Kommentar

Corona und Krieg: Die Folgen werden teuer für uns alle

Alexander Klay
| Lesedauer: 3 Minuten
Institute senken Konjunkturprognose für 2022 auf 2,7 Prozent

Institute senken Konjunkturprognose für 2022 auf 2,7 Prozent

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt: Sie erwarten nur noch ein Wachstum von 2,7 Prozent statt wie im Herbst 4,8 Prozent; die Inflation wird ihrer Schätzung nach bei 6,1 Prozent in diesem Jahr liegen.

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Durch Corona und Ukraine-Krieg ist die Inflation besonders hoch. Doch der Staat wird nicht alles abfedern können, meint unser Autor.

Im Sommer 2021 konnten die Menschen in Deutschland und Europa endlich aufatmen. Die Impfungen gegen Covid-19 wirkten, die Grenzen öffneten sich wieder, die weltweiten Lieferketten kamen nach dem tiefen Schock der Pandemie wieder in Gang. Beschäftigte wurden aus der Kurzarbeit zurück ins Büro oder ins Werk geholt. Wirtschaftsforscherinnen und -forscher blickten guten Mutes auf das Jahr 2022: Die Spuren der Corona-Krise könnten aus ökonomischer Sicht schon bald überwunden sein.

Doch der Optimismus aus dem Sommer des Aufbruchs ist längst verflogen. Wer heute einen nüchternen Blick auf die Lage der Dinge wirft, dem wird angst und bange. Überall auf der Welt brennt es und wir bekommen die Folgen hautnah zu spüren.

Schon im vergangenen Herbst trübte sich der Himmel ein. Immer deutlicher machte sich die Inflation bemerkbar. Vor allem Energie, aber auch Lebensmittel verteuerten sich drastisch. Immer mehr Menschen müssen sich die Frage stellen, wie sie ihren Lebensunterhalt noch finanzieren können.

Nun kommt der Krieg in der Ukraine dazu. Ganz abgesehen vom unfassbaren menschlichen Leid hat auch dieser Konflikt eine wirtschaftliche Komponente: Die Preise an den Tankstellen, für Gas und Strom haben seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine einen nie da gewesenen Höchststand erreicht. Lebensmittel machen den nächsten Preissprung.

Produktionskosten in Deutschland steigen kräftig

Aber nicht nur das: Der Landwirtschaft fehlt es jetzt an Dünger, der Industrie an Stahl, den Autoherstellern an Bauteilen und so weiter. Die Erzeugerpreise in Deutschland sind im Zuge des Krieges in der Ukraine im März um 30,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die höheren Produktionskosten werden nach und nach auch bei den Konsumenten ankommen. Die Inflationsrate wird hoch bleiben.

Und nun meldet sich in China auch noch das Coronavirus zurück. Dort fährt die Politik weiter ihre „Null Covid“-Strategie und hält viele Millionen Menschen in der Wirtschaftsmetropole Shanghai in Wohnungen und Fabriken gefangen. Hunderte Containerschiffe warten vor dem wichtigsten Hafen der Welt auf Ladung. Insbesondere die deutsche Wirtschaft, die eng mit China verflochten ist, wird dies zu spüren bekommen. Folge dürften erneut steigende Lieferzeiten und Preise für diverse Produkte sein.

Sowohl der Krieg in der Ukraine als auch die rigide Pandemiebekämpfung in China dürften immer mehr Unternehmen dazu bringen, ihre internationalen Handelsketten infrage zu stellen. Sie müssen Ersatz finden. Und zwar schnell.

Wo führt das noch alles hin? Steht hier die Globalisierung zur Disposition? Müssen wir Abstriche beim Lebensstandard machen – oder muss der Staat jetzt für weitere Entlastungen sorgen?

Ökonominnen und Ökonomen warnen mit einem Blick in die Vergangenheit zu Recht davor, dass Gewerkschaften jetzt mit hohen Lohnforderungen auf den Plan treten. Die Gemengelage aus stagnierender Wirtschaft und einer Lohn-Preis-Spirale hat die Bundesrepu­blik schon in den 1970er-Jahren gelähmt. Doch auch die Unternehmen stehen in der Pflicht, nicht allein den Beschäftigten alle Lasten der Krise aufzubürden.

Hilfreich wäre zudem weitere Hilfe vom Staat für Verbraucherinnen und Verbraucher, wie eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel – und ein deutliches Signal der Europäischen Zentralbank. Diese zögert viel zu lange mit Zinserhöhungen zur Eindämmung der Inflation.

Klar ist aber auch: Der Staat kann nicht alles abfedern. Ein Stück weit wird sich jeder einschränken müssen.