opfer sterben und vier weitere in kritischem Zustand sind, handelt es sich eindeutig um gezielte Schüsse", sagte Møller.

Schüsse in Einkaufzentrum: Kein Terrorakt

Bei dem Tatverdächtigen konnte die Polizei ein Gewehr und ein Messer finden. Außerdem habe der Mann Zugang zu einer Pistole gehabt, sagte der Kopenhagener Polizeichef Søren Thomassen am Montagmorgen bei einer Pressekonferenz: "Wie es derzeit aussieht, sind die Waffen zulässig, aber er hatte keine Berechtigung dafür."

Zum möglichen Motiv machte der Chefinspekteur keine Angaben. In sozialen Medien werde über einen rassistischen Hintergrund spekuliert, sagte er. Dafür gebe es derzeit keine Anhaltspunkte.

Auch handelt es sich bei der Tat nicht um einen Terrorakt. "Es gibt keine Hinweise in den Ermittlungen, Dokumenten oder Zeugenaussagen, die belegen könnten, dass es sich um Terror handelt", so Thomassen. Der Täter habe offenbar auf zufällig ausgewählte Opfer gefeuert.

Einkaufszentrum in Kopenhagen: Täter soll mit Gewehr geschossen haben

Der mutmaßliche Schütze sei der Polizei "grundsätzlich bekannt" gewesen, hatte Thomassen zuvor erklärt. In der Vergangenheit habe der Tatverdächtige Hilfe in einer Psychiatrie gesucht. Weitere Angaben hierzu machte er nicht.

Die Polizei geht davon aus, dass der Täter alleine handelte. "Bis wir absolut sicher sind, dass die Hypothese zutrifft, werden wir eine weitreichende Untersuchung durchführen und eine massive operative Präsenz in Kopenhagen aufrechterhalten, bis wir sagen können, dass er alleine war", so der Chefinspekteur.

Der Festgenommene werde wegen Totschlags angeklagt. Der Vorwurf könne sich aber noch ändern. Ob der Mann Mitglied in einem Schützenverein war und ob er die Waffe legal besaß, wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen.

Auf Amateurvideos aus dem Gebäude waren Schüsse zu hören. Auf anderen war zu sehen, wie ein Mann mit einer Langwaffe in der Hand an Geschäften vorbei ging.

Bluttat in Einkaufszentrum: Royaler Empfang abgesagt

Das dänische Königshaus rief zum Zusammenhalt auf. "Die Situation erfordert Einigkeit und Fürsorge, und wir danken der Polizei, den Rettungsdiensten und den Gesundheitsbehörden für ihr schnelles und effektives Handeln in diesen Stunden", hieß es in einer Mitteilung von Königin Margrethe II. und dem Kronprinzenpaar - Frederik und Mary - am späten Sonntagabend.

Die Königsfamilie zeigte sich betroffen von der "schockierenden Nachricht". "Unsere Gedanken und unser tiefstes Mitgefühl sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen der Tragödie." Nach Bekanntwerden der Tat hatte das Königshaus bereits einen Empfang mit Kronprinz Frederik abgesagt.

Attacke in Kopenhagen: "Grausamer Angriff"

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verurteilte die Tat als "grausamen Angriff". Sie forderte die Menschen im Land auf, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. "Wir alle wurden brutal aus dem strahlenden Sommer gerissen, den wir gerade erst begonnen hatten", teilte Fredriksen. "Es ist unverständlich. Herzzerreißend. Zwecklos. Unsere schöne und sonst so sichere Hauptstadt wurde im Bruchteil einer Sekunde verändert."

Einsatzkräfte riegelten die gesamte Insel Seeland ab, auf der die dänische Hauptstadt liegt. Mehrere Straßen und Autobahnausfahrten wurden gesperrt. Um mehr Kräfte für die Untersuchung der Bluttat zur Verfügung zu haben, übernahmen Soldaten Bewachungsaufgaben von der Polizei. Die Behörden richteten einen Ort ein, an dem Augenzeugen ihre Aussage machen und psychologische Betreuung in Anspruch nehmen können.

Schüsse in Einkaufszentrum: Popkonzert abgesagt

Ein Auftritt des britischen Sängers Harry Styles in einer nahe gelegenen Konzerthalle wurde abgesagt. Der Konzertveranstalter Live Nation teilte mit, dies sei auf Anordnung der dänischen Polizei geschehen. Ob die Show nachgeholt wird, war zunächst unklar. "Wir sind alle am Boden zerstört von den Ereignissen des Tages und unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien." Es wird vermutet, dass sich viele Konzertbesucher in dem nur wenige Hundert Meter entfernten Einkaufszentrum aufhielten, zum Beispiel um noch etwas zu essen.

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass es in einer skandinavischen Hauptstadt einen Angriff gibt. Erst vor gut einer Woche waren in einer Schwulen-Bar in Oslo zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein.

Weitere aktuelle Nachrichten:

(dpa/fmg/lgr)

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de