Brehm-Möbel wieder in Renthendorf

Renthendorf  Nach knapp zweijähriger Restauration präsentieren sich die Stücke in ungewohnter Schönheit und Lebendigkeit.

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, betrachtet den restaurierten Nähtisch von Bertha Brehm. Foto: Frank Kalla

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, betrachtet den restaurierten Nähtisch von Bertha Brehm. Foto: Frank Kalla

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Restaurator Matthias Krahnstöver aus Kohren-Salis in Sachsen sind beide Kunststücke gelungen. Erstens konnte er seine angesehene Werkstatt frei von Brehmschen Holzwürmern halten, zweitens hat er dem kleinen Biedermeier-Nähtisch von Bertha Brehm sprichwörtlich wieder neues Leben eingehaucht.

Den mit Anobien verseuchten Nähtisch hatte Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte Renthendorf, mit weiteren Möbelstücken Mitte 2015 nach Kohren-Salis gebracht. Krahnstöver bot sich ein trauriger Anblick. Die Tischplatte war verzogen, in der Schublade hatte sich Schimmel breit gemacht, die alten Messingverzierungen waren abgeplatzt oder kaum noch zu erkennen. "Man muss leider sagen, dass zahlreiche Möbel aus dem Brehmschen Nachlass verwahrlost sind", lautete seine damalige Einschätzung. Dennoch gab er sich optimistisch. Die Kosten würden zwar den Wert der Möbel übertreffen, aber da diese Stücke eine Geschichte zu erzählen hätten, seien sie eigentlich von unschätzbarem Wert.

Seit einigen Tagen nun ist der Schatz aus dem Brehmschen Nachlass wieder in Renthendorf. "Ich habe den Nähtisch, aber auch die anderen Sachen kaum wiedererkannt", sagte Süß, der gemeinsam mit Volontär Stefan Curth einen ersten Blick auf die restaurierten Möbel werfen konnte. "Matthias Krahnstöver, aber auch Polstermeister Helge Löffler aus Großdeuben ist es gelungen, ein Stück Brehm-Zeit zu retten. Das sind keine seelenlosen Möbel, sondern sie erzählen tatsächlich noch ihre Geschichte", freute sich der Gedenkstättenleiter.

Wieder im Pfarrhaus sind neben dem Nähtisch der klassizistische Schreibtisch nebst Stuhl, an dem "Vogelpastor" Christian Ludwig Brehm (1787 bis 1864) aller Wahrscheinlichkeit nach im trüben Kerzenschein an seinen Aufzeichnungen zur Vogelwelt saß. Die leicht sichtbaren Gebrauchspuren – von den Restauratoren bewusst so belassen – verleihen dem Stück Authentizität. Krahnstöver löste sein damals gegebenes Versprechen ein: Er wollte versuchen, den historisch gewordenen Zustand durchscheinen zu lassen.

Zwei Sessel und ein Sofa, die aus der Zeit um 1750 stammen, und die vor der Räumung des alten Brehm-Hauses mehr unbeachtet in einer dunklen Ecke in der ersten Etage standen, sind zwar noch in der Werkstatt, sie werden aber demnächst ausgeliefert. "Bei der Restauration wurde der Originalbezug entdeckt, der eine kleine Sensation war. Auf dem bedruckten Leinenstoff fanden sich Putten und Blumen. Weil größere Stücke erhalten geblieben waren, konnte man die Polstermöbel in Anlehnung an den Urzustand restaurieren. "Alles, was im Original erhalten werden konnte, wurde erhalten", erklärte Süß. Jedes Möbelstück sei ein Stück aus dem Leben der Brehms.

Hoch zufrieden ist Süß auch mit dem restaurierten Schaukelstuhl in dem nachweislich Alfred Brehm gern eine Zigarre schmauchte oder mit den Biedermeier-Stühlen, die Pfarrer Christian Ludwig Brehm sein Eigen nannte.

51 000 Euro stellten die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Thüringer Staatskanzlei, die Deutsche Ornithologische Gesellschaft, die Sparkasse Jena-Saale-Holzland und die Katharina-und-Gerhard-Hoffmann-Stiftung für die Möbelrestaurierung bereit. "Ohne diese Unterstützung hätten wir das Projekt nicht in Angriff nehmen können", sagte Süß.

Bis zum Umzug in das eigentliche Brehm-Haus, das derzeit von den Grundmauern auf saniert wird, werden die Möbelstücke in einem holzwurmfreien Raum im Renthendorfer Pfarrhaus ausgestellt. "Dort sind Anobienfallen installiert worden."

Volontär Stefan Curth macht sich derweil Gedanken, wie die Möbel in die neue Ausstellung über die Brehms integriert werden können. "Derzeit favorisieren wir, zwei Räume im Brehm-Haus im Stil des 19. Jahrhunderts einzurichten." Neben den Möbeln würden Lampen, Spiegel, Vasen und andere Dinge zu sehen sein. Süß hofft derweil, dass sich Spender finden, die sich an weiteren notwendigen Möbelrestaurationen beteiligen. So lagern unterschiedliche Möbel in der Pfarrscheune, die nach intensiver Begasung inzwischen ohne Nagekäfer sind.

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