Mittelalter-Rockband In Extremo begeistert 2000 Fans

Mittelalter-Rockband begeistert rund 2000 Fans, obwohl kurz der Strom ausfiel. Viele hoffen auf ein Wiedersehen vor Ort.

In Extremo sind eine der erfolgreichsten deutschen Mittelalter-Rockbands.

In Extremo sind eine der erfolgreichsten deutschen Mittelalter-Rockbands.

Foto: Theresa Wahl

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ranis. „Ein In Extremo, der wird niemals knien“ heißt es im Liedtext vom Sängerkrieg, mit dem die Mittelalter-Rockband In Extremo am Freitag ihr Konzert im Rahmen der diesjährigen Burgentour auf der Burg Ranis eröffnete. Dass die sieben Mannen dieses Durchhaltevermögen gleich zu Beginn des Abends unter Beweis stellen müssen, hätten sie sicher nicht gedacht.

Denn gerade begonnen, wurde das Konzert jäh unterbrochen – der Strom war weg. Die rund 2000 Fans, die eine Karte für das seit Monaten ausverkaufte Konzert ergattern konnten, nahmen es gelassen hin und quittierten die Unterbrechung mit Zugabe-Rufen.

Marco Zorzytzky alias „Flex der Biegsame“, Dudelsackspieler der Band, stimmte ein Liedchen zur Überbrückung an, in das Schlagzeuger Florian Speckhardt, genannt „Specki T. D.“, gleich mit einstieg. Nach dem ­gelungenen Zwischenspiel war der Strom wieder da.

„Wollt ihr Sängerkrieg noch mal hören“, fragte Sänger ­Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein das Publikum, das eine eindeutige Antwort gab. Doch auch der zweite Versuch sollte scheitern. Exakt an der selben Stelle des Liedes verabschiedete sich der Strom erneut.

Dieses Mal dauerte die Unterbrechung länger, auch der Hausmeister der Burg Ranis, Jens Herwig, eilte hinter die Bühne, um zu helfen. Das Problem konnte zwar auch er nicht ausmachen, aber nach einiger Zeit war wieder Saft auf der Leitung. „Wir hoffen, wir kommen eine Strophe weiter. Vielleicht hat jemand in Ranis ein Kabel gekappt“, scherzte der Sänger, bevor der dritte und endlich erfolgreiche Anlauf gestartet wurde.

Der Stimmung taten die anfänglichen Probleme jedenfalls keinen Abbruch. Die Fans feierten mit In Extremo, klatschten, sangen und tanzten durch den Abend. Rund zwei Stunden spielte die Gruppe. Die insgesamt 22 Lieder waren ein Querschnitt durch viele Alben ihrer mittlerweile fast 25-jährigen Laufbahn. Aus früheren Tagen gab es unter anderem „Vollmond“, „Rotes Haar“, „Merseburger Zaubersprüche II“ und „Herr Mannelig“ auf die Ohren. Lieder neueren Datums wurden mit „Gaukler“, „Störtebeker“, „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ gespielt. Umrahmt wurde das ganze durch eine spekta­kuläre Pyroshow – mehrfach schossen Feuersäulen und -werk von der Bühne in die Höhe und ließen den Himmel über Ranis erleuchten.

Obendrauf gab es nette Anekdoten des im thüringischen Leinefelde aufgewachsenen Sängers, die daran erinnerten, dass es für Teile der Band nicht das erste Gastspiel im Orlatal war. So erzählte „Das letzte Einhorn“, dass er bereits 1992 – noch vor Gründung von In Extremo – auf Burg Ranis gespielt habe. Der Auftritt blieb ihm in Erinnerung, weil er die Heimreise mit einem Zahn weniger angetreten hatte. Die Antwort, unter welchen Umständen es zu diesem Verlust gekommen war, blieb der Sänger dem Publikum allerdings schuldig. Und auch an ein Gastspiel in der Nachbarstadt erinnerte er. „Kennt ihr Pößneck? Pößneck-Schlettwein? Da war so ein alter Rock-Blues-Schuppen, in dem der Kellner mit einem Tablett durch die Menge ging und jeder nahm sich sein Bier runter. Das müsste es wieder geben!“, befand der Sänger und war mit dieser ­Meinung speziell an diesem Abend nicht alleine. Denn Getränke- und Essensversorgung wurden zur Geduldsprobe. Zum Teil warteten die Besucher eine Stunde, bis sie Bier, Wasser, Wein und Co. in der Hand ­halten konnten.

Blieb die Kehle bei manchem trocken, wurde es zum Ende des Konzerts dafür von oben ordentlich nass. Doch auch der Regenguss konnte die Feierstimmung nicht kippen. Als „Das letzte Einhorn“ nach der zweiten Zugabe fragte, ob die Band aufhören soll zu spielen, verneinten die Fans das eindeutig und forderten weitere Lieder, die sie auch bekommen sollten.

Bevor das Konzert jedoch zu Ende ging, stellte das Publikum noch einmal eindrucksvoll seine Sangeskünste unter Beweis, gab bei „Sternhagelvoll“ a capella minutenlang die Textzeilen des Refrains wieder. Der Sänger würdigte das – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – mit: ­„Ranis, ihr seid großartig!“ und stimmte mit „Pikse Palve“ das letzte Lied des Konzerts an.

Das erste Gastspiel von In Extremo auf Burg Ranis, bei dem es auch die kroatische Band Manntra zu sehen und zu hören gab, lockte Fans aus der näheren Umgebung ebenso wie welche von weiter weg, etwa aus Sachsen, in die Burgstadt. Bereits am Nachmittag hatte sich Mario Raabe aus Gössitz auf den Weg gemacht. Die frühe Anreise sollte sich lohnen, konnte er sich so bereits vor dem Konzert ein Foto und Autogramm vom „Letzten Einhorn“ sichern. „Ich habe In Extremo diverse Male in Wacken gesehen. Heute kommt Wacken nach Ranis“, blickte er freudig dem Abend entgegen. Michael Ebeling aus Leubnitz zeigte sich nach dem Konzert begeistert. „Mir hat es sehr gut gefallen. Ich war das erste Mal bei In Extremo, es wird aber nicht das letzte Mal bleiben“, stand für ihn fest. „Super, mega, geil!“, bejubelte auch Josefine Gärtner den Auftritt, für den sie mit Freunden aus Großkochberg gekommen war. Die Gruppe, ebenso wie viele andere Besucher, hoffen, dass es nicht bei diesem einen Konzert von In Extremo auf Burg Ranis bleibt – nicht zuletzt, weil es da noch die Geschichte mit dem verlorenen Zahn zu klären gilt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.