Streit um Eisenberger „Uroma der Demokratie“

Eisenberg.  Wer war Wilhelmine Eichler? Der Frage geht ein Schülerprojekt und nun auch der Eisenberger Stadtrat nach.

Am 19. Januar 1919 wurde Wilhelmine Eichler als eine von 37 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Sie lebte in Eisenberg und engagierte sich in der SPD. Nun soll an sie mit einer Gedenkplakette an ihrem einstigen Wohnsitz in der Kreisstadt des Saale-Holzlandes erinnert werden.

Am 19. Januar 1919 wurde Wilhelmine Eichler als eine von 37 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Sie lebte in Eisenberg und engagierte sich in der SPD. Nun soll an sie mit einer Gedenkplakette an ihrem einstigen Wohnsitz in der Kreisstadt des Saale-Holzlandes erinnert werden.

Foto: Archiv Büro Reichstag

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In Eisenberg ist der Streit ein Streit um Wilhelmine Eichler entbrannt. Dagegen wehren kann sich die Dame nicht: Die einstige deutsche Politikerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts über viele Jahre in Eisenberg gelebt und gearbeitet hat, ist seit dem 27. November 1937 tot, verstorben in Leipzig.

Die SPD im Saale-Holzland-Kreise macht sich seit Jahresbeginn stark für die Frauenrechtlerin der ersten Stunde. Am 19. Januar 1919 war die damalige Eisenberger Buchbinderin als eine von 37 Frauen mit einem Mandat der Sozialdemokraten in die Weimarer Nationalversammlung gewählt worden. Damit gehörte sie zu den ersten Frauen überhaupt im Parlament. Daneben war sie von 1919 bis 1920 auch Mitglied des Landtages von Sachsen-Altenburg. In den 1920 gewählten Deutschen Reichstag rückte die Eisenbergerin als SPD-Vertreterin 1921 nach.

Um den Antrag der SPD-Stadtratsfraktion, mit einer Gedenkplakette am letzten Wohnsitz von Wilhelmine Eichler in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße in Eisenberg an die „Uroma der Demokratie“ zu erinnern, ist nun im Hauptausschuss der Streit eskaliert. Über allem steht die Frage: Wer war Wilhelmine Eichler? Der CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Bernward Müller sieht den politischen Lebenslauf von Wilhelmine Eichler 100 Jahre später sehr kritisch. Vor allem stößt er sich daran, dass sie dem linken Flügel der SPD im Deutschen Reichstag angehört hatte und 1923 ihre Fraktion verließ und sich der KPD anschloss. Die Kommunisten unter Thälmann, Lenin und dann Stalin seien zutiefst undemokratisch gewesen. „Die KPD war eine Partei, die wir aus heutiger Sicht nicht unterstützen können“, wetterte Müller. Zudem: Die Frauen, die über 100 Jahre um das Wahlrecht gerungen hatten, seien keine Linken oder Sozialdemokraten, sondern bürgerliche gewesen – so Müllers Lesart des damaligen Kampfes der Suffragetten. Er stößt sich auch daran, dass Wilhelmine Eichler in der Historie von Eisenberg bisher keine Rolle gespielt habe.

„Eine Unverschämtheit“, kommentierte der Fraktionsvorsitzende der Linken, Steffen Much, den Redebeitrag des CDU-Fraktionschefs. Much erinnerte Müller daran, dass er einst sein Lehrer gewesen sei und vor 40 Jahren noch ganz anders gesprochen habe. Und Much verwies darauf, dass derzeit eine Schülergruppe der Eisenberger Krause-Regelschule für eine Seminarfacharbeit zu Wilhelmine Eichler forscht. Dafür hätten die Schüler auch intensiv im Staatsarchiv recherchiert. Die Ergebnisse der Arbeit könnten das Wirken von Wilhelmine Eichler in den Parlamenten und auch für Eisenberg sicherlich erhellen. Voraussichtlich im Februar 2020 sollen sie vorliegen.

Eine salomonische Lösung des Streits schlug Stadtrat Götz Witkop (Bund der Selbständigen) daraufhin vor: Die Forschungsergebnisse der Schüler abwarten und öffentlich vorstellen. Dann könne über eine Gedenkplakette für Wilhelmine Eichler entschieden werden. Diese Lösung empfiehlt der Hauptausschuss dem Stadtrat einstimmig – bei einer Enthaltung.

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