Die 100 Tage von Corona - Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Private und dienstliche Erlebnisse rund um das derzeit wichtigste Thema der Welt (100). Plötzlich näherte sich die Pandemie rasend schnell, brach weltweit aus. Im Februar 2020 schien die Welt noch in Ordnung, im März bereits nicht mehr. In mehr als 188 Ländern grassiert das Virus und ein Ende ist noch nicht absehbar, ganz im Gegenteil. Covid-19 ist noch lange nicht überwunden.

OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Foto: Andreas Wetzel

Dienstag, 23. Juni 2020: Ich weiß, Corona ist kein Ort, sondern ein Virus. Für mich war mein Tagebuch zur Corona-Krise aber wie ein Ort, den ich 100 Tage lang nicht verlassen habe. Heute beende ich das Tagebuch. Vielleicht bringen wir es überarbeitet in Buchform heraus oder als eBook. Mal sehen. Soweit ich das beobachten konnte, hat niemand 100 Tage lang in dieser Form den Verlauf der Pandemie begleitet. Ich habe offen gestanden auch nicht damit gerechnet, dass das alle so lange dauern wird. Deshalb dachte ich mir zu Beginn der Pandemie Anfang März, es kann nicht schaden, diese außergewöhnliche Situation mit einem Tagebuch aufzuzeichnen. Wird schon nicht so lange dauern. Nun sind bereits mehr als drei Monate ins Land gegangen, 100 Folgen täglich erschienen. Ob Ostern, Pfingsten, an Feiertagen, an Sonntag – jeden Tag habe ich Notizen gemacht und hier veröffentlicht, ohne Ausnahme, ohne Pause. Das heißt allerdings auch, dass ich 100 Tage durchgearbeitet habe. Die Zahl 100 bietet mir jetzt eine Gelegenheit, Schluss mit dem Tagebuch zu machen, vorerst. Relevante Ereignisse kann ich vielleicht in einem Wochenreport zusammenfassen. Denn Corona ist noch lange nicht beendet, auch wenn man spürt, wie bereits seit einige Wochen die Menschen in Thüringen und Deutschland die Nase voll haben, von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen.

Regional kommt es aktuell immer wieder zu heftigen Ausbrüchen der Infektion. Die Lockerungen bekommen nicht allen Regionen. Beim Schlachterbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen hat man die Abstandsregeln und Hygiene offenbar so stark vernachlässigt, dass es dort zu einem explosionsartigen Ausbruch des Virus kam. Armin Laschet, der Ministerpräsident dieses Bundeslandes, verfügt nun den regionalen Lockdown für den Kreis Gütersloh – vorerst bis 30. Juli 2020.

Laut Robert Koch-Institut lag die Reproduktionszahl für Deutschland mit Datenstand vom Montag, 22. Juni 2020 bei atemberaubenden 2,76. Das gibt an, wieviel Infizierte Nicht-Infizierte anstecken. Als kritische Grenze gilt dabei die 1,0.

Die Gefahren, die von dem Virus ausgehen, sind also längst nicht gebannt. Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation erreichte am gestrigen Montag, 22. Juni, die Infektionsrate weltweit den höchsten Stand seit Ausbruch des Virus, das seinen Ursprung nach gegenwärtigem Kenntnisstand in China hatte.

Laut Johns-Hopkins-Universität, die Daten haben ich am Dienstag, 23. Juni 2020 um 11 Uhr abgerufen, gibt es derzeit weltweit aktuell 4.095.020 Infizierte, 472.703 Tote und 4.540.947 genesene Patienten. Die meisten Todesfälle sind in den USA, Brasilien und Großbritannien zu verzeichnen.Die aktuellen Zahlen für Deutschland lauten: 192.127 Infizierte (also weiter steigend), 9.209 Tote und 175.729 Genesene.

Spannend war über die zurückliegenden 100 Tage zu beobachten, wie der Stand der Wissenschaft in Sachen Covid-19 sich veränderte. Noch gibt es keinen zugelassenen Impfschutz und kein zugelassenes Medikament gegen das Coronavirus. Aber beinahe täglich kommt man den Heilungschancen näher. Und es gibt immer wieder neue Erkenntnisse zum Virus. Zum Beispiel, dass Männer stärker betroffen sind als Frauen. Männer erkranken oft schwerer an Covid-19 und sterben häufiger als Frauen. Nach Daten der Forschungsinitiative Global Health 50/50 aus mehr als 20 Ländern wie auch nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Deutschland, infizieren sich Frauen ähnlich häufig wie Männer. Bei den Sterberaten liegt die Verteilung jedoch etwa bei einem Drittel zu zwei Dritteln. Nach dem Situationsbericht des RKI vom 21. Juni starben in fast allen Altersgruppen mindestens doppelt so viele Männer wie Frauen. Zu den konkreten Gründen gibt es allerdings momentan noch keine belegten wissenschaftliche Erkenntnisse.

Ungesünderer Lebensstil könnte ein Faktor sein, heißt es. Diskutiert wird auch die unterschiedliche Hormonlage und eine genetisch bedingte stärkere Immunreaktion bei Frauen.

Bleiben Sie gesund!

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