Fernrohr aus den Alpen für Jenaer Museum

Jena.  Nach fast 100 Jahren wird ein modernes Zeiss-Spektiv in 2240 Meter Höhe installiert. Jenaer Bergfreunde packen beim Ausbau der Neuen Thüringer Hütte an.

Anbau an Thüringer Hütte mit Hilfe eines Hubschraubers.

Anbau an Thüringer Hütte mit Hilfe eines Hubschraubers.

Foto: Uwe Hofmann

Nahezu ein Jahrhundert stand es in 2240 Metern Höhe vor der Neuen Thüringer Hütte im Nationalpark Hohe Tauern: ein Fernrohr der Firma Carl Zeiss. Das eiserne, gut 1,50 Meter lange Instrument war von 1926 bis zu seinem Abbau vor einigen Tagen noch voll funktionstüchtig. Nun befindet es sich im Optischen Museum in Jena.

„Wir haben viel Dank und Anerkennung von der Museumsleitung erhalten", sagt der Jenaer Uwe Hofmann, 1. Vorsitzende des Vereins Neue Thüringer Hütte, dem das Fernrohr gehört. Das gute Stück soll nun im Rahmen der Neugestaltung hin zum Deutschen Optischen Museum einen würdigen Platz in der künftigen Ausstellung finden, möglicherweise ja auch mit einem nacherlebbar gestalteten Alpen-Umfeld.

Inzwischen hat das alte Fernrohr einen Nachfolger gefunden: ein Zeiss-Spektiv der Spitzenklasse vom Typ Victory Harpia 95 mit bis zu 70-facher Vergrößerung. Natürlich auch wieder von Carl Zeiss gesponsert. Mit ihm kann man das fantastische Alpenpanorama von der Terrasse der Thüringer Hütte noch besser heranholen als vorher, zum Beispiel den Großvenediger, den Schwarzkopf und den Blessachkopf.

Aber das moderne Fernrohr ist nicht die einzige Neuerung in der Thüringer Hütte, wie Hofmann berichtet. Er selbst weilte Pfingsten mit anderen Jenaer Bergfreunden des Alpenvereins ein paar Tage in der Hütte und unternahm einige alpine Wanderungen. Vor allem aber koordinierte er den Ausbau der Hütte, den die Vereinsmitglieder zum großen Teil selbst bewerkstelligen. Denn der von ihm geführte Verein, zu dem die Sektionen des Deutschen Alpenvereins von Jena, Apolda, Inselsberg, Meiningen und Weimar gehören, hatte sich als Eigentümer des Hauses für eine Vergrößerung der Hütte entschieden. Es handelt sich um einen Ausbau an der Giebelseite, bei dem drei neue Räume für den Pächter Andreas Eder und seine Mitarbeiter entstehen sollen, die bisher nur sehr beengte Arbeits- und Aufenthaltsverhältnisse hatten. Im Obergeschoss wird noch ein neues Vereinszimmer hinzukommen.

Die Bauarbeiten waren nicht einfach, sagt Hofmann. Denn die Neue Thüringer Hütte liegt in 2240 Meter Höhe und ist nur zu Fuß erreichbar. Eine Autoverbindung ist nicht möglich. Essen und Getränke müssen per Rucksack hochgeschleppt oder per Hubschrauber gebracht werden. So flogen auch die Bauteile für den Anbau per Hubschrauber zur Hütte. Der Anbau sei jetzt im Wesentlichen fertig, meint der Vorsitzende des Vereins. Denn es soll am kommenden Wochenende wieder losgehen mit dem Hüttenbetrieb. Eine Saison, die bis zum 19. September gehen wird. Im Winter dient das Gebäude aber auch als Schutzhütte.

So stehen in dem Haus wieder 52 Matratzenlager zur Verfügung sowie 30 Schlafplätze in Mehrbettzimmern. Allerdings wirft die Corona-Krise auch ihre Schatten bis in die Alpen. Ausdrücklich verweist der Verein darauf, dass die Hütte nur im gesunden Zustand besucht werden darf. Jede Übernachtung muss vorher online oder telefonisch reserviert sein. Und eine Übernachtung ist auch nur im eigenen Schlafsack möglich, heißt es beim Hüttenwirt. Ansonsten laufe der Gastronomiebetrieb wieder normal, und österreichische Spezialitäten wie Kaiserschmarrn, Spätzle, hausgebackener Kuchen und vieles mehr warten auf die Wanderer. Im Vorjahr hatte man im Sommer insgesamt 1300 Übernachtungen.

Doch wie kommt man hoch zur Thüringer Hütte? Der Aufstieg ist nach den Worten von Hofmann nicht nur für Bergsteiger empfehlenswert, sondern für alle, die gern wandern. "Auch mit Kindern kann man den Aufstieg nehmen. Es gibt unterwegs viel zu sehen und zu entdecken", erzählt Hofmann. Von Zell am See am besten mit der Pinzgauer Lokalbahn nach Bramberg, Bahnhof Habachtal-Weyerhof, fahren, dort in den Taxibus bis zum Gasthof Alpenrose fahren, zum Ahornsee wandern, schöne Ausblicke genießen und dann geradeaus an einem Wasserfall vorbei in Serpentinen aufsteigend zur Hütte gehen. Man kann aber auch den Noitroistieg nehmen, der ist aber recht steil.

Noch ein Wort zum Namen der Einrichtung auf der Höhe: Die Neue Thüringer Hütte heißt so, weil ihr 1926 errichteter Vorgängerbau 1968 durch eine Lawine zerstört wurde und in den 1970er Jahren an einem weniger gefährdeten Standort neu gebaut wurde. Seit 2002 befindet sich das Haus im Besitz des Vereins Neue Thüringer Hütte.

Informationen: www.nth-huette.de, Spenden für den gemeinnützigen Hütten-Verein an Sparkasse Mittelthüringen, Iban: DE73 8205 1000 0301 0297 84