Museum Schloss Burgk womöglich vor größter Räumungsaktion der jüngeren Geschichte

Das Museum Schloss Burgk steht in diesem Jahr vor der möglicherweise größten Räumungsaktion der jüngeren Geschichte. Ein Bundesgesetz zwingt den Saale-Orla-Landkreis als Eigentümer Inventar herauszugeben, dessen Besitzer durch die sowjetische Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1949 enteignet wurden.

Einzelstücke, die eventuelle an die Erben herausgegeben werden müssen. Museumsleiterin Sabine Schemmmrich im Vordergrund.  Foto: Uli Drescher

Einzelstücke, die eventuelle an die Erben herausgegeben werden müssen. Museumsleiterin Sabine Schemmmrich im Vordergrund. Foto: Uli Drescher

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Burgk. Das Museum Schloss Burk steht in diesem Jahr vor der möglicherweise größten Räumungsaktion der jüngeren Geschichte. Ein Bundesgesetz aus dem Jahre 1994 zwingt den Landkreis als Eigentümer des Museums Inventar herauszugeben, dessen Besitzer durch die sowjetische Besatzungsmacht zwischen 1945 und 1949 enteignet wurden. Der Bundestag beschloss 1994 das Ausgleichsleistungsgesetz, das eine Rückgabe aller beweglichen Güter durchsetzt. Der enteignete Adel bekommt danach zwar kein Grundeigentum zurück, aber bewegliches Inventar, sofern es keine Kulturgüter von öffentlichem Interesse sind. Museen erhielten ein kostenloses Nutzungsrecht für 20 Jahre, das am 30. November 2014 endet.

Die Vorbereitungen auf den Tag X laufen im Museum schon seit einigen Jahren und sind fast abgeschlossen, räumt Michael Siegmund ein, Fachdienstleiter im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises. Man habe kein Interesse daran, die Verhandlungen mit den Erben und mögliche Einigungen zu gefährden. Deshalb habe es bis jetzt auch Stillschweigen darüber gegeben. Definitiv handle es sich bei den Erben nicht um die Familie Reuß, sagt Siegmund. Ob es sich, wie bereits gestern berichtet, vorrangig um Erben des Adelsgeschlechtes zu Stolberg-Roßla handelt, will der Landkreis aus diesen Gründen ebenfalls nicht bestätigen. Die Ansprüche der Erben seien bereits in den 1990er Jahren geltend gemacht und zwischen 2000 und 2004 beim Landesamt für offenen Vermögensfragen angemeldet worden. Das betreffe nicht nur den aktuellen Fall, auch Ansprüche anderer Erben habe es gegeben, die bereits abgewickelt wurden, zum Beispiel aus dem Hause Sachsen-Meiningen.

Die aktuellen Ansprüche einer Erbengemeinschaft aus etwa zehn Privatpersonen, deren Rechtmäßigkeit in Teilbescheiden bereits bestätigt wurde, betreffe eine vierstellige Zahl von Gegenständen, Möbel, Öfen, Bücher, Skulpturen, Gemälde und Rüstungen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit einem geschätzten Gesamtwert von fünf bis sechs Millionen Euro.

Die Erben müssen allerdings ihr Erbe eindeutig nachweisen, betont Siegmund. Deshalb müssen die Inventarlisten Stück für Stück geprüft und mit den Ausstellungsgegenständen und Inventarlisten verglichen werden.

Michael Siegmund geht davon aus, dass die Erben auch Kompromissen aufgeschlossen gegenüberstehen. Der Landkreis strebe an, Kernstücke des Inventars als Dauerleihgabe zu erhalten oder sie den Erben auch abzukaufen, um das Museum in seinem Charakter erhalten zu können. Dazu zähle zum Beispiel ein großes Reitergemälde im Rittersaal mit Graf Heinrich II. Reuß Ältere Linie Haus Burgk mit der ältesten Ansicht von Schloss Burgk etwa um 1673, aber auch das Baldachin-Bett im Prunkzimmer und viele weitere Einzelstücke.

Der Landkreis habe eine bescheidene Summe in den Haushalt eingestellt und man hoffe auf die finanzielle Unterstützung des Landes Thüringen, um gegebenenfalls auch Teile ankaufen zu können.

"Es wäre eine Katastrophe für uns, wenn tatsächlich die Hälfte des Inventars von Schloss Burgk an die Erben früherer Besitzer herausgegeben werden müsste", sagt Landrat Thomas Fügmann (CDU). Er weist auch darauf hin, dass jährlich ein sechsstellige Summe allein für die Erhaltung der Anlage vom Landkreis aufgewendet werde. "Die Anlage ist aber nur dann erhaltenswert, wenn auch das Inventar langfristig dafür zur Verfügung steht." Er hoffe mit Unterstützung des Landes und des Bundes deshalb, dass man sowohl die Interessen der Erben als auch die Interessen des Museums unter einen Hut bekomme. Die Verhandlungen haben allerdings noch nicht begonnen.

Uli Drescher kommentiert über die verschiedenen Sichtweisen zu Eigentum, Erben und ihren Rechten

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