Home-Office allein ist auch keine Lösung – Corona-Tagebuch von OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Private und dienstliche Erlebnisse rund um das derzeit wichtigste Thema der Welt (97). „Seht ihr“, frohlockten Gewerkschafter und Betriebsräte, „Home-Office geht doch.“ Das war Anfang März, als in Deutschland millionenfach Arbeitnehmer zum Arbeiten nach Hause geschickt wurden. Nach Monaten ist es darum still geworden. Die Arbeit zu Hause ist möglich, aber nicht die Lösung aller Probleme. Im Gegenteil.

Das Arbeiten zu Hause kann gelegentlich Sinn machen, ist aber keine Dauerlösung (Symbolbild).

Das Arbeiten zu Hause kann gelegentlich Sinn machen, ist aber keine Dauerlösung (Symbolbild).

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Samstag, 20. Juni 2020: Es ist wie so oft im Leben und für Deutsche besonders schwer wahrzunehmen. Im Land des Schwarz-Weiß-Denkens, dort wo die Grautöne fehlen, gibt es entweder nur das Eine oder das Andere. Im Falle des mobilen Arbeitens oder Home-Office, liegt die Wahrheit aber wohl eher in der Mitte. Das Arbeiten zu Hause kann gelegentlich Sinn machen, ist aber keine Dauerlösung. Insbesondere berufstätige Frauen mit schulpflichtigen Kindern oder dem Nachwuchs im Kindergarten, erklärten mir immer wieder, wie sehr sie sich ins Büro zurücksehnen. Auch unter der Woche hundertmal am Tag den langgezogenen Ruf „Maaamaaaaaa“ zu hören oder in die Rolle gedrängt zu werden, nun plötzlich jeden Mittag auch noch ein Essen zubereiten zu müssen, ist für diese weiblichen Beschäftigten nicht erstrebenswert. Wie berufstätige Singles, ob weiblich oder männlich, vermissen Beschäftigte in der Heimarbeit zudem die sozialen Kontakte.

Viele zu Hause arbeitende Arbeitnehmer sehen sich auch oft in der Rolle des Hauslehrers überfordert. Ein Vater erzählte mir, es sei jetzt noch einmal so richtig deutlich geworden, wie wertvoll und wichtig der Lehrerberuf ist. Von der Corona-Krise wird vor allem haften bleiben, wie wenig es der Staat verstanden hat, weiter für die Betreuung von Kindern und Schülern zu sorgen. Das war schwach.

Wenig Freude bereiten oft wegen schlechter Internetverbindungen Telefon- und Videokonferenzen von zu Hause aus. Ein in diesem Zusammenhang meist ungeklärtes Thema: Wer bezahlt eigentlich die Mehraufwendungen zu Hause, beispielsweise den erhöhten Strom- und Energieverbrauch? Die meisten Unternehmen wollen sich da nichts anmerken lassen.

Immerhin können Sie das Finanzamt mit zur Kasse bitten. Denn wenn Sie gezwungen sind, von zu Hause aus zu arbeiten, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen doch ein Büro von der Steuer absetzen, auch wenn dies oft kaum möglich ist. Der bayrische Lohnsteuerhilfeverein hatte dazu vor einigen Wochen eine interessante Presseerklärung herausgegeben, die ich hier nachstehend teilweise zitiere.

„Steht vorübergehend kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können Arbeitnehmer in Folge ihre Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend machen, obwohl sie das unter normalen Umständen nicht könnten. Das ist aufgrund der behördlichen Anweisungen zur Schließung von nicht systemrelevanten Betrieben, Ausgangsbeschränkung oder Kontaktsperre oft der Fall. … Ein Abzug aller Kosten ist grundsätzlich nur möglich, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt. Das ist der Fall, wenn diejenigen Leistungen, die für die berufliche Tätigkeit prägend sind, im Wesentlichen im Home-Office erbracht werden. In normalen Zeiten stellt in den meisten Fällen der Arbeitsplatz im Büro der Firma den Mittelpunkt für die Angestellten dar.

Derzeit ist die Situation aber anders. Viele arbeiten auf Anweisung des Vorgesetzten ganz oder teilweise im Home-Office und dürfen ihren Betrieb nicht mehr regelmäßig aufsuchen. Der betriebliche Arbeitsplatz kommt also gar nicht mehr oder teilweise nicht mehr in Frage. Bei einer Kombination aus betrieblicher Anwesenheitspflicht und Home-Office muss die zeitliche Komponente bei gleichwertiger Arbeit im Home-Office überwiegen. Also mindestens drei von fünf Arbeitstagen müssen im Home-Office erfolgen, damit die Voraussetzungen für einen unbegrenzten Kostenabzug für den vorübergehenden Zeitraum der Corona-Krise erfüllt sind. Eine weitere Voraussetzung für den Steuerabzug ist ein abgeschlossener Raum als Arbeitszimmer zu Hause, der funktionell wie ein Büro ausgestattet ist. Ein Arbeitsplatz im Wohnzimmer mit einem Laptop am Esstisch beispielsweise ist steuerlich betrachtet leider kein Arbeitszimmer und reicht nicht aus. Auch Durchgangszimmer sind nicht abzugsfähig. Als Nachweis wird am besten der Grundriss der Wohnung der Steuererklärung beigefügt. Erlaubt ist es, dass sich Eheleute und eingetragene Lebenspartner ein Arbeitszimmer teilen und jeder von beiden die Aufwendungen als Werbungskosten absetzt.“In manchen Mitteilungen habe ich auch gelesen, dass es sinnvoll ist, für das Finanzamt ein Bild des Arbeitszimmers zu machen.

Bleiben Sie gesund!