Corona-Hotspot Hildburghausen: Wie Facebook-Nutzer Desinformation betreiben

Hildburghausen.  Die Intensivkapazitäten im Landkreis Hildburghausen waren vorige Woche ausgeschöpft. Wir machen den Faktencheck mit Aussagen von Facebook-Nutzern.

Oft gepostet, um die Nachricht von den ausgeschöpften Intensivkapazitäten als Lüge zu überführen: Doch die Facebook-Nutzer merken nicht, dass es sich gar nicht um die Klinik für Covid-Patienten handelt.

Oft gepostet, um die Nachricht von den ausgeschöpften Intensivkapazitäten als Lüge zu überführen: Doch die Facebook-Nutzer merken nicht, dass es sich gar nicht um die Klinik für Covid-Patienten handelt.

Foto: Facebook

Im Landkreis Hildburghausen waren Ende voriger Woche acht von acht Intensivbetten belegt . Diese Nachricht sorgt auf unserer Facebook-Seite für Wirbel – und zeigt, welche Kräfte der Desinformation Nutzer des sozialen Netzwerkes entfalten. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

So behaupten Facebook-Nutzer, dass die Zahlen nicht stimmen und niemand wegen Covid-19 auf der Intensivstation behandelt wird. Sie zweifeln die Daten in der Statistik des Intensivregisters DIVI an und belegen dies mit dem Bildschirmfoto einer Statistik der Helios Kliniken in Hildburghausen. Diese ist in der Tat auf der Internetseite des Krankenhaus-Konzerns zu finden und weist auch Fälle von behandelten Patienten mit Corona aus.

Helios betreibt nur Fachkliniken

Was die meisten übersehen: Helios betreibt im Landkreis Hildburghausen nur Fachkliniken für neurologische und psychiatrische Krankheitsbilder. Die Intensivb­etten für Covid-19-Patienten im Landkreis Hildburghausen befinden sich hingegen nur in der Regiomed-Klinik Hildburghausen, wie deren Sprecher David Schmitt auf unsere Anfrage mitteilt. Er bestätigt auch, dass Daten des Intensivregisters vorige Woche gestimmt haben und die Intensivkapazitäten tatsächlich voll ausgelastet waren. Gemäß der gesetzlichen Vorgaben liefere die Klinik die Daten für die Statistik, jedoch werde nicht ständig im Minutenbereich aktualisiert, da die Patientenversorgung Vorrang habe.

Intensivstation wegen Personalmangel geschlossen?

Ein weiterer Nutzer unserer Facebook-Seite behauptet, dass die Intensivstation nicht voll belegt gewesen sei, sondern er wisse, dass Personal fehle. Auch dazu haken wir direkt am Regiomed-Klinikum nach. Personalbedingt musste auf der Wachstation reduziert werden, aber nicht auf der Intensivstation, wie Schmitt antwortet: „Eine komplette Abmeldung des Krankenhauses bei der Leitstelle ist nicht erfolgt.“

Er räumt ein, dass wegen des erhöhten Isolierungsaufwandes auf den Klinikstationen ein deutlich erhöhter Personalbedarf besteht. Größere Probleme bereiten seinen Worten zufolge die Schulschließungen, da die Notbetreuung oft nicht ausreiche oder nur übernommen werde, wenn beide Elternteile in systemrelevanten Jobs arbeiten.

Zusätzliche Intensivkapazitäten schaffbar, aber nicht sofort

Ein Kritikpunkt der Facebook-Nutzer lautet, dass von den acht Plätzen nur zwei mit Covid-Patienten belegt waren und deshalb Panikmache betrieben werde. Die Statistik war so dem Register entnommen. In unserer Meldung war auch aufgeschlüsselt, dass der Anteil der Covid-Patienten ein Viertel betrug. Unbenommen davon bedeutet eine ausgelastete Intensiv­station, dass keine Plätze für weitere Intensivpatienten sofort zur Verfügung stehen.

Doch die Klinik kann für den Notfall reagieren, wie Schmitt versichert: „Sollten weitere Intensiv­kapazitäten notwendig werden, so könnten innerhalb weniger Tage mehrere zusätzliche Beatmungsplätze geschaffen werden.“

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