Alleen im Altenburger Land genießen nun gesetzlichen Schutz

Schmölln.  Fachdienst Natur- und Umweltschutz des Landkreises Altenburger Land beginnt Alleen zu erfassen und zu kartieren

Birgit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz und Jens Lindner, Sachbearbeiter Naturschutzbehörde, erklären die Lindenallee in Löbichau.

Birgit Seiler, Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz und Jens Lindner, Sachbearbeiter Naturschutzbehörde, erklären die Lindenallee in Löbichau.

Foto: Tina Puff

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Alleen sind seit dem vergangenen Jahr im Freistaat Thüringen mit dem Erlass des neuen Thüringer Naturschutzgesetzes gesetzlich geschützt. Das gilt sowohl für Alleen an öffentlichen als auch an privaten Verkehrsflächen und an Feldwegen. Dabei handelt es sich um Straßen oder Wege, die beidseitig von gleichförmig verlaufenden Baumreihen begrenzt werden. Die Bäume stehen in gleichmäßigem Abstand und sind meist gleichen Alters. Im Landkreis Altenburger Land gibt es kaum noch solche Prachtstraßen.

Nur noch 88 Kilometer vorhanden

In den letzten Jahrzehnten mussten die Alleen vor allem den Bedürfnissen der Autofahrer weichen. Straßen wurden verbreitert, Bäume gefällt. Sie galten als Verkehrshindernis und es stand stets die Frage der Sicherungspflicht im Raum. Im gesamten Landkreis Altenburger Land gibt es nur noch etwa 88 Kilometer Allee, lässt Birgit Seiler wissen. Als Beispiele nennt sie die 1,5 Kilometer lange Lindenallee in Löbichau, bestehend aus 300 Winterlinden, die 820 Meter lange Obstbaumallee in Zschernitzsch und die über zehn Jahre alte Ginkgobaum-Allee, initiiert vom Altbürgermeister der Stadt Schmölln, Herbert Köhler. Alle sind noch vergleichsweise geringen Alters. Jene in Löbichau wurde beispielsweise 2008 kurz vor der Bundesgartenschau angelegt.

Für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ist es unausweichlich, den Bestand geschützter Alleen zu erfassen und nachhaltig zu kartieren. „Zunächst einmal haben wir Luftbildaufnahmen gesichtet, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen“, erklärt Birgit Seiler. „Und jetzt müssen wir vor Ort feststellen, ob es sich um gesetzlich zu schützende Bestände handelt oder nicht. Auch für Hinweise sind wir dankbar.“ Für die Kartierung wird das Amt eine besondere Software zur Baumdokumentation nutzen, erklärt Seiler. Mit dieser können etwa der genaue Standpunkt sowie die Ausmaße des Baumes schnell und einfach festgehalten werden.

Vorschriften zum künftigen Umgang

„Künftig können nicht mehr einfach Bäume aus Alleen entnommen werden, wie zum Beispiel für eventuelle Ein- oder Zufahrten“, sagt Seiler. Es müsse nach Alternativen geschaut werden. Auch Schnittmaßnahmen sind künftig nur noch in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde zulässig. Muss ein Baum aus dem Alleenbestand genommen werden, dann ist eine entsprechende Ersatzpflanzung nötig. Birgit Seiler findet das neue Gesetz gut. Als Ostseefreundin kennt sie die kilometerlangen Alleen in Mecklenburg-Vorpommern. „Die sind ein echter Hingucker“, sagt sie.

Alleen sind Prachtstraßen, die meist eine lange Kulturgeschichte besitzen. Einst waren sie beliebte Mittel im Wege- beziehungsweise Straßenbau. Dienten als natürliche Begrenzung des Weges. Boten den Reisenden Schatten aber auch Schutz vor Regen und Wind. Kultivierte Obstbaumalleen dienten der Bevölkerung als Nahrung, als Wegzehrung. Im Winter dienten die Stämme als Orientierungshilfe und Wegfindung. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch zahlreiche. Das Bundesland hat es geschafft, diese zu erhalten.

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