Jena: Zeiss-Wohnungsgenossenschaft saniert Wohnblocks

Jena  Über acht Millionen Euro gibt es dafür vom Land.

Das Gerüst an der Ziegesarstraße 1 und 3 macht auf das zurzeit laufende Sanierungsprojekt aufmerksam. In einem Jahr sollen die ersten Mieter einziehen.

Das Gerüst an der Ziegesarstraße 1 und 3 macht auf das zurzeit laufende Sanierungsprojekt aufmerksam. In einem Jahr sollen die ersten Mieter einziehen.

Foto: Michael Groß

Es waren die letzten Wohnblocks, die 1983 in Neulobeda errichtet worden sind, weiß Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt zu berichten und verweist auf den elfgeschossigen Bau an der Ecke Ziegesarstraße/Drackendorfer Straße, an dem zurzeit ein Stahlgerüst mit einem Außenlift das dortige Baugeschehen deutlich macht. Es seien Wohnungen vom damaligen Plattenbau-Typ WBS 70 gewesen, von denen er selbst in einem benachbarten Wohnblock lange Zeit eine bewohnt habe. Dort saniert jetzt Jenawohnen seine Häuser.

Seit einigen Wochen ist nun auch im vordersten Block der Ziegesarstraße bei der Wohnungsgenossenschaft (WG) Carl Zeiss die Komplettsanierung für die Aufgänge 1 und 3 im Gange. Die hier befindlichen 110 Wohnungen stehen seit Frühjahr leer. Alle Bewohner haben durch die WG Ausweichwohnungen erhalten. Ein Teil von ihnen wird auch zurückziehen, wenn alles fertig saniert ist.

Die ersten 44 sanierten Wohnungen sollen sogar schon in der ersten Jahreshälfte 2020 bezugsfertig sein, kündigte gestern Axel Herrmann, Vorstandsmitglied der Zeiss-WG, an. Er verwies aber auch darauf, dass bereits einige Bewohner der Ziegesarstraße 5 und 7, deren Sanierung erst für die nächsten Jahre geplant sind, hier mit einziehen werden.

Dabei sollen die Wohnungen nicht nur einfach saniert, sondern auch zum Teil im Zuschnitt verändert werden, sagt Herrmann. „Aus den 110 Wohnungen sollen 89 werden“, ergänzt der Technische Leiter Frank Spangenberg. So wolle man aus einigen Ein-Raum-Wohnungen moderne Zwei-Raum-Wohnungen machen. Neue Aufzüge mit Halt in jeder Etage seien ebenso geplant wie Barrierefreiheit für 16 Wohnungen.

Auf der Liste der zurzeit laufenden Baumaßnahmen stehen die Erneuerung der Elektro-, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärleitungen, Dachabdichtungen, der Anbau neuer Balkone sowie modernisierte Keller- und Eingangsbereiche. Im Erdgeschoss ist zudem an Abstellflächen für Kinderwagen und Rollatoren gedacht.

Förderbedingungen nun besser händelbar

9,75 Millionen Euro werden fällig für die Sanierung der Ziegesarstraße 1 und 3. Umso erfreulicher, dass davon 8,3 Millionen Euro durch einen Förderbescheid der Thüringer Landesregierung abgedeckt werden. Birgit Keller (Linke), Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, überreichte gestern vor Ort den Förderbescheid an Axel Herrmann. Er wie auch die Ministerin würdigten, dass die Förderbedingungen und die damit zusammenhängende Bürokratie sich mit den neuen Regelungen des Freistaats wesentlich entspannt hätten. So sei es der WG viel besser möglich, an Fördermittel zur Verbesserung der Wohnbedingungen heranzukommen. Aus diesen Gründen habe man inzwischen auch das neue Projekt des sozialen Wohnungsbaues in der Karl-Liebknecht-Straße in Jena-Ost in Angriff nehmen können.

Die Ministerin nutzte gestern ihren Besuch in der Ziegesarstraße auch gleich, um auf ein aktuelles Problem hinzuweisen. So diskutiere man gegenwärtig unter den Bauministern der Landesregierungen über Veränderungen bei der Wohnungsbauförderung. Die westlichen Bundesländer möchten höhere Investitionen tätigen. Das soll aber zu Lasten des Ostens gehen, der dann weniger Gelder zur Verfügung hätte. „Natürlich braucht auch der Westen mehr Geld für Wohnungsbau und Sanierung, aber die Mittel dürften im Osten im Gegenzug keinesfalls gekürzt werden. Wir haben in Thüringen noch genug Bedarf. Der Sanierungsdruck ist gerade in den Städten weiter hoch.“ Sie habe als einziges Bundesland die Zustimmung zu den Veränderungen nicht gegeben. Nun komme das Problem in die Ministerpräsidenten-Runde.

Über das Geld sei man schon sehr froh, sagt Herrmann. Dadurch werde es nämlich möglich, dass die Mieten nicht erhöht werden müssen, wie das eine solche Sanierung eigentlich nötig machen würde.

Kaltmiete bleibt dank Förderung sozial

Die Kaltmiete soll in den sanierten Wohnungen 5,90 Euro betragen. Das liege noch im Bereich einer Sozialwohnung, wie Herrmann unterstreicht. Folglich würden Interessenten für eine solche Wohnung auch einen Wohnberechtigungsschein vorlegen müssen. Nur wer bisher schon Mieter in diesen Wohnblocks gewesen sei, brauche das nicht, weil man dann Bestandsschutz genieße.

Auch Jenas Dezernent für Finanzen, Sicherheit und Ordnung, Benjamin Koppe, würdigte das Engagement der WG Carl Zeiss für Wohnungsmodernisierung und Neubau. Und er dankte auch der Ministerin für die gute Förderung. Gleichzeitig bat er die Landespolitikerin aber auch, etwas für die Stärkung der Umwelt und der Mobilität zu tun. So würde sich die Stadt Jena freuen über mehr Unterstützung des Landes für die Straßenbahn in Jena. Man wolle 33 neue Straßenbahnzüge anschaffen. Das schaffe die Stadt aber nicht ohne die Hilfe Thüringens.

Endgültig fertig sein sollen die Wohnblocks der Zeiss-WG in der Ziegesarstraße, also einschließlich der zurzeit noch bewohnten Hausnummern 5 und 7, Ende des Jahres 2023.

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