Saalfeld-Rudolstadt führt Liste der Corona-Hotspots an

Der Kreis Saalfeld-Rudolstadt hat traurige Berühmtheit erlangt. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 595,9 ist die höchste in Deutschland

Corona Covid 19 Symbolfoto

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Foto: Dirk Bernkopf / dib

Saalfeld. Auf diesen Rekord hätte man in Saalfeld-Rudolstadt gerne verzichtet: Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 595,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ist der Südostthüringer Landkreis am Dienstag einsamer Spitzenreiter in Deutschland. Außerdem stieg die Zahl der Coronatoten binnen 24 Stunden um weitere vier auf nunmehr 93. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) in Berlin meldete das Gesundheitsamt des Kreises abermals 140 Neuinfektionen mit dem Virus Sars-CoV-2, mit dem seit März inzwischen mehr als 3000 Einwohner des Landkreises Bekanntschaft gemacht haben. Auf die vergangenen sieben Tage entfallen davon 615 Neuinfektionen, was die Rekordinzidenz ergibt. Auf Platz zwei in der Liste des RKI folgt mit Hildburghausen einer der Nachbarkreise von Saalfeld-Rudolstadt. Höher als 500 ist die Inzidenz sonst nur noch in zwei sächsischen Landkreisen. Von den 93 Menschen, die innerhalb von gut zwei Monaten an oder mit Corona verstarben, sind 66 älter als 80. In die Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen fallen acht Frauen und 15 Männer, jünger als 60 sind vier der Verstorbenen.
"Der schnelle, hohe Anstieg ist nach wie vor durch die Aufarbeitung der Testergebnisse zu erklären. Noch immer gibt es einen Rückstand von mehr als 100 Fällen durch das sehr hohe Fallaufkommen der vergangenen Tage. Dennoch zeichnet sich ab, dass die Gegenmaßnahmen Wirkung zeigen. Aktuell treffen im Gesundheitsamt täglich rund 30 neue positive Testergebnisse von den Laboren ein. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den Zahlen vor und unmittelbar nach den Feiertagen", so die Reaktion aus dem Landratsamt zum Sachverhalt.
Entsprechend hat der Krisenstab des Landratsamtes am Dienstag entschieden, keine verschärfenden Maßnahmen für den Landkreis zu erlassen. Die Beschränkung der Bewegungsfreiheit auf zum Beispiel einen 15-Kilometer-Radius ist in einem großen Landkreis flächendeckend kaum durchzusetzen, zumal viele Fahrten aus triftigen Gründen wie zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Kinderbetreuung weiter möglich sind. Schließlich ist es fraglich, ob von Familien, die im Familienverband an der frischen Luft unterwegs sind, das Infektionsgeschehen negativ beeinflusst wird. „Wir laufen Gefahr, dass durch solch einschneidende Maßnahmen die Akzeptanz gerade bei denen verloren geht, die sich bis jetzt an die Vorschriften gehalten haben“, wirbt Landrat Marko Wolfram um Verständnis.

Die aktuellen Beschränkungen, insbesondere die seit Sonntag geltende verschärfte Kontaktbeschränkung, werden als das geeignetere Mittel angesehen. Diese werden konsequent durch das Gesundheitsamt kontrolliert und sanktioniert. „Darüber hinaus können wir nur an die Disziplin und Eigenverantwortung jedes und jeder einzelnen appellieren“, so der Landrat. „Sehr wichtig ist, dass jetzt das Impfen in den Pflegeheimen beginnt. Hier leben die besonders gefährdeten Personen und ein schneller Schutz ist dringend notwendig.“ H.E.