Gesundheit

Krankenhausreform: Was sich für Patienten ändern soll

Philipp Luther
| Lesedauer: 4 Minuten
Krankenkassenbeiträge steigen 2023

Krankenkassenbeiträge steigen 2023

Neben der allgemeinen Verteuerung von Gütern, wird 2023 auch der Krankenkassenbeitrag teurer. Alles was Sie wissen müssen, zeigt das Video.

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Berlin.  Gesundheitsminister Lauterbach spricht von der größten Krankenhausreform der letzten 20 Jahre. Für Patienten wird sich einiges ändern.

Um die Finanzen vieler Krankenhäuser in Deutschland ist es schlecht bestellt. Etwa 60 Prozent der Einrichtungen rechnen für das vergangene Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten, die hohe Inflation und gestiegene Energiekosten machen die Situation nicht besser.

Strom, Lebensmittel und Medizinprodukte sind, wie so vieles andere auch, teurer geworden. Auf der anderen Seite können die Krankenhäuser aber nicht einfach die Preise für ihre Behandlungen anheben, wie die Bäckerin den Brotpreis.

In den Kliniken selbst ächzt das Personal unter der oft hohen Arbeitsbelastung. Der Pflegeberuf gilt, nicht nur wegen der Bezahlung, als unattraktiv. Zu viele Patienten kommen auf eine Pflegekraft, gerade an Wochenenden oder in Nachtdiensten, in denen ein Pfleger schon mal 20 Betten und mehr betreuen muss.

Hohe Kosten, Personalnotstand, viele unnötige Behandlungen: Die Bundesregierung strebt daher eine großangelegte Krankenhausreform an, hat dafür eine Kommission ins Leben gerufen. Sie besteht aus 17 Expertinnen und Experten aus Gesundheitswesen, Wirtschaft- und Rechtswissenschaften, die Vorschläge arbeiten, wie das System neu gestaltet werden kann.

Krankenhausreform: Entlastung in der Pflege

Zentrales Element der Reform soll sein, künftig viel weniger Behandlungen vollstationär – also mit längerem Aufenthalt im Krankenhaus – durchzuführen. „Wir behandeln sehr viel stationär, was ambulant gemacht werden könnte“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“.

In Deutschland werden laut einer OECD-Untersuchung 50 Prozent mehr Menschen stationär behandelt als in den Nachbarländern. Das bindet Ressourcen, gerade auch beim Personal. Müssten weniger Menschen die Nacht in einem Krankenhaus verbringen, fielen viele Nachtdienste, die „schweren Schichtdienste“, weg.

Die Pflegenden ließen sich dann an anderer Stelle einsetzen. Deutschland habe gemessen an der Bevölkerungszahl nicht zu wenige Pflegekräfte, sie würden nur sehr ineffizient eingesetzt, sagte Lauterbach. Er erwartet so Entlastung in der Pflege.

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Krankenhausreform: Das soll sich für Patienten ändern

Für die Patientinnen und Patienten brächte das mehrere Vorteile. Das nur begrenzt verfügbare Fachpersonal ließe sich auf Patienten mit höherem Pflegebedarf im stationären Bereich konzentrieren, lobte die Deutsche Krankenhausgesellschaft zuletzt die Vorschläge der Regierungskommission.

Auch Kommission erwartet, dass sich mit den freiwerdenden Kräften der Personalschlüssel in der Krankenpflege verbessert, also eine Patientin mehr Zuwendung erhalten kann. Damit würde sich die Pflege insgesamt verbessern.

Zudem müssten Patienten deutlich weniger Nächte im Krankenhaus verbringen, sondern könnten nach der Behandlung wieder nach Hause zurück. Sämtliche bislang vollstationär erbrachte Behandlungen soll bereits ab dem 1. Januar 2023 als Tagesbehandlungen durchgeführt werden können, empfiehlt die Regierungskommission, „soweit dies medizinisch vertretbar ist“.

Das soll auch bei Behandlungen passieren dürfen, die über mehrere Tage gehen oder sich über ein Wochenende erstrecken. Die Regierungskommission schätzt, dass so etwa ein Viertel weniger stationäre Behandlungen zustande kommen.

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Krankenhausreform: Fallpauschalen überwinden

In Frage kommen dafür etwa Krebstherapien, bei denen Patienten für vier oder fünf Tage zu Untersuchungen oder Behandlungen in die Klinik kommen. „Aber eigentlich muss man in dieser Zeit gar nicht nachts im Krankenhaus bleiben“, sagte Lauterbach Ende September. Dies werde auch in vielen anderen Ländern so gemacht, sei in Deutschland aber bisher nicht möglich.

Die Entscheidung darüber, ob eine Behandlung ambulant erfolgt, sollen die Kliniken gemeinsam mit den Patientinnen treffen, wobei die soziale und die häusliche Versorgungssituation berücksichtigt werden soll.

Zudem wünscht sich Lauterbach eine Überwindung der sogenannten Fallpauschalen im Kliniksystem, sagte er am Dienstag. Mit ihnen könnten Krankenhäuser Gewinne einfahren, wenn sie viele Patienten günstig behandeln, ein System, dass zu vielen oft unnötigen Eingriffen wie Operationen führt. „Das ganze System wird weniger ökonomisch“, sagte Lauterbach. Auch dadurch würden Pflegekräfte entlastet. Letztlich kommt dies ebenfalls den Patienten zu Gute.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.