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Lauterbach kritisiert Wagenknecht-Aussage zu Impfdurchbruch

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Spahn: Impfstoff für Drittimpfung ist in Deutschland da

Spahn: Impfstoff für Drittimpfung ist in Deutschland da

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rät jedem Bürger, mit dem Arzt zu klären, ob eine Auffrischungsimpfung sinnvoll ist. Rechtlich sei dies schon heute möglich, sagte Spahn.

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Berlin  Sahra Wagenknecht wirft der Regierung vor, in Bezug auf Impfdurchbrüche falsche Zahlen verwendet zu haben. Das sorgt für Diskussionen.

Eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten der Linken Sahra Wagenknecht sorgt für Diskussionen. Sie hatte der Bundesregierung vorgeworfen, Gesundheitsminister Jens Spahn benutze in Bezug auf die Anzahl der geimpften Covid-19-Patienten und Patientinnen auf den Intensivstationen „vollkommen veraltete Zahlen“ und täusche "die Öffentlichkeit über das tatsächliche Ausmaß der Impfdurchbrüche“, wie Wagenknecht dieser Redaktion sagte.

Spahn hatte vor einigen Wochen von rund 95 Prozent ungeimpften Personen auf den Intensivstationen gesprochen. Die tatsächliche Zahl der wahrscheinlichen Impfdurchbrüche lag laut Antwort des Bundesgesundheitsministeriums, das sich auf der Robert-Koch-Institut (RKI) beruft, im August und September bei 10,03 Prozent.

Anstieg der Impfdurchbrüche laut RKI „erwartbar“

Für den Anstieg der Impfdurchbrüche gibt es allerdings laut RKI eine einfache Erklärung: Es seien immer mehr Menschen geimpft und gleichzeitig würde sich das Virus wieder stärker verbreiten. „Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen.“ Das Institut bezeichnete diese Entwicklung als „erwartbar“.

Auf Twitter schrieb Wagenknecht nun jedoch, die Bundesregierung hätte auf ihre Anfrage zugegeben, „dass Impfdurchbrüche bei Intensivpatienten höher sind als von Spahn gesagt.“ Aus diesem Grund, so schreibt die frühere Fraktionsvorsitzende der Linken, sei auch die 2G-Regelung, die Streichung der Lohnfortzahlung im Quarantänefall und die Abschaffung der kostenlosen Test falsch.

Lauterbach: „Ungeimpfte sollten zur Impfung bewegt werden, nicht ins Verderben geredet“

Deutliche Kritik erhält sie dafür unter anderem vom SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach. Er erklärte auf Twitter, Wagenknecht erwecke den Eindruck, „die Impfung schütze weniger als von der Regierung behauptet.“ Das sei allerdings falsch. Die Impfung bewirke weiterhin eine 90-prozentige Risikosenkung „gegen schwere Fälle und Krankenhaus“. „Die Ungeimpften sollten von uns Politikern zur Impfung bewegt werden, nicht ins Verderben geredet“, schreibt Lauterbach weiter.

Lauterbach twitterte außerdem, der Schutz vor schwerer Krankheit für doppelt Geimpfte läge bei 90 Prozent, die 10 Prozent, die weniger geschützt seien, hätten außerdem meist Vorerkrankungen. Zusätzlich dazu seien diese Menschen bald durch die Booster-Impfung besser geschützt. „Das bedeutet: nur die Ungeimpften verlängern noch die Pandemie in Deutschland“, schlussfolgert er.

Geimpfte auf Intensivstationen in der Regel vorerkrankt

Das bestätigte auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx. Er sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die allermeisten Patienten, die wir behandeln – das wissen wir aus den Gesprächen mit vielen Kollegen großer deutscher Intensivstationen – sind gar nicht oder nicht vollständig geimpft.“

Die Patienten und Patientinnen auf den Intensivstationen, die nicht geimpft sind, seien größtenteils ältere Menschen, deren zweite Impfung schon weit zurückliege. „Diese Menschen leiden in aller Regel zudem unter schweren chronischen Krankheiten“, erklärte Marx.

Auch von ihrer eigenen Partei erntete Wagenknecht Kritik. So schrieb beispielsweise der ehemalige Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen Daniel Schwerd, es liege in der Natur der Sache, dass die Anzahl der doppelt Geimpften mit steigende Impfquote ebenfalls zunehmen würde. „Dieses Dramatisieren einer mathematischen Selbstverständlichkeit ist unserer Partei unwürdig,“ twitterte er.

(csr)