Nordhausen. Am Nordhäuser Theater feiert das Musical „La Cage aux folles“ Premiere. Ein begeisternd bunter Aufruf zu Toleranz und Offenheit

Zwei Bühnen, ein Thema: Freitagnachmittag beschloss der Deutsche Bundestag das Selbstbestimmungsgesetz mit mehr Rechten für Transmenschen. Freitagabend feierte das Musical „La Cage aux folles“ (Ein Käfig voller Narren) am Theater Nordhausen Premiere – als ein grellbunter, exzentrisch kostümierter Aufruf zu Toleranz und Offenheit. In Zeiten immer reaktionärerer Denkmuster sind das starke, wichtige Signale, und das Nordhäuser Publikum bedankte sich mit Klatschkonzerten und stehenden Ovationen. Regisseur Ivan Alboresi erzählt die tragikomische Geschichte um ein homosexuelles Pärchen in St. Tropez als emotionale Achterbahnfahrt. Schillerndes Zentrum ist die Drag-Queen Zaza, Star des Nachtclubs „La Cage aux folles“, die mit bürgerlichem Namen Albin heißt und seit 20 Jahren mit Clubbesitzer Georges liiert ist. Als Albin zur Hochzeit von Ziehsohn Jean-Michel ausgeladen wird, ist er/sie zutiefst gekränkt. Diese Kränkung, ihre Wirkung und spätere Heilung ist der Angelpunkt der ernst-fröhlichen Inszenierung, die uns allen einen Spiegel vorhält.

In die Rolle des Albin schlüpft der erfahrene Musicaldarsteller Gaines Hall mit sonorer, charismatischer Stimme, großem Spielwitz und überragender Körpersprache. Sein Lebenspartner Georges wird mit ähnlicher Präsenz und glaubwürdiger Zerrissenheit vom erstaunlich tief singenden Nordhäuser Spieltenor Marian Kalus verkörpert. Als gutbürgerlicher Gegenentwurf fungieren ihr Sohn Jean-Michel (schauspielerisch etwas steif, aber mit samtigem Bariton: Florian Tavic) und seine designierte Gattin Anne Dindon (spritzig: Yuval Oren).

Kokettes Augenzwinkern und entspannte Leichtigkeit

Die Welt von gestern erwacht mit Wucht in den Figuren von Moralapostel Edouard Dindon, herrlich spießig gespielt von Thomas Kohl, und Madame Dindon als scheinheiliger Schwiegermutter (Anja Daniela Wagner). Viel Sympathie erntet Uta Haase, die vor 50 Jahren erstmals am Theater Nordhausen auftrat, in der Rolle der zwielichtigen Gastronomin Jacqueline. Und als zweite Drag-Queen gibt Thiago Fayad schließlich par excellence den urkomischen Butler – pardon, die Zofe – Jacob.

Freie Narren im Käfig engstirniger Weltanschauungen sind die Travestiekünstler des Nachtclubs: Ivan Alboresi choreografiert sein fantasievoll kostümiertes Ballett „TN LOS!“ auf der raffiniert genutzten Drehbühne (Bühne und Kostüme: Pascal Seibicke) mit kokettem Augenzwinkern und entspannter Leichtigkeit. Die agilen Gäste Christopher Wernecke (Chantal), Arvid Johansson (Hanna aus Hamburg) und Jürgen Strohschein (Mercedes) machen auch als Pole-Tänzer eine gute Figur.

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Komplettiert wird die tolle Show vom engagierten Nordhäuser Opernchor und dem Loh-Orchester Sondershausen, dem es hinter der Bühne mit großem Elan gelingt, die Klangverfälschung via Lautsprecher vergessen zu machen. Kapellmeister Julian Gaudiano entfacht ein solch mitreißendes Musical-Feuerwerk, dass auf dem Heimweg Hits wie „Ich bin, was ich bin“ noch lange im Ohr nachklingen.

Nächste Vorstellungen: 19. April, 4., 8., 10., 19., 23. und 26. Mai