Gasversorgung

Wegen Nord Stream 1: Steigen die Gaspreise noch weiter?

Martin Nefzger
| Lesedauer: 3 Minuten
Blackout: Das sollte man im Ernstfall zu Hause haben

Blackout: Das sollte man im Ernstfall zu Hause haben

Seit Beginn der Energiekrise wird über einen Blackout spekuliert. Verbraucher können sich aber auf den Ernstfall vorbereiten.

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Berlin.  Wie kann ich billig Heizöl kaufen? Das fragen sich aktuell viele Menschen. Was hilft: häufige Fehler vermeiden, die den Preis erhöhen.

Seit Monaten kämpfen die Menschen in Deutschland und ganz Europa mit den Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Viele spüren vor allem bei den Energiepreisen, dass sich etwas grundlegend verändert hat. Besonders betroffen sind alle, die mit Gas heizen. Denn der Energieträger wurde lange zum Großteil aus Russland importiert. Seitdem der Konflikt mit dem Land eskaliert ist, sind die Preise explodiert. Und nun könnten bei den Gaspreisen weitere Probleme drohen.

Steigen die Gaspreise noch weiter?

Der Grund: In den beiden Ostsee-Pipelines Nordstream 1 und 2 wurden zuletzt Druckabfälle registriert. Inzwischen ist klar, dass drei der insgesamt vier Pipeline-Stränge beschädigt wurden. In ihnen sollen sich so große Löcher befinden, dass eine Nutzung für Gaslieferungen aktuell nicht möglich ist. Lesen Sie dazu: Nord Stream – Druckabfall und Lecks durch Anschläge?

Bei Nord Stream 2 ist das zunächst weniger problematisch. Denn die Pipeline war wegen des Konflikts mit Russland nur einmal mit Gas gefüllt und danach nicht weiter genutzt worden. Bei Nord Stream 1 ist die Lage anders: Noch im August flossen laut Bundesnetzagentur täglich über 350 Gigawattstunden Gas aus Russland über die Pipeline nach Deutschland.

Probleme mit Nord Stream 1 treibt Gaspreise nach oben

Doch schon seit Ende August liegt auch Nord Stream 1 still. Wie schon im Juli hat Russland die Gaslieferung durch die Pipeline eingestellt – zunächst wegen angeblicher Wartungsarbeiten. Im Westen gab es aber früh Vermutungen, dass Russland durch diesen Schritt Druck auf Deutschland und Europa ausüben will. Inzwischen heißt es auch aus der russischen Regierung, dass die Stilllegung von Nord Stream 1 durch das "unfreundliche Verhalten" der deutschen Bundesregierung begründet sei.

Auf die unmittelbare Gasmenge, die nach Deutschland geliefert wird, haben die Probleme an den beiden Ostsee-Pipelines also zunächst keine Auswirkungen. Die Gaspreise stiegen nach den Meldungen über die Beschädigungen aber trotzdem – laut "Handelsblatt" ging der Preis an der europäischen Strombörse EEX um 11,5 Prozent nach oben. Durch die Zwischenfälle scheinen Zweifel an der Sicherheit der europäischen Gasinfrastruktur aufzukommen.

Gaspreise: Steigen sie durch mögliche Sabotage?

Zu noch größeren Problemen könnte es kommen, wenn sich die Befürchtungen der Bundesregierung bewahrheiten. Wie auch andere Regierungen, etwa die polnische, sieht sie Anzeichen dafür, dass die Löcher an den Pipelines mit Absicht verursacht wurden. Vieles spreche für Sabotage, hieß es zuletzt aus Sicherheitskreisen. Nun sollen laut "Spiegel" auch die Sicherheitskonzepte anderer Anlagen überprüft werden.

Sollte es sich tatsächlich um bewusste Anschläge auf die deutsche und europäische Gasversorgung handeln, scheint nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft auch Zwischenfällen an anderen Pipelines oder zentralen Verteilstellen gibt. In diesem Fall könnte es zu einer weiteren Preissteigerung kommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de