„Gans schön beliebt“ sind die Tiere aus Oettersdorf

Oettersdorf.  Im Landwirtschaftsbetrieb von Familie Hirsch in Oettersdorf werden Freilandgänse gezüchtet. Die landen als Braten zum Fest auf dem Tisch.

Gerald Hirsch mit den Freilandgänsen, die auf einer Weide an der Bundesstraße in Oettersdorf gehalten werden. 

Gerald Hirsch mit den Freilandgänsen, die auf einer Weide an der Bundesstraße in Oettersdorf gehalten werden. 

Foto: Theresa Wahl

Der Gänsebraten gehört immer noch zu den Klassikern, die zu Weihnachten auf den Tisch kommen. Das Angebot für das Federvieh ist groß. Ob im Supermarkt, beim Fleischer oder auf dem Biohof – in den Wochen vor dem Fest werden vielerorts Gänse verkauft. Wer nicht auf die polnische Hafermastgans aus dem Discounter zurückgreifen will, greift nicht selten auf den Bauern seines Vertrauens aus der Region zurück. Im Saale-Orla-Kreis ist eine Adresse für die Gans zum Weihnachtsfest der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Hirsch in Oettersdorf. Sie besitzt 180 Gänse.

Der gackernde Haufen wird auf einer Weide direkt an der Bundesstraße gehalten und ist daher gut aus den vorbeifahrenden Autos zu sehen. „Ich sage immer, die Gänse laufen selber Werbung für sich“, sagt Gerald Hirsch und lacht.

Der Landwirt ist zwar bereits Rentner und der von ihm gegründete Betrieb wird mittlerweile von den Kindern Petra und Paul geführt, aber nach wie vor packt Gerald Hirsch mit an und unterstützt seinen Nachwuchs bei der anfallenden Arbeit. So schaut er auch am Samstagvormittag nach den Gänsen, lässt die Tiere aus dem mobilen Stall, streut frisches Stroh ein und füttert sie.

Zufällig zur Gänsemast gekommen

Eher zufällig sei seine Familie vor elf Jahren zur Gänsemast gekommen, erinnert sich Gerald Hirsch. Enkelin und Tochter hätten damals bei einem fahrenden Geflügelzüchter Gänse und Enten gekauft. Stolz habe die Enkelin anschließend ihrem Opa von dem Kauf berichtet. „Ich habe dann nur gesagt: ‚Wegen zehn Gänsen und Enten willst du jeden Tag die Stalltür auf und zu schließen. Das lohnt sich doch gar nicht!“

Also habe man kurzerhand 50 weitere Tiere hinzugekauft und mit der Gänsemast begonnen. Bis heute ist Familie Hirsch, die hauptsächlich Ackerbau betreibt, dabei geblieben. „Es ist mit viel Arbeit verbunden, aber ein Zubrot für unseren Betrieb. Reich werden wir damit allerdings nicht“, sagt Gerald Hirsch.

Im Sommer werden die Tiere geholt, die dann bis zu Weihnachten gemästet werden. In der Vergangenheit habe man drei Wochen alte Gössel gekauft, im Juni dieses Jahres habe man erstmals Eintagsküken im sächsischen Wermsdorf geholt und diese aufgezogen. „Der Aufwand ist groß, weil die Küken erstmal in den Stall unter die Wärmelampe kommen“, so Gerald Hirsch.

Gefüttert werden die Gänse zunächst mit Fertigfutter in Form von Pellets, die aus Getreide und verschiedenen Mineralien bestehen. Sind die Küken sechs Wochen alt, wird das Futter zusätzlich mit Weizen und Hafer gemischt, später gibt es nur noch frisches Gras von der Weide und Hafer.

Das Schlachten dauert etwa fünf Tage

Das kurze Leben der Gänse nimmt vor Weihnachten ein Ende – bei einer Handvoll ist es bereits zum Martinstag im November soweit –, dann werden die Tiere geschlachtet. Die Zeit vor den Feiertagen bedeutet für Familie Hirsch daher noch einmal Stress.

Etwa fünf Tage dauert es, alle Gänse zu rupfen, die Innereien auszuputzen, zu wiegen und mit einem Zettel, auf dem Gewicht und Preis zu finden sind, zu versehen. „Im Schnitt bringen die Gänse beim Schlachten etwa fünf bis sechs Kilo auf die Waage“, so Gerald Hirsch.

Der Großteil der Tiere wird persönlich vorbestellt und im Landwirtschaftsbetrieb abgeholt. Einige werden aber auch an die Agrargenossenschaft verkauft, die diese dann in ihren Läden anbieten. Preislich liegen die Gänse der Familie Hirsch deutlich über dem, was im Supermarkt verlangt wird. Rund 13 Euro kostet das Kilo. „Das ist schon ein teures Essen. Viele wollen aber eine Gans, bei der sie wissen, wo sie herkommt, die sie mal auf der Weide gesehen haben und nicht eine Mastgans irgendwo aus Osteuropa“, weiß Gerald Hirsch.

Die Freilandhaltung und gutes Futter schlage sich im Geschmack nieder, wofür die Leute auch bereit seien zu zahlen. Über mangelnde Nachfrage könne man sich jedenfalls nicht beschweren. Die ersten Bestellungen für dieses Jahr seien schon eingegangen, noch könne man aber eine Gans für das Weihnachtsfest sichern.