Hermsdorf: Vom Hauptschüler zu Thüringens bestem Azubi in seinem Fach

Hermsdorf/Eisenberg.  „Wir sind sehr stolz auf ihn“, sagt Rainer Wehnemann, Logistikleiter in der R.M. Stahlhandel GmbH in Hermsdorf

Thomas Weigand (31) aus Eisenberg.

Thomas Weigand (31) aus Eisenberg.

Foto: Ute Flamich

Thomas Weigand aus Eisenberg hat es vom Hauptschüler zum Landesbesten geschafft. Heute wird dem 31-Jährigen in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen zu Gera sein Zeugnis überreicht. Das Dokument offenbart nicht nur sehr gute Leistungen, sondern zeigt auch im Vergleich: Thomas Weigand ist der beste Auszubildende unter 221 Fachkräften für Lagerlogistik, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfung in Thüringen abgelegt haben. Das bestätigt Evelin Barth, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der IHK.

„Wir sind sehr stolz auf ihn“, sagt Rainer Wehnemann, Logistikleiter in der R.M. Stahlhandel GmbH in Hermsdorf. In der Firma stieg Weigand mit 28 Jahren als Lehrling ein – als erster Azubi seines Lehrmeisters Andreas Junghans und als erster Auszubildender am Standort überhaupt. „Er wollte alles wissen und lernen. Mit Begeisterung hat er die Lehre absolviert und dafür keine Zeit und Mühen gescheut. Als Anerkennung für seinen tollen Abschluss bekommt er auch eine Sonderzahlung“, sagt Wehnemann.

Fester Arbeitsplatz seit 1. August 2020

Mit Ausbildungsende folgte für den Eisenberger ein nahtloser Übergang in ein festes Arbeitsverhältnis im Unternehmen. Das beliefert Kunden in metallverarbeitenden Industrien wie dem Stahlbau, Metallbau, Schlossereien oder dem Maschinenbau. Das moderne Logistik-Zentrum in Hermsdorf verfügt unter anderem über einen umfangreichen Fuhrpark mit verschiedenen Lkw-Klassen und ein zirka 4000 Quadratmeter großes Lager inklusive eines Hochregallagers mit funkferngesteuerten Magnetkränen. Im kaufmännischen Bereich sind 14 Mitarbeiter tätig, im Lager 28. Der landesbeste Lagerlogistiker Thomas Weigand ist derzeit als Staplerfahrer im Edelstahlbereich eingesetzt.

Dass er dort gelandet ist, hat mit Ehrgeiz, Disziplin und wohl auch einer gehörigen Portion Glück zu tun. Denn der Start ins Berufsleben gestaltete sich für den Eisenberger alles andere als einfach. Sein qualifizierter Hauptschulabschluss sei schlecht gewesen, die Chancen auf einen Ausbildungsplatz standen alles andere als gut. „Bis ich 18 war, habe ich mich erfolglos beworben. Dann habe ich die Suche nach einer Lehrstelle abgebrochen und bin als Leiharbeiter auf Montage gegangen.“

Ausbildung zum Sozialhelfer abgebrochen

2007 wagte er etwas Neues und begann in Gera eine schulische Ausbildung zum Sozialhelfer. Aus finanziellen Gründen habe er die Lehre knapp eineinhalb Jahre später abgebrochen. Wieder war er zunächst arbeitslos, dann mangels anderer Optionen erneut als Leiharbeiter für verschiedene Firmen tätig. „Zufriedengestellt hat mich das nicht. Als Leiharbeiter hat man keine Konstante im Leben. Ich wurde mehrmals gekündigt, einfach, weil gerade keine Arbeit da war. Man kann sich nirgendwo wirklich einleben. Für mich fühlte es sich auch so an, nichts vom Leben zu haben. Finanziell hat es sich zudem nicht gelohnt.“

Den Entschluss, etwas zu ändern, fasste Thomas Weigand 2011 nach einem Autounfall. Als ihm das Arbeitsamt anbot, den Realschulabschluss nachholen zu können, nutze er diese Chance. Von 2013 bis 2014 ging er zur Abendschule, die er mit gutem Ergebnis abschloss. Aber auch mit dem vorzeigbaren Zeugnis in der Tasche wollte es mit einem Ausbildungsplatz nicht klappen. Im holzverarbeitenden Gewerbe kam der Thüringer deshalb vorerst unter.

Im Herbst 2016 zog Thomas Weigand zurück nach Eisenberg. Zuletzt habe er in der Nähe von Meiningen gewohnt, wo ihn nach der Trennung von seiner Freundin nichts mehr hielt. „Außerdem ist meine Oma krank geworden. Mir war ganz wichtig, noch Zeit mit ihr verbringen zu können.“ Wiederum aber war Weigand damals ein Jahr lang ohne Arbeit. Erst durch den intensiven Kontakt zum Arbeitsamt sei für ihn die berufliche Wende geglückt. „Ich wollte unbedingt im Kfz-Gewerbe unterkommen“, sagt der 31-Jährige. Es sei ihm schwer gefallen, davon abzukommen und nach anderen Möglichkeiten zu schauen. Dabei habe ihm das Arbeitsamt geholfen und ihn unter anderem auf den Beruf als Fachkraft für Lagerlogistik aufmerksam gemacht. „Darauf habe ich mich aber als letztes eingelassen. Erst als ich gar keine anderen Optionen mehr hatte, habe ich mich beim Stahlhandel in Hermsdorf beworben.“

Dank an Mitarbeiter in der Firma, die ihn immer unterstützt haben

Das Vorstellungsgespräch Mitte August 2017 sei dann gut gelaufen und eine dreitägige Probearbeit wurde vereinbart. „Mir hat die Arbeit ziemlich schnell gefallen und ich empfand die Kollegen als angenehm. So habe ich gleich am 1. September mit der Ausbildung begonnen.“

Dass er es nun zur landesbesten Fachkraft für Lagerlogistik geschafft hat – dazu noch in Corona-Zeiten und mit veränderten Prüfungsterminen –, erfülle ihn mit Stolz. „Einen großen Anteil daran haben vor allem mein Ausbilder Andreas Junghans, Schichtleiter Maik Kühne, der Hochregalbeauftragte Stefan Riedel, Mario Teller und Christian Diedrich an der Säge sowie Disponent Enrico Uebel. Ihnen allen gilt mein besonderer Dank.“

Thomas Weigand hat eines seiner großen Ziele erreicht, nämlich in einem soliden und sicheren Arbeitsverhältnis zu stehen. „Allerdings sehe ich für mich noch Steigerungspotenzial“, sagt er mit einem Schmunzeln und ergänzt: „Diesbezüglich wird die Firma für mich erster Ansprechpartner sein.“