Grenzgeschichten in Probstzella

Im 125 Jahre alten Bahnhofsgebäude Probstzella wird am Samstag, 6. November, 14 Uhr, ein Grenzbahnhof-Museum eröffnet. Viele der hier zu sehenden Ausstellungsstücke sind Originale, denn Roman Grafe, einer der Initiatoren des Museums, hat sie vor dem Shredder bewahrt, indem er vor zwei Jahren die alte Grenzübergangsstelle (GÜSt) durchforstete.

Das Bahnhofsgebäude in Probstzella, in dem am Sonnabend (06. November 2010) das Grenzbahnhof-Museum eröffnet wird.

Das Bahnhofsgebäude in Probstzella, in dem am Sonnabend (06. November 2010) das Grenzbahnhof-Museum eröffnet wird.

Foto: zgt

Probstzella. Die "Fundstücke" lagerten zwei Jahre in einer Garage des Bauhofes, denn die Idee, ein Grenzbahnhof-Museum in Probstzella zu errichten, treibt Grafe schon lange um.

Am liebsten hätte er es am authentischen Ort, dem ehemaligen "Tränenpalast", wie die GÜSt im Volksmund genannt wurde, errichtet gesehen, den 20 Millionen Menschen zwischen 1949 und 1990 auf ihrer Reise von Ost nach West bzw. in entgegengesetzte Richtung passierten. Doch alles Argumentieren für den Erhalt der GÜSt half am Ende nicht, der Gemeinderat stimmte für ihren Abriss.

Die Idee des Grenzbahnhof-Museums wurde trotzdem Wirklichkeit. Die Gemeinde erteilte der Geschichtswerkstatt Jena den Auftrag zur inhaltlichen Gestaltung, die sie wiederum federführend in die Hände von Grafe legte.

Er arbeitet vor allem mit Eindrücken und Empfindungen, wenn er die Museumsbesucher vorbei an imaginärer Pass- und Zollkontrolle laufen und sie nachfühlen lässt, wie es gewesen sein muss, wenn sich Reisende mit schweren Koffern in einem ein Meter schmalen, 20 Meter langen Gang aufreihen und ausharren mussten im "Wartesaal" DDR.

Während sie vor den Kontrollschaltern warten mussten, ahnten sie nicht, dass auf der anderen Seite ein Passkontrollband läuft mit dem Ergebnis, dass ihr Pass fotokopiert wurde. Das Kontrollband ist im Original erhalten. Nachgestaltet mit Original-Möbeln wurde der "Machtbereich" des ehemaligen Probstzellaer Bahnhofskommandanten Engelhard Zappe. Erich-Foto an der Wand, Blümchentapete, großgemusterte Übergardinen, Mithörtelefonanlage auf dem Tisch, gepolsterte Bürotüren, hinter denen sich die Ungewissheit sammelte. Und wer die virtuelle Ausreise nach dem Rundgang geschafft hat und zurückblickt, blickt auf nackte graue Türen – Metapher für Schein und Sein eines Landes.

Finanziert wurde die Einrichtung des Museums durch die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen, Spenden und die Gemeinde. Sie ist zugleich Träger des Museums. Ehrenamtliche sichern die Öffnungszeiten ab, die vorerst sonntags von 14 bis 16 Uhr gewährleistet sind, sonst auf Nachfrage unter Telefon (036735) 4610.

Das Grenzmuseum im Internet

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