Schmölln. Mit der Neuwahl schrumpft Schmöllner Stadtrat. Neues Forum Schmölln verabschiedet sich aus dem Politgeschehen. Und das sind die Gründe.

  • Neues Forum Schmölln: Abschied nach 35 Jahren.
  • Wende-Archiv erhält historisches Material aus Schmölln.
  • Lockere Sommerparty als letzter Gruß.

Mit der Kommunalwahl am 26. Mai schrumpft der Schmöllner Stadtrat. In der neuen Wahlperiode verfügt er nicht mehr wie bisher über 31, sondern nur noch über 24 Sitze. Zwei Mitglieder des Stadtrates, Gundula Werner und Jens Göbel, werden nicht mehr mit dabei sein. Aber nicht der Verkleinerung des Gremiums wegen. Sondern weil das Neue Forum, für das sie standen, nicht mehr antritt.

Gundula Werner und Jens Göbel nehmen Abschied

Gundula Werner gehörte seit 1994 dem Schmöllner Stadtrat an, seit 1999 bis heute leitete sie diesen als Vorsitzende - nicht selten durch schwere Diskussionen, aber stets mit Ruhe, Überblick und klaren Worten. Jens Göbel rückte 1995 in den Stadtrat Schmölln nach, oft genug war er das manende gewissen dieses Gremiums.

Christoph Schmidt, Mitbegründer des Neuen Forums in Schmölln, mit all dem Material, was sich in 35 Jahren Bürgerbewegung angesammelt hat. Er gibt es nun ins Thüringer Wendearchiv. 
Christoph Schmidt, Mitbegründer des Neuen Forums in Schmölln, mit all dem Material, was sich in 35 Jahren Bürgerbewegung angesammelt hat. Er gibt es nun ins Thüringer Wendearchiv.  © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Mit ihnen scheiden die letzten beiden Vertreter des Neuen Forums aus, einer Bürgbergbewegung, die in der Zeit der friedlichen Revolution in der DDR entstand und die die politische Wende 1989 wesentlich prägte. Auch in Schmölln. „Nach 35 Jahren sind wir nun nicht mehr mit dabei“, sagt Christoph Schmidt, der das Neue Forum in Schmölln - damals noch Bezirk Leipzig - einst mit aus der Taufe hob. Damit verschwindet dieses Bündnis wohl nun ganz aus der Öffentlichkeit. „In Leipzig gibt es noch ein paar Leute. Aber eine Gruppe existiert nicht mehr“, so Schmidt. Mit dem Ausscheiden des Neuen Forums in Schmölln ist auch die letzte Vertretung dieser Bürgerbewegung mindestens in einem Thüringer Parlament Geschichte.

Neues Forum Schmölln: Nicht alles erreicht - aber vieles

„Das war ja immer das Schöne bei uns in Schmölln: Wir hatten jemandem im Stadtrat“, sinniert Schmidt. Jetzt,, 35 Jahre nach der Gründung, habe man sich all die Wahlprogramme angeschaut, mit denen die Bürgerbewegten in der Sprottestadt Legislatur um Legislatur um die Wählergunst warben. „Wir stellten fest: erfolglos waren wir nicht“, fügt Schmidt hinzu. Er verweist auf das Glyphosatverbot im öffentlichen Raum Schmöllns, auf das Thema rund um Sonnenenergie, die Aktion Mobil ohne Auto und nicht zuletzt der Anstoß zur Entwicklung Schmöllns hin zur radfreundlichen Kommune.

Statistisch ausgewertet, habe das Neue Forum in Schmölln laut Schmidt viele Anträge eingebracht als Fraktion in den zurückliegenden Jahrzehnten, mit einigen sei man sogar erfolgreich gewesen, bilanziert Schmidt. Aber noch wichtiger ist ihm: „Ich denke, wir haben deutlich gemacht, dass man als Abgeordneter nicht nur zum Handheben im Stadtrat sitzt, sondern auch mal quer diskutieren kann. Wir haben gezeigt, dass konkrete Veränderung möglich ist.“

Jüngere rücken nicht nach fürs Neue Forum in Schmölln

Vor der anstehenden Kommunalwahl jetzt sei das Neue Forum ehrlich mit sich ins Gericht gegangen. „Wir sind nur noch eine kleine Truppe im Stadtrat, können nicht alle Themenfelder und Gremien besetzen und wir sind älter geworden. Die Arbeit im Stadtrat übersteigt inzwischen die Kräfte derer, die sie machen“, nennt Christoph Schmidt gewichtige Gründe. Zudem sei es nicht gelungen, Jüngere in die Arbeit einzubinden, damit sie nachrücken können. „Das ist so. Leider“, muss er zugeben. Weshalb sich das Schmöllner Neue Forum auch diese Frage stellen muss: „Passt diese Bürgerbewegung heute noch in die Zeit?“

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Eine eindeutige Antwort auf diese Frage habe man nicht gefunden. Aber Trübsal blässt man nicht. „Freilich: Es hat sich längst nicht alles erfüllt, wofür wir einst antraten. Aber wir waren in einer Zeit aktiv, in der es darauf ankam. Haben die Demokratie ins Leben gebracht, demokratisches Denken überhaupt“, meint Christoph Schmidt.

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All das Material, das Christoph Schmidt seit der Gründung des Neuen Forums in Schmölln gesammelt hat - angefangen von ersten Aufrufen, über Schriftstücke bis hin zu den Programmen für Kommunalwahlen in Schmölln - geht nun ins größte Wendearchiv Thüringens. Im Sommer dieses Jahres will das Neue Forum Schmölln dann offiziell Abschied nehmen: mit einer fröhlichen Sommerparty.

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