Max Klinger: Provokant, bejubelt und fast vergessen

Großjena.  Sonderausstellung zum 100. Todestag des Bildhauers, Malers und Grafikers Max Klinger.

Klinger erwarb 1903 einen Weinberg mit dazugehörigem Weinbergshaus in Großjena, das er dann zu einem Wohnhaus ausbauen ließ. Zwischen 1903 und 1920 entstanden hier zahlreiche Radierungen und eine große Anzahl an Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern (Archivbild).

Klinger erwarb 1903 einen Weinberg mit dazugehörigem Weinbergshaus in Großjena, das er dann zu einem Wohnhaus ausbauen ließ. Zwischen 1903 und 1920 entstanden hier zahlreiche Radierungen und eine große Anzahl an Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern (Archivbild).

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Als Max Klinger am 4. Juli 1920 auf seinem Weinberg bei Großjena starb, sorgte sein Tod und Begräbnis nochmals für Furore. Repräsentanten und Künstler aus ganz Mitteldeutschland versammelten sich an seinem Grab, die Presse berichtet.

Für den damals 63-jährigen Leipziger Bildhauer, Maler und Grafiker, der wahrscheinlich an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb, war der Höhepunkt seines Erfolges da schon überschritten. Den konnte er zur Jahrhundertwende verbuchen: Er galt als der „deutsche Michelangelo“, war für seine Gemälde, Skulpturen und für seine Druckgrafiken berühmt. Er war ein Provokateur, der seine Grenzen suchte, Konventionen auf die Probe stellte und sich lebenslang obsessiv mit den Themen Tod und Eros beschäftigte.

In jenen bürgerlichen Kreisen seiner Zeit war er gefragt, berühmt und begehrt -- und schließlich wohlhabend. Im Jahrbuch der Millionäre von Sachsen von 1912 wurde sein Vermögen mit einer Million Mark beziffert, wenngleich ein Teil davon aus dem Erbe seines Vaters stammen dürfte. Doch nach seinem Tod 1920 war Klinger fast vergessen.

Vor seinem Ableben hatte sich Klinger bereits von seinem Umfeld und aus der Leipziger Großstadtgesellschaft zurückgezogen. Sein Weinberghaus war zum Refugium geworden. Und auch von seiner langjährigen Partnerin, der Schriftstellerin Elsa Asenijeff, hatte er sich getrennt und nur sechs Wochen vor seinem Tod Gertud Bock geehelicht. Selbst die Kontakte zu seiner sehr auf Konventionen achtenden Familie hatte Klinger stark reduziert. Nirgendwo, so scheint es, wollte er so recht dazugehören.

Nie hatte er Wert auf Staus und Etikette gelegt. Und auch mit dem von ihm ausgesuchten Ort für seine Beerdigung und der Gestaltung seines Grabmals widersetzte er sich nochmals allen Konventionen.

Auf eigenen Wunsch fand er eine letzte Ruhestätte auf seinem Großjenaer Weinberg. Eine Beisetzung auf privatem Grund war keineswegs üblich, herrschte doch allgemeiner Friedhofszwang. Auch die Aufstellung der lebensgroßen Bronzeplastik eines niederknienden Athleten, die als Sinnbild des Ringens des Künstlers mit sich und seiner Zeit verstanden werden kann, hatte Klinger selbst verfügt. Noch heute ist diese Grabanlage, die bis auf den Baumbestand keine Veränderungen erfahren hat, zu besichtigen.

Zu seinem 100. Todestag zeigt das Max Klinger-Haus in Naumburg-Großjena eine von der Kunsthistorikerin Conny Dietrich kuratierte Kabinett-Ausstellung, die sich mit dem Tod und der Beisetzung des Meisters sowie der Entstehung der Grabstätte und ihrer Kunstwerke auseinandersetzt. Ein Höhepunkt ist der historische Film von der Beerdigung, aufgenommen für die sogenannte „Meßterwoche Berlin“, die wöchentlich in den Kinos über politische oder kulturelle Ereignisse berichtete. Zur Sonderausstellung ist ein außerdem ein Begleitheft erschienen.

In den anderen Räumen des Klinger-Hauses ist eine Dauerausstellung zu Leben und Werk des Künstlers zu sehen. Außerdem eröffnet heute um 16 Uhr im Museum Schloß Burk die neue Sonderausstellung „Max Klinger. Hommage“ mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen des Berliner Künstlers Lutz Friedel. Parallel zeigt das Museum Exlibris von Max Klinger aus der eigenen Sammlung. Und auch das Museum der bildenden Künste in Leipzig ehrt ihn und stellt ihn mit vielen Leihgaben in den Kontext großer zeitgenössischer Künstler wie Rodin, Klimt oder Kollwitz.

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