Denkmalschutz: Pößneck hofft auf Neugierige insbesondere aus dem Oberland

Pößneck/Schleiz/Bad Lobenstein  Seit 1994 ist im Durchschnitt jedes zweite Jahr ein Thüringer Denkmalschutzpreis in den Saale-Orla-Kreis gekommen.

Andreas Dreißel (links), der ehemalige Geschäftsführer der Stadtmarketing Pößneck GmbH, und Nils Leucht, sein Nachfolger, freuen sich über den Thüringer Denkmalschutzpreis 2020 für das Pößnecker Schützenhaus. Die entsprechende Plakette wurde direkt neben der Eingangstür des Kulturhauses angebracht.

Andreas Dreißel (links), der ehemalige Geschäftsführer der Stadtmarketing Pößneck GmbH, und Nils Leucht, sein Nachfolger, freuen sich über den Thüringer Denkmalschutzpreis 2020 für das Pößnecker Schützenhaus. Die entsprechende Plakette wurde direkt neben der Eingangstür des Kulturhauses angebracht.

Foto: Marius Koity

Vor einem knappen Monat wurde der kommunalen Stadtmarketing Pößneck GmbH einer der Thüringer Denkmalschutzpreise 2020 für die Sanierung des Pößnecker Schützenhauses verliehen – wir berichteten seinerzeit. Die erfolgreichen Bemühungen um die Wiederbelebung der Kulturstätte wurden mit einer undotierten Anerkennung für besondere Leistungen kommunaler Körperschaften auf dem Gebiet der Denkmalpflege gewürdigt.

Wie viele solcher Auszeichnungen sind eigentlich im Laufe der Zeit in die Region gekommen? "Der Thüringer Denkmalschutzpreis wird seit 1994 in mehreren Kategorien vergeben und nunmehr haben wir insgesamt dreizehn Preisträger aus dem Saale-Orla-Kreis", antwortete Kreisdenkmalschützerin Sabine Berner auf Anfrage. Im Durchschnitt hat die Region also jedes zweite Jahr eine solche Würdigung erreicht. Tatsächlich zählte der Saale-Orla-Kreis 2004 zwei und 2017 sogar drei Preisträger.

Der Reigen wurde 1995 von Neustadt eröffnet

Die Auszeichnung des Freistaates und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ging zehnmal ins Orlatal und dreimal ins Oberland, und zwar wie folgt:

1995 – Stadt Neustadt – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Rettung des Lutherhauses vor dem Verfall;

1998 – Burgverein Weisbach – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Archäologische Denkmalpflege für die Bemühungen um die Burgruine Wysburg;

2004 – Rita und Wilfried Hüttinger – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Einzeldenkmal für die Sanierung der Villa Zoeth in Pößneck;

2004 – Kristin und Stefan Schwarzer – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Einzeldenkmal für die Rettung des Rittergutes Positz vor dem Verfall;

2005 – Freundeskreis Kirche Sparnberg – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Gruppe für die Sanierung des Gotteshauses in Sparnberg;

2006 – Eva-Maria und Wulf Bennert – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Einzeldenkmal für die Sanierung des Schlosses Nimritz;

2007 – Stadt Pößneck – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Sanierung der Bilke und Umnutzung zur Stadtbibliothek;

2013 – Landratsamt des Saale-Orla-Kreises – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Sanierung der Grundschule Im Park Ebersdorf;

2014 – Gemeinde Krölpa – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Sanierung und Umsetzung des Nutzungskonzeptes Kulturort Schloss Krölpa;

2017 – Kerstin und Karsten Steinbach – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Einzeldenkmal für die Sanierung das Bauernhofes Zwackau Nr. 2 in der Gemeinde Rosendorf;

2017 – Stadt Pößneck – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Sanierung und Umnutzung des Gebäudekomplexes Klosterplatz 2 bis 6 zum Stadtmuseum;

2017 – Frank Rüdiger, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger aus Wernburg – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Archäologische Denkmalpflege;

2020 – Stadtmarketing Pößneck GmbH – Denkmalschutzpreis in der Kategorie Anerkennung für die Sanierung des Schützenhauses.

"Bisher ist nur ein Bewerber aus dem Saale-Orla-Kreis kein Preisträger geworden", ergänzt Sabine Berner. Ende der 1990er hatte das damalige Architekturbüro Raffelt & Thiele für das CJD die Sanierung des Schlosses Oppurg für den Denkmalschutzpreis vorgeschlagen, es hatte aber nicht geklappt. Die Arbeit von Architekt Martin Raffelt (1959-2017) wurde ein paar Jahre später am Beispiel der Bilke gewürdigt.

Kein Ort im Saale-Orla-Kreis ist so oft wie Pößneck gewürdigt worden

Auffällig ist, dass vier der dreizehn Denkmalschutzpreise für den Saale-Orla-Kreis an Pößnecker Projekte gingen, drei davon an kommunale Initiativen. Kein weiterer Ort der Region ist mehrfacher Denkmalschutzpreisträger.

Ein Preis in der Kategorie Anerkennung ist nicht etwa ein Trostpreis, wie Sabine Berner zu verstehen gibt. Vielmehr erhalten Gemeinden, Städte und Landkreise sowie ihre nachgeordneten Einrichtungen grundsätzlich nur einen undotierten Denkmalschutzpreis.

Dieser wurde 2020 coronabedingt per Post verliehen und die Plakette für das Pößnecker Schützenhaus nahm Stadtmarketing-Geschäftsführer Nils Leucht entgegen. Die Bewerbung hatte Anfang des vergangenen Jahres noch sein Vorgänger Andreas Dreißel eingereicht.

"Unser Motto war `Tue Gutes und rede darüber`", blickt Dreißel zurück. "Wir waren der Meinung, dass wir etwas Besonderes geschaffen haben, und sind dann auch sehr wohlwollend vom Landratsamt begleitet worden."

Landratsamt stellt "gelungenes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements" fest

So stellte die Untere Denkmalschutzbehörde der Schleizer Kreisverwaltung in einer Stellungnahme am 10. Februar 2020 fest, dass die Rettung des Schützenhaus und die 2017 erfolgte Wiederbelebung nach einer wechselvollen Geschichte "ein gelungenes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements" sei. "Der achtsame Umgang mit historischen Befunden während der Bauphase und die umfassende Bürgerbeteiligung an den Entscheidungsprozessen der Stadt für dieses Haus ist beispielgebend für […] ein Kulturdenkmal dieser Größe", heißt es unter anderem in der von Landrat Thomas Fügmann (CDU) unterschriebenen Empfehlung.

Als sich die Nachricht über die Auszeichnung am 8. Dezember verbreitete, sei die Überraschung trotzdem groß gewesen. "Ich freue mich echt darüber", sagt Dreißel. "Es ist eine schöne Würdigung der vielen Arbeit, die viele Menschen und die Stadt Pößneck geleistet haben."

Die knapp sechs Millionen Euro teure und rund vierjährige Schützenhaus-Sanierung sei ein Projekt gewesen, das ihm beruflich großen Spaß gemacht habe, so Dreißel. In seiner Zeit als Stadtmarketing-Geschäftsführer sei es im vergönnt gewesen, mit dem Neubau des Stadtbades und der Wiederbelebung des Schützenhauses zwei herausragende Projekte in Pößneck zu begleiten – "was will man mehr", sagt der heutige MDR-Fernsehreporter.

Ein Schützenhaus wird mit einem so tollen Objekt meist nicht in Verbindung gebracht

"Über den Denkmalschutzpreis für unser Schützenhaus haben sich viele Leute gefreut", resümiert Leucht die vergangenen Wochen. "Die meisten Auswärtigen bringen ein Schützenhaus nicht mit einem so tollen Objekt, wie wir es haben, in Verbindung, und so versprechen wir uns von der Auszeichnung weitere positive Effekte. Ich hoffe insbesondere, dass jetzt die Neugier der Menschen aus dem Oberland des Saale-Orla-Kreises geweckt ist und dass diese künftig mal auf einer unserer Veranstaltungen vorbeischauen."

Wann der Betrieb im Schützenhaus wieder aufgenommen werden kann, ist derzeit allerdings völlig offen. Das Veranstaltungsjahr 2021 sollte eigentlich heute, am 3. Januar, mit dem Neujahrskonzert der Stadt Pößneck eingeläutet werden.