Kommentar

Frankreich-Wahl: Warum Präsident Macron jetzt kämpfen muss

Michael Backfisch
| Lesedauer: 2 Minuten
Le Pen gegen Macron: hasserfüllt gegen staatstragend

Le Pen gegen Macron: hasserfüllt gegen staatstragend

In der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich stehen sich erneut der Liberale Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen gegenüber. Die beiden Politiker könnten unterschiedlicher kaum sein.

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Paris.  Frankreichs Präsident Macron muss in der Stichwahl gegen Marine Le Pen antreten. Der Amtsinhaber muss nun um jede Stimme kämpfen.

In diesen düsteren Zeiten muss auch mal ein apokalyptisches Szenario erlaubt sein. Man stelle sich einmal vor: Die Rechtsextreme Marine Le Pen gewinnt am 24. April die Stichwahl gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Frau, die enge Beziehungen zum russischen Staatschef Wladimir Putin pflegt, säße im Élysée-Palast. Es wäre eine eklatante Schwächung – wenn nicht gar der Tod – der Europäischen Union. Die Krönung des Gemäldes: Ab Januar 2025 würde Donald Trump oder ein Trumpist die Welt aus dem Weißen Haus heraus wieder mit völlig irren Tweets traktieren.

So gruselig dies alles anmutet – völlig ausgeschlossen ist es nicht. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss immer wieder erkämpft werden. Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat zu einem ernüchternden Ergebnis geführt: Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung stimmten für die Rechts- oder Linkspopulisten. Beide sind kritisch gegenüber der EU und der Nato. Beide gießen das Füllhorn sozialer Leistungen großzügig aus. Mehr Mindestlohn, niedrigere Preise für Benzin, Strom und Gas. Alles zusammen ein üppiges Wünsch-dir-was-Programm – ohne zu sagen, wo das Geld herkommen soll. Lesen Sie auch: Frankreich-Wahl: Warum Macron jetzt nachrüsten muss

Frankreich: Macron muss Dialog mit Bürgern suchen

Die Rechtsauslegerin schielt auf die Stimmen der Linkspopulisten. Sie ist eine Gefahr für Macron. Der Präsident muss in den kommenden Tagen in die Offensive gehen. Er sollte durch das Land touren, den Dialog mit den Bürgern suchen und seine Politik erklären.

Er hat durchaus Erfolge vorzuweisen. Die Arbeitslosenrate ist gesunken, die Wirtschaft wächst in Frankreich mehr als anderswo. Preise für Strom und Gas wurden gedeckelt. Macron hat den Fehler gemacht, dass er sich zuletzt zu sehr auf seine Rolle als Chef-Krisenmanager im Ukraine-Krieg konzentriert hat. Le Pen hat das gnadenlos ausgenutzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.