Campingplatz Portenschmiede erhält Glasfasernetz

Portenschmiede  Mitarbeiter der Uhlstädter Tief- und Fernmeldebau GmbH arbeiten mit Hochdruck daran

Frank Mahr bedient das Druckluftgerät mit dem die sieben Leerrohre in die Erde „geschossen“ werden auf einer Anhöhe nahe Ranis.

Foto: Marcus Cislak

In vielen Teilen des Orlatals und im Saaleland sieht man kleinere Baustellen, neue Schaltschränke und Kabeltrommeln. Denn es wird mit Hochdruck an der Schließung der „weißen Flecken im Breitbandnetz“ gearbeitet, wie es der Koordinator im Landratsamt Schleiz, Michael Kleine, sagt. Leerrohre werden zwischen Ranis, Heroldshof und Wilhelmsdorf mit Druckluft in die Erde geschossen. Eine Bauampel regelt den Verkehr von Wilhelmsdorf hinab zur Portenschmiede, denn dort wird derzeit der Straßengraben für die Leitungen geschachtet. Und das mitten in der Hochzeit der Urlaubssaison.

„Zuerst war das Trenching-Verfahren auf der Straße zur Saale hinab geplant, aber das hätte eine Vollsperrung mit sich gebracht“, weiß Kleine. Der Zeltplatz ist voll mit Familien, Jung wie Alt genießt die ruhigen Tage am Thüringer Meer. Doreen Schubert, Mitarbeiterin der den Campingplatz betreibenden Familie Schubert, hat ein gespaltenes Verhältnis zum Ausbau des Netzes. „Viele kommen, um in der Natur Entspannung zu suchen, braucht man da wirklich überall Internet?“ fragt sie. Auf der anderen Seite begrüßt man den Ausbau, viele Urlauber würden nachfragen. Die Arbeit und das Vergnügen vermischen sich zusehends. „Man will erreichbar sein“, sagt sie.

Mit der Hauruck-Aktion der Telekom, die das schnelle Internet an die Portenschmiede bringen soll, fühlt sich die Pächter­familie ein wenig überrumpelt. „Es gibt nur spärliche Informationen. So genau wissen wir noch nicht, wie wir das Internet unseren Gästen anbieten werden“, ist sie ein wenig ratlos. „Natürlich freuen wir uns, das ist eine echte Bereicherung für den Zeltplatz, aber es war doch alles sehr kurzfristig.“

Diesen Eindruck kann auch die Wilhelmsdorfer Bürgermeisterin Anke Czieslik bestätigen. Sie sei froh und dankbar, dass der Gemeinderat innerhalb einer Woche, kurz vor Beginn der Bauarbeiten, schnell reagiert hat. Und Entscheidungen traf, die den reibungslosen Start der Maßnahmen gewährleisten konnte. „Bis September oder Oktober könnte alles fertig sein“, sagt sie. Ursprünglich sei die Verlegung der Kabel gar nicht geplant gewesen. Erst durch Nachverhandlungen sei das möglich geworden, so Czieslik.

Auch sie sieht im Ausbau Fluch und Segen zugleich: „Die Kommunikation geht verloren, aber Wanderkarten für die Region sind online abrufbar, GPS ist zur Orientierung hilfreich.“ Sebastian Walch, Vorsitzender der VG Ranis-Ziegenrück ergänzt: „Das Internet ist ein Standortvorteil, das ist für den Tourismus der Region von Vorteil.“ Er bezeichnet die Arbeiten als zügig und zielgerichtet. Man liege sehr gut im Zeitplan, bestätigt Breitbandkoordinator Michael Kleine die Einschätzung.

Die Arbeiter der Uhlstädter Tief- und Fernmeldebau GmbH, dem bauausführenden Unternehmen, haben alle Hände voll zu tun. Auf etwa 1,4 Kilometer der 2,5 Kilometer langen Zufahrtsstraße zur Portenschmiede liegen bereits die Leerohre. „Von oben nach unten wird geschachtet und die Rohre gelegt, durch die das eigentliche Datenkabel mit Druckluft geschossen wird“, weiß Frank Mahr.

Zum Teil werde noch unter der Straße gebohrt, genau wie in Wilhelmsdorf. Im Straßengraben in Richtung Ranis liegen sieben bunte Rohre und ungefähr alle 700 Meter werden Schächte gegraben. Durch die Erde wird auf die Länge das Leerrohr mit Druckluft „geschossen“. Anschließend werden mit drei bis vier Bar die Datenkabel durch die Rohre gepresst. „Sie schweben auf einem Luftpolster“, sagt Frank Mahr.

Ein bisschen seltsam mutet das Aussparen des Raniser Ortsteils Heroldshof an. Die Kabel führen daran vorbei, aber angeschlossen werden die Bewohner nicht. Das vorhandene Kupferkabel muss wohl ausreichen.

Kurz und knapp: Trenching

Das sogenannte Trenching beschreibt ein Verfahren zur Verlegung von Leerrohren für Glasfaser­leitungen.

Dabei werden schmale Gräben und Schlitze in ­Böden und Asphalt gefräst.

Die Methode beansprucht wenig Platz und ermöglicht eine schnelle Fertigstellung von Leerohr- und Glasfasertrassen.

Es gibt drei verschiedene Trenchingverfahren: Micro-, Mini- und Macro. Sie unterscheiden sich in Tiefe und Breite der Fugen sowie in der verwendeten Frästechnik.

Neben asphaltierten Oberflächen können auch andere Böden bei einer Breite bis 60 Zentimeter und einer Tiefe bis zu zwei Meter bearbeitet werden.

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