Das Leben der Anderen: Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Gera.  Private und dienstliche Erlebnisse rund um das derzeit wichtigste Thema der Welt (4).

Eine Notfalldose in einem Kühlschrank. Ganz neue Einblicke gibt es beim Home-Office.

Eine Notfalldose in einem Kühlschrank. Ganz neue Einblicke gibt es beim Home-Office.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Viele Menschen sind im Home-Office. Das öffnet bei Videokonferenzen ganz neue Einblicke in das häusliche Leben der Kollegen. Einer hat sein Büro in die Küche verlegt, verweigert aber den interessanten Einblick in den Kühlschrank. Ein Mann mit Online-Fachkenntnissen wurde von der Familie in die Dachkammer verwiesen. Eine Kollegin berichtet, dass ihr Mann für sie das Home-Office im Schlafzimmer eingerichtet hat. Was wir für einen Drucker halten, stellt sich dann als Wäschekommode heraus. Eine Mitarbeiterin, wurde mir aus dem Bekanntenkreis geschildert, wollte lieber allein im Büro bleiben. Ihr Partner sei ja schließlich auch zu Hause.

Auch die Geräuschkulissen im Hintergrund waren bisher im Arbeitsalltag nicht zu hören: Rumpelnde Waschmaschinen im Schleudergang, zankende Kinder, kläffende Hunde, Musikinstrumente.

Ich bin es ja gewohnt, an mehreren Orten zu arbeiten: Zuhause oder im Auto. Mein Hauptbüro befindet sich in Gera. Außerdem habe ich noch ein Büro in Erfurt und eines in Jena. Insbesondere die zahlreichen Fahrten nach Erfurt ins Büro – 101 Kilometer die einfache Strecke – muss ich nicht wirklich vermissen. Tue ich auch nicht. Oft verbringe ich in einer Arbeitswoche zusätzlich einen kompletten Arbeitstag allein im Dienstwagen. Der kann sich nun ausruhen. Spannend wird es Anfang Mai. Dann endet das Leasing, ein neues Firmenfahrzeug ist bestellt. Aber wird es auch rechtzeitig produziert und ausgeliefert? Alle namhaften deutschen Hersteller beginnen gerade damit, ihre Autoproduktion vorübergehend einzustellen. Ich bin mal gespannt, wie das ausgeht.

Heute haben wir neu als OTZ auf Facebook eine Corona-Hilfe ins Leben gerufen. Es ist eine öffentliche Gruppe. Wer Hilfe sucht oder Hilfe anbietet, kann sich dort ab sofort melden. Überhaupt sind wir, was das Thema Corona anbelangt, auf Zack. Was den Überblick der Corona-Fälle in Thüringen anbelangt, sind wir aktueller als das Land Thüringen selbst. Der MDR übernimmt nun schon unsere minütlich zusammengetragenen Zahlen.

Viele Minuten lang schauten gestern die Deutschen den Appell von Kanzlerin Angela Merkel zur Coronakrise. Zweimal knapp neun Millionen Zuschauer lauschten ihrer langen Rede allein in ARD und ZDF. Das nennt man Quote. Ob die Zuschauer auch die eindringliche Mahnung der Regierungschefin verstanden haben? Ich zumindest habe den Eindruck, dass es viele Menschen gibt, die sich darum bemühen, Abstand zu halten und sich möglichst viel im eigenen Heim aufzuhalten. Es wäre schön, uns allen bliebe eine Ausgangssperre erspart. Aber das hängt letztendlich davon ab, wie hoch die Zahl der Unvernünftigen ist, die durch ihr unsolidarisches Verhalten andere gefährden.

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