Erfurt. Frank Quilitzsch erhält einen Meditations-Tipp aus Thailand.

Was machen eigentlich meine Ziehtöchter, werde ich gefragt. Nun, sie sind davongeflogen. E., die Ältere, arbeitet in Barcelona und richtet sich dort ihre Wohnung ein. T. hat die Hebammenausbildung aufgeschoben und reist mit ihrem Bachelor in der Tasche erstmal durch die Welt.

Sie meldet sich aus Indien, vom Himalaya und von einer thailändischen Insel. Dann gar nicht mehr. Längere Zeit ist im Netz nichts von ihr zu sehen, zu lesen und zu hören. K. und ich sind erleichtert, als per WhatsApp die Erklärung folgt: Zehn Tage Meditation, zehn Tage kein Kontakt zur Außenwelt. In einer Sprachnachricht – die längste, die sie je verfasste – schildert T., was da mit ihr passierte. Zu Silvester hatte sie noch getanzt, dann ab Neujahr kein einziges Wort mehr gesprochen. Handy, Laptop, Stifte und Bücher musste sie abgeben. Wecken um fünf, den ganzen Tag Sitz- und Gehmeditation in der Halle und im Palmengarten. Wenn man hart daran arbeite, gerate man in einen Schwebezustand, in dem man nichts mehr denkt, sich losgelöst und frei von allem fühlt. Als würde man „diese besonderen Pilze“ essen.

Auf meinem Tisch stapeln sich Zeitungen, im Fernsehen läuft die Tagesschau. Wütende Bauern, im Bombenhagel verschüttete Palästinenser, auf die Freilassung der Hamas-Geiseln hoffende Israelis. Ukraine-Krieg, Huthi-Rebellen, Klimakrise, der Rechtsruck im eigenen Land - alles ist in meinem Kopf. Ich kann, selbst wenn ich abschalte, nicht abschalten. Meditieren und Autosuggestion waren noch nie mein Ding. Liebe T., wo gibt‘s die Magic Mushrooms?

Frank Quilitzsch: Alter, du wirst abgehängt. Die besten Kolumnen, Klartext-Verlag, Essen, 176 Seiten, 16,95 Euro