Ukraine-Krieg

Drohnen: Warum sie Putins Soldaten schwer zusetzen

Miguel Sanches
| Lesedauer: 6 Minuten
Selenskyj: Knesset-Rede macht "russischen Propagandisten" Arbeit schwer

Selenskyj: Knesset-Rede macht "russischen Propagandisten" Arbeit schwer

Nach seiner Rede vor dem israelischen Parlament per Videoschalte veröffentlicht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Video, in dem er Bezug auf den russischen Kriegsvorwand nimmt, die Ukraine "entnazifizieren" zu wollen. Sein Auftritt vor der Knesset mache den "russischen Propagandisten" ihre Arbeit "schwer", sagte Selenskyj.

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Berlin   Drohnen kommen im Ukraine-Krieg zum Einsatz und sind aus der modernen Gefechtsführung kaum wegzudenken. Die Bundeswehr hinkt hinterher.

  • Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine auf Drohnen
  • Schon mehrmals haben sich die russischen Fluggeräte in andere Länder "verirrt"
  • Doch auch die Ukraine setzt Drohnen ein – warum diese für Russland gefährlich werden könnten

Russland setzt im Ukraine-Krieg wenig Flugzeuge ein. Auf jeden Luftangriff folgen zumeist Drohnen. Sie beobachten die Schäden, die Raketen oder Bomben angerichtet haben. Das ist eine Frage der Risikominimierung. Drohnen sind unbemannt – und billiger als ein Jet.

Drohnen gehören zur modernen Kriegsführung, nicht nur zur Aufklärung. Sie können nämlich bewaffnet werden und lasergesteuerte Bomben mit sich führen. Russische Fluggeräte haben sich mithin in Nato-Länder wie Rumänien oder Polen "verirrt". Experten glauben, dass Russlands Präsident Wladimir Putin ihren Einsatz im Gefecht testen lässt.

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Die Ukraine hat Bayraktar-Drohnen in der Türkei gekauft, die sich in vielen Kriegen bewährt haben: in Syrien, Libyen oder Berg-Karachbach. Ihre tödliche Effizienz ist für Russland ein Riesenproblem.

Ukraine-Krieg: Sind Drohnen der Game Changer?

Regelmäßig zeigen die ukrainischen Militärs Aufnahmen von Drohen-Einsätzen. Sie sind klein, leicht und langsam. Und so seltsam es klingt: Gerade deswegen für den gegnerischen Radar – auf Jets oder Raketen getrimmt – oft ein Problem. Man kann sie auf zweierlei Art bekämpfen: Abschießen oder die Kommunikation zum Piloten am Boden stören.

Der amerikanische Politologe Francis Fukuyama nannte sie Ende letzten Jahres einen "Game Changer" und fühlt sich bestätigt. Die Kampfdrohne dürfte ein "militärischer Bestseller" werden, prophezeite der Wissenschaftler in einem Thesenpapier für die "Neue Zürcher Zeitung".

Drohnen in der Bundeswehr: Zehn Jahre verloren

Die Bundeswehr verfügt über Drohnen mit so niedlichen Bezeichnungen wie Mikado, Black Hornet, Luna oder Aladin. Das Heer nutzt sie zur Aufklärung. Die Black Hornet ist gerade mal 18 Gramm schwer und fliegt 25 Minuten lang.

"Eine Drohne für die Hosentasche", wirbt die Truppe auf ihrer Internetseite. Sie wird eingesetzt, um beispielsweise Sprengfallen oder verdächtige unbemannte Fahrzeuge zu überprüfen.

Drohnen: Deutschland tut sich schwer

Die Luna ist deutlich größer und schwerer (40 Kilo) als die Black Hornet. Sie wird von einem 8-PS-starken Motor angetrieben und kann sechs Stunden in der Luft bleiben. Die Luftwaffe hat eine Drohne in ihrem Arsenal, die von Israel geleaste Heron 1, und soll das moderne und bewaffnungsfähige Nachfolgemodell Heron TP bekommen.

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Die Heron 1 sieht ein bisschen wie ein Motorsegler aus und hat eine maximale Zuladung (für Kameras) von 250 Kilo. Sie kann in einer Höhe von bis zu 10.000 Metern fliegen, und das nonstop bis zu 27 Stunden lang. Die fünf Luftgeräte werden nicht von Schreibtischtätern, von Nerds am Joystick bedient, sondern von Piloten im Einsatzgebiet bedient.

USA sind schuld am schlechten Ruf

In Afghanistan oder auch in Mali wurde sie viel eingesetzt. Bei Konvois fliegt sie voraus, um etwaige Gefahren, ein Hinterhalt, frühzeitig erkennen zu können. Die Heron 1 ist für die asymmetrische Kriegsführung geeignet, also für den Antiterrorkampf, nicht aber für einen Gegner mit Luftabwehr.

Mit der Bewaffnung der Heron TP tut sich Deutschland schwer. Seit zehn Jahren werden Für und Wider diskutiert. Kritiker befürchteten den Einstieg in einen enthemmten Roboterkrieg.

Schuld am schlechten Image der fliegenden Automaten haben die USA. Sie nutzten die Geräte für Killerkommandos, um Gegner auszuschalten. Schon die Namen der US-Kampfdrohnen sprechen Bände: Sie heißen "Reaper" (Sensenmann) oder "Predator" (Raubtier).

In der großen Koalition hat die SPD die Bewaffnung zu verhindern gewusst. Der Wind drehte sich bei den Koalitionsverhandlungen mit Grünen und FDP und endgültig im Affekt der russischen Invasion.

Drohnen: Lambrecht will sie bewaffnen

Noch vor dem Kriegsausbruch verkündete Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion ihre Entscheidung, noch in dieser Wahlperiode Drohnen zu bewaffnen. "Die Abgeordneten schicken die Soldatinnen und Soldaten in die Einsätze. Da muss bestmöglicher Schutz gewährleistet sein", sagte sie.

Dabei dürfe es nicht um autonome Waffensysteme gehen. "In letzter Konsequenz" müssten Menschen entscheiden, stellte Lambrecht klar. Nötig seien "Einsatzregeln, die alle ethischen Fragen berücksichtigen".

Milliarden für die "Eurodrohne"

Es ist damit zu rechnen, dass Lambrecht schon in den nächsten Wochen förmlich im Bundestag die Beschaffung der Bewaffnung beantragen wird. Am Geld wird es nicht scheitern.

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Die Heron TP wird frühestens 2024 die Heron 1 ablösen und ist, streng genommen, eine Übergangslösung. Bereits 2021 hatte das Parlament 3,1 Milliarden Euro für die Entwicklung – mit Italien, Spanien und Frankreich – einer "Eurodrohne" bewilligt.

Sie soll eine maximale Flughöhe von 13.700 Metern haben, der Überwachung und Aufklärung dienen , aber genauso in der Lage sein, Bodentruppen mit Präzisionswaffen zu unterstützen. Sie wird größer, schwerer und leistungsstärker als die Heron TP sein. Mit der Drohne der nächsten Generation sucht die Bundeswehr den Anschluss an moderne Armeen. 2031 könnte es so weit sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.waz.de