Stockenten-Nachwuchs an der Weihertalmühle

Quirla/Möckern  Stockenten-Nachwuchs aus Düsseldorf, der auf der Terrasse einer ehemaligen Thüringerin geschlüpft ist, wird an der Weihertalmühle ausgewildert.

Fünf Wochen alt sind die Vögel mittlerweile, die derzeit noch gut geschützt im Stall an der Weihertalmühle untergekommen sind.

Fünf Wochen alt sind die Vögel mittlerweile, die derzeit noch gut geschützt im Stall an der Weihertalmühle untergekommen sind.

Foto: Ute Flamich

„A4“, „A9“ und die Heidschnucken der Weihertalmühle zwischen Quirla und Möckern haben Gesellschaft bekommen.

Im Gehege von Ziege Heidi alias „A4“, dem schwarzen Ziegenbock „A9“ (er ist mal aus­gebüxt und hat die Autobahn 9 komplett lahmgelegt) und der vier derzeit noch namenlosen Schafe sind seit Donnerstagabend auch fünf Stockenten aus Düsseldorf zu Hause. Drei weitere werden in nächster Zeit folgen.

Zufällig – und mit der Hilfe des Menschen – haben die tierischen Großstädter den Weg von Nordrhein-Westfalen nach Thüringen gefunden. Dass sie sich so schnell wie möglich am und im etwa fünf mal zwei Meter großen Teich an der Weihertalmühle wohl fühlen, das hoffen Micheline Kreuzer und ihr Team. Die 58-Jährige ist seit dem 1. ­Januar 2019 Pächterin der Mühle, die am 20. Januar wiedereröffnet wurde – mit Gastronomie, ­Pension, Ferienwohnung, Spielplatz und auch ein paar Tieren.

Die fünf Neu­ankömmlinge sind derzeit noch gut geschützt und bestens mit Nahrung versorgt im Stall untergebracht. Voraussichtlich heute wird es für sie auf Erkundungstour in ihrem neuen Zuhause und zum Teich gehen. Eigens für die Enten hat Patrick Mäder, ein guter Freund der Pächterin und einer, den man überall einsetzen kann, wie sie sagt, ein Holzhäuschen gebaut. Das schwimmt bereits auf dem Teich und wartet auf seine neuen Bewohner.

Die insgesamt acht Stockenten sind vor fünf Wochen aus ihren Eiern geschlüpft – auf der ­großen Terrasse der Dachwohnung von Kerstin Woytas mitten in NRWs ­Landeshauptstadt. In einem Blumentopf hatten die Wild-Vögel zuvor gebrütet, woraufhin Kerstin Woytas zum Wohl der Tiere einen Teil ihrer Terrasse zur Sperrzone erklärt hat. Stockenten sind bei der Wahl ihrer Brutplätze sehr anpassungsfähig und brüten beispielsweise auf Gebäuden in der Innenstadt oder auf Bäumen. Aber auch sie haben ein zunehmendes Problem: die aus Afrika stammenden, aggressiven Nilgänse. Die Vögel kämpfen um bereits besetzte Nester und vertreiben andere Vögel. So zum Beispiel neben der Stockente auch Störche, Wanderfalken und Schleiereulen. Zudem töten Nilgänse auch junge Wildenten, um ausreichend Futter für die eigene Nachzucht zu haben.

Für die Vögel auf ihrer Terrasse, die Kerstin Woytas über Wochen liebevoll aufgepäppelt hat, wollte sie ein schönes Zuhause in einem natürlichen Umfeld finden. Die ehemalige Thüringerin, die kurz vor der Wende Jena verließ und in die Altbundesländer ging, rief Armin Seliger an. Er, der in Stadtroda wohnt, bei seinen Spaziergängen die Um­setzung der naturverbundenen Neubetreibung der Weihertalmühle beobachtete und nun die Arbeit in der Mühle ehrenamtlich unterstützt – vor allem in ­Sachen Marketing – hat vermittelt. Und er hat, gemeinsam mit einem Bekannten, zunächst fünf der acht Enten in Düsseldorf abgeholt und an die Weihertalmühle gebracht. „Die anderen drei sollen später nachkommen. Die ließen sich auf dem Balkon nicht greifen. Nach zweieinhalb Stunden wurde dieses Unter­fangen aufgegeben“, sagt er.

Am Donnerstagabend, um 21.05 Uhr, war für den Enten-Transport das Ziel im Saale-Holzland-Kreis erreicht. „Die Tiere waren in einem Pappkarton auf dem Beifahrersitz untergebracht. Wir mussten ihnen regelmäßig Wasser geben“, sagt Armin Seliger. Aus Düsseldorf mitgebracht hatten die Männer auch eine Weide. „Die stand auf dem Balkon von Kerstin Woytas, soll den Vögeln quasi ein Stück Heimat sein, und wird noch am Teich eingepflanzt.“

„Wir freuen uns und hoffen, dass die Auswilderung der Enten gut klappt“, sagt Mühlen-Pächterin Micheline Kreuzer.

Sie verrät, dass weitere Tiere eine neue Heimat an der Weihertalmühle bekommen sollen. So werden zunächst im September zwei weiß-schwarze Thüringer Waldziegen die „tierische Bande“ vergrößern.

Die Weihertalmühle ist im Jahr 1738 das erste Mal offiziell erwähnt worden, sagt Micheline Kreuzer. „Die Mühle hat irgendetwas an sich. Sie hat Tradition und ist es Wert, erhalten zu werden. Ich fühle mich hier wohl, hier ist mein Zuhause“, sagt sie. „Mir liegt die Mühle einfach sehr am Herzen und mit ihr die Gäste, die zu uns kommen.“

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