In Triptis rockt's derzeit nicht

Serie Klingendes Orlatal: Die ACDC Bar im Wandel der Zeit

Scott Seebacher wartet sehnsüchtig darauf, die ACDC Bar in Triptis wieder mit Leben erfüllen zu dürfen.

Scott Seebacher wartet sehnsüchtig darauf, die ACDC Bar in Triptis wieder mit Leben erfüllen zu dürfen.

Foto: Marcus Cislak

Triptis. „Wir sitzen auf heißen Kohlen, die Bands sitzen auf heißen Kohlen“, sagt Scott Seebacher aus Triptis. Der 26-Jährige bucht seit 2011 Musikgruppen für die ACDC-Bar in Triptis, welche auf dem elterlichen Hof steht. Die Familie eröffnete 2010 erstmals zur damaligen Fußballweltmeisterschaft die Bar für die Öffentlichkeit und präsentierte seither Live-Musik, Festveranstaltungen und Skatabende, zwei zweitägige Festivals und etliche andere spaßige Events – zumindest bis Corona zuschlug. Jetzt ist's erst mal Essig mit der guten Laune für Freunde der gepflegten Unterhaltung.

Familie Seebacher sorgt sich, nicht zu Unrecht, um ihre Einkünfte, denn sie bestreitet neben der hauseigenen Blumenzucht und -anlieferung natürlich noch die Bar. Man lebt zum Teil von Ersparnissen und hofft, dass die Krise bald halbwegs überwunden ist. Denn getreu dem Motto und dem Lied der legendären Rockband Queen „The show must go on“, zu deutsch die Show muss weiter gehen, stecken sie nicht den Kopf in den Sand. Sie warten nur darauf, dass bald wieder Veranstaltungen mit etwa 50 Personen möglich sind. „Denn die Hoffnung stirbt zuletzt“, sieht es Scott Seebacher pragmatisch. Er ist, genau wie seine Eltern, Musikfan durch und durch. „Hauptsache kein Schlager“, wie es Mutter Birgit augenzwinkernd auf den Punkt bringt.

Mal Rock, auch mal Country, manchmal Rap oder Elektronisches, irgendwie haben schon viele Künstler auf der winzigen Bühne in der ehemaligen Scheune Platz gehabt. Hauptsache laut. Die positive Stimmung kommt von ganz alleine. Doch die Anfänge haben zunächst weniger mit Musik zu tun gehabt, als viel mehr mit einem weiteren Hobby der Familie: dem Fußball.

Die private, selbst ausgebaute Partyscheune mit Bar und Sitzgelegenheiten war für die gesellige Familie schon vor der eigentlichen Eröffnung ein Treffpunkt. „Ich habe vor zwölf Jahren meine Konfirmation hier gefeiert“, erinnert sich Scott an die wohl erste Party überhaupt in den umgewidmeten Räumlichkeiten. Ein Kumpel der Familie kannte natürlich auch Vater Michaels Leidenschaft für die bekannte Rock-Band AC/DC – nicht umsonst ist Sohn Scott nach dem legendären Sänger Bon Scott benannt – und schenkte ihm ein selbstgebautes Logo für die Eingangspforte. Und just war auch der Name für die Bar geboren. Schon bald wurde aus dem Privaten im Jahr 2010 Öffentliches.

Weil in Triptis keine Public-Viewing-Möglichkeit bestand, nahm man das zum Anlass, die Übertragung der Fußballweltmeisterschaft selbst auszurichten. Die Spiele flimmerten im heimischen Hof über die Leinwand und alle Interessierten – zuvorderst natürlich Familie Seebacher und Freunde – hatten jede Menge Spaß. Das sprach sich herum, so dass sich bald auch auf der neuen Bühne Musiker die Klinke in die Hand gaben. Geburtstagsfeten und andere Feierlichkeiten wie Maifeuer und Weihnachtstanz waren zudem fortan wöchentlich zu erleben. Auf der angrenzenden Wiese entstand sogar anno 2018 ein Musikfestival. Inklusive allem was zum zünftigen Partywochenende dazugehört, wie Zelten, Bierwagen und mehr. Das „Open Road Festival“ war geboren. Im März vergangenen Jahres war man schon mit ersten Planungen für die dritte Ausgabe befasst, als der erste Lockdown kam. „Wir hatten zum Glück noch keine Bands gebucht“, sagt Scott. Der finanzielle Schaden hielt sich also stark in Grenzen. Aber: „Wir waren schon bis Mitte 2021 mit Feierlichkeiten ausgebucht“, ergänzt Mutter Birgit seufzend. Das meiste war übers Jahr freilich nicht möglich.

„Das letzte Konzert, am 21. Februar, mit Schirneck und Keune war gleichzeitig auch das erfolgreichste. Wir waren komplett voll, erstmals ausverkauft“, so der 26-Jährige. Dann kam lange Zeit nicht mehr viel. Die erste öffentliche Party war an Halloween, die Leute hätten sich wieder mehr getraut zu kommen. Und dann war wieder Schluss. „Wer weiß, wann's weiter geht. Ich bekomme wöchentlich Anfragen von Bands. Die wollen zurück auf die Bretter, aber....“, sagt Scott ein wenig hilflos. „Aber es geht irgendwann weiter, es muss einfach.“