Corona behindert Suche nach Kamsdorfer Kamikaze-Fahrer

Rudolstadt.  Gerichtsbericht: Auch im zweiten Anlauf ist die Beweisaufnahme vorm Rudolstädter Jugendrichter noch nicht abgeschlossen.

Mit bis zu 90 Stundenkilometern türmte im August 2019 ein Mopedfahrer vor der Polizei.

Mit bis zu 90 Stundenkilometern türmte im August 2019 ein Mopedfahrer vor der Polizei.

Foto: Jens König

Hat Louis L.*, der 19-jährige Unterwellenborner vor gut einem Jahr auf dem frisierten Moped gesessen, das eine Streifenwagenbesatzung vom Goßwitzer Sportplatz nach Kamsdorf, Unterwellenborn und zurück verfolgte, ohne den Fahrer letztlich einzuholen und zu identifizieren? Diese Frage stand am Donnerstag erneut im Raum, als Jugendrichter Andreas Spahn am Amtsgericht in Rudolstadt die Verhandlung fortsetzte.

Sie hätte schon im ersten Anlauf zu Ende sein können, doch Paul P.*, der das nicht für den Straßenverkehr zugelassene Moped kurz zuvor an Louis L. verkauft hatte, änderte seine ursprünglich zweifach vor der Polizei gemachte sehr konkrete Aussage. Hatte er in den beiden Vernehmungen noch von einem Telefonat berichtet, in dem L. davon erzählt haben soll, dass er bei einer Fahrt von der Polizei verfolgt wurde, konnte er sich als Zeuge vor Gericht auch auf hartnäckige Nachfrage der Staatsanwältin nicht konkret genug daran erinnern.

Wegen der unsicheren Beweislage hatte Richter Spahn die Vernehmung der beiden Polizeibeamten angeordnet, die ihn wenige Tage nach dem Vorfall und noch einmal im Herbst vernommen hatten. Derjenige Beamte, der die zweite Vernehmung durchgeführt hatte, erinnerte sich, dass Paul P.s konkrete Aussagen damals durchaus glaubwürdig gewirkt hätten. Der andere Polizeibeamte konnte nicht vernommen werden, weil ausgerechnet er in eine Covid-19-Infektion im Zusammenhang mit den Fällen am Jenaer Sportgymnasium involviert ist, ein Risiko, das Richter Spahn dann doch nicht eingehen wollte. Das Gericht vertagte sich daher auf Mitte Oktober.

Der Fahrer des Mopeds hatte im August 2019, nachdem er der Polizei gewahr wurde, die Flucht ergriffen, mit bis zu Tempo 90 zwei rote Ampeln überfahren, auf einem Gehweg eine Fußgängerin gefährdet, war drei Mal mit dem Streifenwagen kollidiert und schließlich doch zunächst unerkannt geflüchtet.