Jenaer Fichten-Bestand schrumpft rasant

Jena  Winter-Einschlag im Stadtforst: fast nur noch Verkehrssicherung.

Die Jenaer Firma Baummarder, die hier im Auftrag des Jenaer Stadtforstes im Münchenrodaer Grund tätig ist.

Die Jenaer Firma Baummarder, die hier im Auftrag des Jenaer Stadtforstes im Münchenrodaer Grund tätig ist.

Foto: Thomas Stridde

Der Winter ist die Hoch-Zeit der Holzernte. Und diese hat in den Jenaer Wäldern eine klare aktuelle Ausrichtung. „In dieser Saison haben wir es besonders mit der Verkehrssicherungspflicht zu tun“, sagte Stadtförster Olaf Schubert.

„Wir sind fast nur damit beschäftigt, solche Bäume aufzuarbeiten.“ Und nur zu oft bekämen es die beauftragten Fachbetriebe dabei mit „Kalamitätsholz“ zu tun, wie der Stadtförster formulierte. Wegen der vielbewanderten Wege oder zum Beispiel wegen der Nähe des Waldes zu Gärten sei der Handlungsdruck beträchtlich.

Fichten-Anteil schon immer gering

Beim Ortstermin im Münchenrodaer Grund, wo gerade die Jenaer Firma Baummarder für den Stadtforst tätig war, richtete Olaf Schubert den Blick auf einen speziellen Fall von „Kalamitätsholz“: die Fichte. Gemessen an den 1700 Hektar Stadtwald plus 800 Hektar Naturschutzgroßprojekt „Orchideenregion“ sei der Fichten-Anteil rund um Jena schon immer gering gewesen. Aber: Vor 25 Jahren habe der Anteil noch bei sechs Prozent gelegen; mittlerweile seien es knapp zwei Prozent. Weil der Borkenkäfer wegen der anhaltenden Trockenheit immer leichteres Spiel habe, sei der Anteil besonders in den beiden vergangenen Jahren rasant kleiner geworden, erläuterte der Stadtförster.

Beispiel Münchenrodaer Grund: Nachdem dort ein „gewisser geschlossener Bestand“ nach starkem Borkenkäfer-Befall verschwunden und eine große freie Fläche verblieben war, „haben wir auch ein anderes Waldinnenklima“, sagte Schubert. Andere stabile und gesunde Bäume am Rande bekämen dadurch Stress. Und dazu das Eschentriebsterben! Der Pilz, der die Baumkrankheit auslöst, habe wegen der Trockenheit immer besseren Zugang erlangt.

Teure Holzernte

Ein Dilemma geht offenkundig ins andere über: Der Ertrag an „Kalamitätsholz“ steht nach Darstellung des Stadtförsters in keinem Verhältnis zum Aufwand bei herkömmlichem Einschlag. „Die Ernte ist mitunter doppelt so teuer. Wir sehen das zu 100 Prozent als Zuschussgeschäft“, während die Holzpreise auf dem Markt ohnehin „komplett im Keller“ angelangt seien. In Zahlen ausgedrückt: 15 bis 20 Euro würden je Festmeter für die Leistung beim Einschlag aufgebracht, aber nur 25 bis 30 Euro je Festmeter beim Verkauf erzielt.

Derweil steuere der Jenaer Stadtforst gegen, indem zum Beispiel das mobile Sägewerk zwecks Sofortverarbeitung betrieben und die Kette bis zum Absatz regional gehalten werde, so erläuterte Olaf Schubert. Der Anteil des reinen Holzeinschlags am Wirtschaftsplan werde aber immer kleiner, während der Aufwand für die Sicherung der Erholungsfunktion des Waldes, für Umweltbildung und Verkehrssicherung sich vergrößere. Politischen Naserümpfereien wegen des angeblich zu kleinen Jenaer Forstwirtschaftsertrags hält Olaf Schubert immer wieder die „exorbitant zunehmenden Gemeinwohlleistungen“ entgegen. „Wenn wir die mal bilanzieren würden …“