Hier zahlen Gastro-Gäste in Jena nicht für Pipi

Jena.  Toiletten-Nutzung im Einkaufszentrum? Die Entgelt-Frage wird unterschiedlich beantwortet.

Piktogramme Toilette

Piktogramme Toilette

Foto: Marco Schmidt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Am Ende hätte diese dringliche Angelegenheit bei besserem Informationsfluss ganz einfach gelöst werden können. Aber erst einmal: Nachfühlbar höchste Anspannung! Eine treue Leserin berichtete von ihrem Besuch im Doppel-Schnellrestaurant, das von einem Asia-Unternehmen und einem Fleischerfachbetrieb im kleinen Einkaufszentrum „Holzmarktpassage“ betrieben wird. Nach dem Speisen, so berichtete die Dame, habe sie die Toilette im ersten Obergeschoss der „Holzmarktpassage“ aufgesucht und sei verwundert gewesen. 50 Cent habe sie berappen müssen, um die Toilettentür öffnen zu können. Ob das denn angehe für sie als Nutzerin der Gastronomie?

Unter Umständen grundsätzlich: Ja! So war den Erläuterungen von Dirk Ellinger zu entnehmen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Thüringen erläuterte auf Anfrage, dass in der Bauordnung auf Sonderbauten hingewiesen werde und die Toilette bei mehr als 40 Gastronomie-Sitzplätzen erforderlich sei. Zudem werde bei Baugenehmigungen für Ladenzeilen eine zentrale Toilettenanlage eingeschlossen. Rechtlich sei dabei nichts gegen die Erhebung von Nutzungsgebühren zu sagen. Dass in der Miete von Läden in Einkaufszentren die Umlage von Nebenkosten und so auch ein Toilettenbetrieb inbegriffen sei, leuchte ein. Laden-Mietern könne man es nicht verargen, wenn sie feststellen: Ich kann die Toilettennutzung dem Einzelnen nicht bezahlen, so erläuterte Ellinger. „Objektiv steht da die Frage: Wo fange ich an, wo höre ich auf?“ Noch den Mix aus Gastro-Betrieben und anderem Einzelhandel betrachtet, sei zudem immer eine Gerechtigkeitsfrage im Spiel.

Zum Beispiel in der Goethe-Galerie ist die Nutzung der zentralen Toilette kostenlos. Centermanager Michael Holz berichtete, dass 2016 zum 20-jährigen Bestehen der Einkaufsmeile die Toilette zum zweiten Male komplett erneuert wurde. Im Kampf „stationärer Handel versus Internet“ könne man nicht erwarten, dass der Kunde für die Notdurft bezahlt. Klar werde die Anlage auch von Nicht-Kunden genutzt. „Aber wir haben diesen Weg bis heute nicht bereut“, sagte Holz. „Das spiegeln uns viele Kunden, wie gut das Angebot ist.“

Und noch zur Erleichterung unserer Leserin in Zukunft: Für die Holzmarktpassage werden an die Gastronomie-Gäste Coins für die Nutzung der Toilette ausgegeben, so war auf Anfrage zu hören von Annett Hammon, Assistentin der Geschäftsführung. Dieses Verfahren bewähre sich schon zehn Jahre, genau weil die Toilette nicht nur von Gastronomie-Gästen, sondern allen Leuten erreichbar ist, die die Holzmarktpassage passieren. Gab es also einen Kommunikations-Knick zwischen Leserin und Gastro-Betrieb?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren