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Ukraine: Butscha-Morde – BND hört wohl Soldaten-Funk ab

| Lesedauer: 155 Minuten
Papst verurteilt "schreckliche Grausamkeiten" in Butscha

Papst verurteilt "schreckliche Grausamkeiten" in Butscha

Papst Franziskus hat sich entsetzt über die Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha gezeigt. In der Ukraine würden "immer schrecklichere Grausamkeiten" verübt, auch gegen "wehrlose Zivilisten, Frauen und Kinder", sagte Franziskus bei seiner wöchentlichen Generalaudienz, bei der er eine Flagge aus Butscha zeigte.

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Einem Bericht zufolge habe der Bundesnachrichtendienst die Gespräche russischer Soldaten per Funk abgehört. Mehr Infos im Ukraine-Blog.

  • Der BND soll Gespräche russischer Soldaten abgehört haben
  • Selenskyj rechnet mit einer schweren Angriffswelle im Donbass und fordert die Menschen zur Flucht auf
  • Selenskyj wirft Russland vor, Kriegsverbrechen zu verschleiern
  • Auch der Bürgermeister von Mariupol sagt, Russland verbrenne Leichen in mobilen Krematorien, um Verbrechen zu vertuschen
  • Dieser Blog ist geschlossen. Weitere Meldungen zum Ukraine-Krieg finden Sie in unserem neuen Newsblog.

Berlin/Kiew/Moskau. Während die internationale Gemeinschaft um eine Aufarbeitung der Gräueltaten im ukrainischen Butscha bemüht ist, wächst in Kiew die Furcht vor neuen Angriffen Russlands im Süden und Osten des Landes. Die Nato geht davon aus, dass Russland den gesamten Donbass einnehmen will. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Regierung forderten Einwohner deshalb zum schnellstmöglichen Verlassen der Region auf.

Unterdessen werden neue Vorwürfe laut, nach denen russische Truppen Kriegsverbrechen begangen haben sollen. Im Kiewer Vorort Hostomel wurden in einer Garage elf Leichen entdeckt. Selenskyj betonte in seiner nächtlichen Videoansprache, es würden Hunderte Menschen vermisst. Dafür gebe es nur zwei mögliche Erklärungen: Sie seien entweder tot oder nach Russland verschleppt worden.

Der Ukraine-Krieg dauert mittlerweile über sechs Wochen an. Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveticker.

News zur Ukraine-Krise von Donnerstag, 7. April: Kreml nennt US-Sanktionen gegen Putin-Töchter unverständlich

12.47 Uhr: Kremlsprecher Dmitri Peskow hat die westlichen Sanktionen gegen die Töchter von Russlands Präsident Wladimir Putin scharf kritisiert. "Das ist etwas, was sich schwer verstehen und erklären lässt", sagte er laut der russischen Agentur Interfax am Donnerstag. Der Westen setze damit seine "scharfmacherische Linie" zur Einführung immer neuer Restriktionen gegen Russland fort, meinte er. Peskow kündigte eine entsprechende Reaktion Moskaus an.

Als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine hatten die USA am Mittwoch neue Strafmaßnahmen verkündet - auf der Sanktionsliste stehen nun auch die beiden erwachsenen Töchter des Kremlchefs. Peskow erklärte darüber hinaus, dass das neue Gesetz der USA zu Waffenlieferungen an die Ukraine einen "negativen Effekt" haben werde. "Das Vollpumpen der Ukraine mit Waffen in verschiedenen Formaten hilft nicht dabei, die russisch-ukrainischen Verhandlungen zum Erfolg zu führen", sagte er.

Ministerpräsidenten beginnen Beratungen zu ukrainischen Flüchtlingen

12.20 Uhr: Die Ministerpräsidenten haben am Donnerstag Beratungen zu den Folgen des Krieges in der Ukraine aufgenommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Kosten für die Versorgung ukrainischer Kriegsflüchtlinge aufgeteilt werden sollen. Darüber sprechen die Länderchefs am Nachmittag auch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Außerdem soll es bei dem Bund-Länder-Treffen darum gehen, wie die Registrierung und Verteilung der ankommenden Ukrainer auf die Länder und Kommunen am besten organisiert werden kann. Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), Nordrhein-Westfalens Regierungschef Hendrik Wüst (CDU), hatte am Morgen in Interviews mit dem ARD-"Morgenmagazin" und dem WDR noch einmal auf konkrete Zusagen des Bundes gedrungen.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Kiew wirft Ungarn Unterstützung Putins beim Krieg gegen die Ukraine vor

12.12 Uhr: Die Regierung in Kiew hat dem EU-Mitglied Ungarn vorgeworfen, Russlands Staatschef Wladimir Putin bei seinem Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen. "Budapest ist den nächsten Schritt gegangen: Putin zu helfen, seine Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen", erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, am Donnerstag. Mit diesem Verhalten zerstöre Ungarn "die Einheit der EU".

Der Sprecher wertete "ungarische Stellungnahmen, zum Kauf von russischem Gas in Rubel bereit zu sein, als unfreundliche Haltung gegen unseren Staat". Ungarns Vorschlag, russisch-ukrainische Friedensgespräche in Budapest zu organisieren, verurteilte er als "zynisch". "Wenn Ungarn dem Krieg wirklich ein Ende bereiten will, muss es Folgendes tun: aufhören, die Einheit der EU zu zerstören, neue Sanktionen gegen Russland unterstützen, die Ukraine militärisch unterstützen", erklärte das ukrainische Außenministerium. "Und nicht zusätzliche Finanzierungsquellen für die russische Militärmaschinerie schaffen."

Russische Armee beschießt weitere Ziele in der Ukraine

11.45 Uhr: Russische Truppen haben nach Angaben aus Moskau am Donnerstag weitere 29 Militärobjekte in der Ukraine bombardiert. Dabei seien Luftabwehrsysteme, Artilleriegeschütze, mehrere Kommando- und Stützpunkte der ukrainischen Streitkräfte sowie Munitions- und Treibstofflager vernichtet worden, sagte der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow. Eine Fregatte der Schwarzmeerflotte habe "eine Salve mit vier ballistischen Raketen vom Typ Kalibr auf Bodenziele auf dem Territorium der Ukraine abgegeben".

Kalibr ist ein modernes russisches Lenkwaffensystem, mit dem seit 2011 die russische Flotte ausgestattet wird. Im Syrien-Krieg beschossen russische Truppen damit vom Kaspischen Meer aus Ziele in Syrien. Im von Russland am 24. Februar begonnenen Krieg gegen die Ukraine kamen die Kalibr-Marschflugkörper, die potenziell auch Nuklearsprengköpfe tragen können, ebenfalls schon mehrfach zum Einsatz.

**Die Quelle dieser Nachricht ist eine der Konfliktparteien. Die Angaben konnten nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden.**

Ukrainischer Ex-Bundesligaspieler Belanow kämpft gegen Russen

11.20 Uhr: Am Kampf gegen die russische Armee beteiligen sich auch ukrainische Sportstars. Ex-Bundesligaspieler Igor Belanow, Europas Fußballer des Jahres von 1986, hat sich ukrainischen Medienberichten vom Donnerstag zufolge bei den örtlichen Verteidigungskräften seiner Heimatstadt Odessa eingetragen. Der 61-Jährige zeigte sich mit Sturmgewehr in einer mit Sandsäcken gesicherten Stellung in der südukrainischen Hafenstadt. Odessa gilt als Ziel für die russischen Streitkräfte, um die Ukraine vom Meereszugang abzuschneiden.

Anfang März hatte sich der Ex-Stürmer von Borussia Mönchengladbach und Eintracht Braunschweig bereits für ein Kriegsende eingesetzt. "Ich bitte darum, das Blutvergießen unseres Volkes sofort zu beenden!", schrieb er bei Facebook. Ukrainische Städte verwandelten sich in Ruinen. "Unsere Großväter und Väter haben sie nicht dafür gebaut, dass in ihnen gekämpft wird, sondern dafür, dass dort glückliche Menschen leben!", schrieb er vor mehr als einem Monat.

Athen fordert Untersuchung von Kriegsverbrechen in Mariupol

11.05 Uhr: Griechenland will beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine Untersuchung der Ereignisse in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol beantragen. Der Gerichtshof soll "die Kriegsverbrechen untersuchen, die in Mariupol begangen wurden", sagte der griechische Außenminister Nikos Dendias am Donnerstag vor Beginn eines Nato-Treffens in Brüssel der staatlichen griechischen Nachrichtenagentur ANA und dem griechischen Fernsehen.

Er werde zudem seine Amtskollegen auffordern, "das Bestmögliche zu tun, damit Odessa nicht das gleiche Schicksal wie Mariupol hat", fügte Dendias hinzu. Griechenland hat ein besonderes Interesse an der Region der ukrainischen Schwarzmeerküste. Im Raum Mariupol leben rund 100.000 Ukrainer griechischer ethnischer Herkunft.

Ukrainischer Innenminister: Borodjanka bei Kiew stark zerstört

10.45 Uhr: Der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj hat von großen Zerstörungen in der Kleinstadt Borodjanka bei Kiew berichtet. "Derzeit ist die Stadt Borodjanka eine der am stärksten zerstörten Städte in der Region Kiew", sagte Monastyrskyj, wie ukrainische Medien am Donnerstagmorgen berichteten. Einwohner hätten erzählt, dass russische Truppen in den ersten Kriegstagen aus geringer Höhe mit Flugzeugen Raketen auf ihre Häuser abgeworfen hätten. Anschließend seien auch Rettungskräfte beschossen worden und hätten deshalb vorerst ihre Arbeit einstellen müssen. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen.

Menschen, die damals unter den Trümmern verschüttet worden seien, könnten mittlerweile nicht mehr am Leben sein, sagte Monastyrskyj. Am Mittwoch hatte der ukrainische Zivilschutz mitgeteilt, dass in Borodjanka mit der Suche nach zivilen Todesopfern begonnen wurde. Zuvor sei die 35 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt gelegene Siedlung von Minen geräumt worden, hieß es.

Ukraine fordert bei Nato-Treffen mehr Waffen - Vorwurf an Berlin

10.30 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat zum Auftakt von Beratungen mit Kollegen der Nato-Staaten die Forderungen nach Waffen zur Verteidigung gegen Russland bekräftigt und dabei zu lange Entscheidungsprozesse in Deutschland beklagt. Seine Agenda für das Treffen habe drei Punkte, sagte Kuleba am Donnerstag in Brüssel: "Es sind Waffen, Waffen, Waffen." Der beste Weg, der Ukraine nun zu helfen, sei, dem Land alles Notwendige zu stellen, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Schranken zu weisen und die russische Armee in der Ukraine zu besiegen, damit der Krieg nicht weiter ausufere.

Deutschland könne mit Blick auf Waffenlieferungen "angesichts seiner Reserven und Kapazitäten" mehr machen, sagte Kuleba. Man arbeite mit der deutschen Regierung zusammen. Das Problem, das ihn am meisten beunruhige, sei die Dauer der Verfahren und Entscheidungsfindung in Berlin. "Während Berlin Zeit hat, hat Kiew keine."

Ukraine: Angriffe auf Popasna im Osten des Landes

10.15 Uhr: Der Beschuss der Kleinstadt Popasna im Gebiet Luhansk im Osten der Ukraine dauert ukrainischen Angaben zufolge an. Ziel seien Einheiten der ukrainischen Streitkräfte, teilte der Generalstab in seinem Bericht am Donnerstagmorgen mit. Die russischen Truppen wollten so ihre Offensiven auf die Städte Rubischne und Nischnje, nördlich und südlich der Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk, wieder aufnehmen. Bei Nowotoschkiwske, ebenfalls im Gebiet Luhansk, hätten russische Truppen "erfolglos" versucht, die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen.

UN-Institution zu Ukraine-Krieg: Bis zu 47 Millionen mehr Hungernde

10.00 Uhr: Wegen des Ukraine-Kriegs rechnet das Welternährungsprogramm mit Dutzenden Millionen Menschen mehr in Hunger und Armut. "Je nach Dauer des Krieges könnten zwischen 33 und 47 Millionen Menschen zusätzlich in Hunger und Armut abrutschen", sagte der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der akut Hungernden habe schon vor Beginn des Krieges mit 276 Millionen Menschen auf einem traurigen Rekordniveau gelegen.

Hohe Preise bei Kraftstoff, Grundnahrungsmitteln oder Dünger befeuerten diese Entwicklung. Die Ukraine und Russland sind unter anderem wichtige Getreideexporteure, der Krieg Russlands hat daher starke Auswirkungen auf die internationalen Agrarmärkte.

Bericht: Russische Soldaten sollen Angriffe über Funk besprochen haben

9.47 Uhr: Nach "Spiegel"-Informationen habe der Bundesnachrichtendienst (BND) Funkverkehr des russischen Militärs mitgeschnitten. Demzufolge habe der Auslandsgeheimdienst Funksprüche russischer Soldaten abgefangen, in denen Morde an Zivilisten in Butscha besprochen worden seien.

Einige per Funk geplanten Taten sollen sich auch in Butscha fotografierten Leichen zuordnen lassen. In einem Funkspruch soll ein Soldat einem anderen geschildert haben, er und seine Kollegen hätten eine Person von ihrem Fahrrad geschossen. Ein Bild einer Leiche mit ihrem Fahrrad ging um die Welt.

Die russische Regierung bestreitet dagegen vehement, dass ihre Truppen für bestimmte, augenscheinlich gefolterte Leichen verantwortlich seien.

Russischer Jumbojet am Flughafen Hahn festgesetzt

9.20 Uhr: Ein Jumbojet unter russischer Kontrolle darf vorerst nicht mehr vom rheinland-pfälzischen Flughafen Hahn abheben. Damit sitzt die große Frachtmaschine, eine Boeing 747 der Airline Cargologicair UK, auf unbestimmte Zeit im Hunsrück fest. Der insolvente Airport kassiert dafür nach eigener Auskunft jeden Tag ein Abstellentgelt von rund 1200 Euro. Hintergrund ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Der Landesbetrieb Mobilität als Luftfahrt- und Luftsicherheitsbehörde für Rheinland-Pfalz teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: "Da die Airline Cargologicair UK sowie deren Luftfahrzeuge unter die aktuellen EU-Sanktionen fallen, wurde ein Startverbot gegen die B 747, die einen Wartungsaufenthalt am Flughafen Frankfurt-Hahn hatte, verhängt." Nach derzeitigem Stand sei nicht davon auszugehen, dass die Sanktionen kurzfristig aufgehoben würden.

Italien wäre zu russischem Gas-Embargo bereit

8.38 Uhr: Die italienische Regierung hat sich zu einem Embargo gegen Gas aus Russland bereiterklärt - solange es von der EU beschlossen wird. "Wenn uns ein Gasembargo angeboten wird, werden wir der EU auf diesem Weg folgen, denn wir wollen das wirksamste Instrument, um Frieden zu erreichen", sagte Ministerpräsident Mario Draghi. "Diese Möglichkeit wird derzeit nicht diskutiert, aber die Situation entwickelt sich ständig weiter", fügte er hinzu.

Italien ist in hohem Maße von russischem Gas abhängig. 95 Prozent des in Italien verbrauchten Erdgases werden importiert, davon stammen etwa 40 Prozent aus Russland. Draghi betonte jedoch: "Wenn die Gaslieferungen heute eingestellt würden, wären wir bis Ende Oktober mit unseren Reserven versorgt, es gäbe keine Konsequenzen."

8.31 Uhr: Markus Lanz diskutierte gestern Abend mit seinen Gästen die Lage im Ukraine-Krieg. SPD-Chef Lars Klingbeil verteidigte dabei den Kurs der Regierung. Lesen Sie hier: Klingbeil bezeichnet Putin bei "Lanz" als "größten Kriegsverbrecher"

Selenskyj wirft Russland vor, Verbrechen zu verschleiern

8.22 Uhr: Moskau wird der Verantwortung für Taten russischer Einheiten in der Ukraine nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht entkommen. Dies ginge schon aufgrund der hohen Zahl an in dem Krieg getöteten Ukrainerinnen und Ukrainern nicht, sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft, die in der Nacht zu Donnerstag auf Telegram veröffentlicht wurde. "Wir wissen bereits von Tausenden Vermissten." Für deren Verbleib gebe es nur zwei Möglichkeiten - sie seien entweder nach Russland deportiert oder getötet worden, sagte Selenskyj.

Moskau habe nach dem internationalen Aufschrei über die Bilder aus dem Kiewer Vorort Butscha seine Taktik geändert und versuche nun, in den von russischen Truppen besetzten Gebieten getötete Menschen von den Straßen und aus den Kellern zu entfernen. Mithilfe von Untersuchungen, Zeugen und Satellitenbildern werde man die Gründe für das Verschwinden der Bürger klären.

Baerbock lädt Nato-Außenminister nach Deutschland ein

7.57 Uhr: Bei ihrer Ankunft zum Treffen der Außenminister der Nato-Staaten in Brüssel hat die deutsche Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ein kurzes Statement abgegeben: "Wir antworten auf die Unmenschlichkeit, auf die Gräueltaten von Butscha und Mariupol mit gemeinsamer Menschlichkeit."

Baerbock kündigte an, die Nato-Außenminister im Mai zu einem inoffiziellen Treffen in Deutschland ein, um sich weiterhin eng abzustimmen. Lobend hob sie die Teilnahme Japans am heutigen Treffen hervor. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Japan bei diesem gemeinsamen Vorgehen unsere Linie nicht nur mitträgt, sondern auch intensiv unterstützt".

Heute beraten die Nato-Außenminister über neue Waffenlieferungen für die Ukraine. Dabei sollen auch Angriffswaffen zur Sprache kommen - das wäre eine neue Stufe der Unterstützung für die Ukraine. Mit Blick auf neue Waffenlieferungen will die Bundesregierung sich auch Waffensysteme anschauen, die man bisher nicht geliefert hat - das hatte Außenministerin Annalena Baerbock bereits zuvor angekündigt. Ob damit auch gepanzerte Fahrzeuge oder Panzer gemeint sein könnten, ließ sie allerdingsoffen.

Selenskyj fordert erneut schärferes Sanktionspaket des Westens

5.40 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Westen zu härteren Sanktionen gegen Russland aufgerufen. Er forderte ein Embargo auf russisches Erdöl und einen vollständigen Ausschluss des russischen Bankensystems vom internationalen Finanzwesen. Sollte es kein "wirklich schmerzhaftes Sanktionspaket" und keine Lieferungen der von Kiew geforderten Waffen an die Ukraine geben, werde Russland dies als "Erlaubnis zum Vormarsch" sehen, sagte Selenskyj in einer in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Videoansprache.

Bürgermeister von Charkiw lehnt zentrale Evakuierung ab

5.17 Uhr: Nach Aufrufen zur Flucht aus dem Osten der Ukraine angesichts einer möglichen russischen Großoffensive versucht der Bürgermeister von Charkiw zu beruhigen. Weder er noch das Militär hielten es momentan für notwendig, eine zentralisierte Evakuierung aus der zweitgrößten Stadt des Landes durchzuführen, sagte Ihor Terechow in einer Videobotschaft.

Die Stadt Charkiw sei gut mit Waffen ausgestattet und zur Verteidigung bereit. Der Aufruf zu einer Evakuierung treffe aber im Gebiet Charkiw auf südliche Bezirke zu. Charkiw hatte vor dem Krieg rund 1,5 Millionen Einwohner. Der Gebietsverwaltung zufolge verließ ein großer Teil der Bewohner in den ersten Kriegswochen die Stadt. Charkiw wird seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar fast ununterbrochen aus der Luft und mit Artillerie angegriffen.

Elf Leichen in Kiewer Vorort Hostomel gefunden

4.59 Uhr: In einer Garage im Kiewer Vorort Hostomel wurden nach dem Abzug russischer Truppen ukrainischen Angaben zufolge elf Leichen gefunden. Die Polizei habe diese am Mittwoch entdeckt, berichtete die "Ukrajinska Prawda" und berief sich auf einen Telegram-Eintrag des ehemaligen Innenministers Arsen Awakow. Demnach soll es sich bei den Getöteten um Zivilisten handeln, die von russischen Soldaten getötet worden seien. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen. Das nordwestlich der Hauptstadt gelegene Hostomel mit dem nahen Flugplatz war seit Beginn des Kriegs schwer umkämpft. Der Großteil der ursprünglich 16.000 Einwohner floh. Der lokalen Militärverwaltung zufolge wurden rund 400 Bewohner von Hostomel vermisst.

**Die Quelle dieser Nachricht ist eine der Konfliktparteien. Die Angaben konnten nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden.**

Selenskyj rechnet mit einer schweren Angriffswelle im Donbass

4.31 Uhr: Der ukrainische Präsident Selenskyj hat vor einer neuen Offensive des russischen Militärs im Osten der Ukraine gewarnt. Moskau baue weiter Kampfkraft auf, um seine Ambitionen im Donbass-Gebiet zu verwirklichen. Die Regierung in Kiew rief Menschen in den Gebieten Luhansk, Donezk und Charkiw bereits zur Flucht auf. Sie rechnet damit, dass von der Hauptstadt Kiew abgezogene russische Truppen im Osten eingesetzt werden. Selenskyj betonte: "Wir werden kämpfen und uns nicht zurückziehen."

Der ukrainische Präsident rief zudem die Menschen in Russland dazu auf, ein Ende des Kriegs zu fordern. Die Ermordung von Zivilisten in von russischen Truppen besetzen Städten wie Butscha müsse ein entscheidendes Argument sein. "Niemand in Russland, der jetzt nicht ein Ende des Krieges und den Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine fordert, hat eine Zukunft", sagte Selenskyj. Die Bürger sollten sich lieber jetzt der russischen Repressionsmaschine stellen, als ihr Leben lang "mit Nazis verglichen zu werden".

News zur Ukraine-Krise von Mittwoch, 6. April: Pentagon sieht keine "unmittelbare" Gefahr eines Chemiewaffenangriffs

22.30 Uhr: Die US-Regierung sieht aktuell keine Hinweise für einen unmittelbaren russischen Einsatz von Chemie- oder Biowaffen in der Ukraine. "Wir haben nichts gesehen, was auf einen unmittelbar bevorstehenden chemischen oder biologischen Angriff in der Ukraine hindeutet", sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch. Man beobachte derzeit nicht, dass die Russen Chemiewaffen in die Ukraine brächten. Im Westen ist die Sorge groß, dass russische Truppen in der Ukraine Chemiewaffen einsetzen könnten.