Neue Ausstellung

Saalfeld ehrt Kristian Körting mit Ausstellung

Saalfeld.  Zu seinem 70. Geburtstag präsentiert der Künstler Kristian Körting einen Querschnitt durch sein künstlerisches Schaffen.

Kristian Körting in der neuen Ausstellung vor seinen zwölfteiligen Klangbildern.

Kristian Körting in der neuen Ausstellung vor seinen zwölfteiligen Klangbildern.

Foto: Ulrike Kern

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Was Kristian Körting anfasst, wird zu Kunst. Es ist seine Spielweise, auf der seine Fantasie immer neue Blüten und Früchte treibt. Zeitlebens hat er unentwegt Neues geschaffen, die Kunstszene von seinem Ateliergehöft in Remschütz weit über die Region hinaus geprägt und seine Mitstreiter inspiriert. Er hat getöpfert, gemalt, gedruckt, fotografiert, gefilmt, komponiert, musiziert, performt, gebaut, konstruiert, experimentiert – und tut es noch immer. Sein Ideenquell, er sprudelt noch immer und unentwegt.

Jetzt ist Kristin Körting, der gelernte Autoschlosser und Keramiker, 70 Jahre alt geworden. Und das Stadtmuseum in Saalfeld ehrt ihn mit einer Ausstellung, die sein künstlerisches Schaffen der letzten 40 Jahre beleuchtet. Überraschendes inklusive. Und so wird der Besucher gleich am Anfang der Ausstellung, im Kreuzgang des Museums, von einem Klangobjekt aus dem Jahr 2018 mit sieben Orgelpfeifen und Infrarot-Sensoren empfangen. Jede Orgelpfeife besitzt ein eigenes Gebläse, welches sich bei Annäherung einer Person einschaltet. So entstehen Harmonien, die sich ständig verändern. Es ist nicht das einzige musikalische Experiment Körtings, der sich seit 1960, seit er Mitglied der Thüringer Sängerknaben wurde, mit Musik beschäftigt und dahingehend auch eine grundlegende Ausbildung erhielt. Seither ist er immer wieder als Arrangeur, Musiker und Komponist auf neuen Wegen gewandelt, hat unter anderem 1978 eine Keramik-Orgel geschaffen, die heute im Besitz des Keramik-Museums Bürgel ist und dort auch gespielt wird. Als Teil der neuen Ausstellung ist auch Körtings Musikautomat von 1988 zu sehen und zu hören – nur ein Auszug aus seinen extravaganten selbst gebauten Musikinstrumenten, die Kristian Körting zum Teil aus den absurdesten Materialien zusammengebaut hat.

Dass man aus akustischen Klängen auch Farbklänge entstehen lassen kann, zeigt der Künstler im Nordkreuzgang. Interstellaren, farbenfrohen Sternennebel ähnelnd hat Körting hier zwölf „Klangbilder“ ausgestellt, für die er die Frequenz eines Tones so oft verdoppelt hat, bis er im sichtbaren Wellenbereich angekommen ist.

Betritt man nun den Kleinen Saal im Stadtmuseum, sieht man sich nahezu allen Sparten der Kunst gegenüberstehend. Von Haus aus ist Körting Keramiker, denn er entstammt einer bekannten Keramikerfamilie, hat nach der Lehre bei Gerda und Heiner Körting sieben Jahre lang in der Töpferei seiner Mutter in Saalfeld gearbeitet. Insofern ist auch das älteste Ausstellungsobjekt von 1979 ein keramisches: „Das Pendel“ von 1979, das schon damals den besorgniserregenden Umgang des Menschen mit seiner Umwelt thematisiert. Auch das hat ihn nie mehr losgelassen und findet sich in zahlreichen aktuellen Arbeiten wieder, wie beispielsweise dem Ölgemälde „Trance“ von diesem Jahr, das eine nackte Frau in idyllischer Landschaft zeigt, die hinter sich allerdings nur brennende Landschaften und Zerstörung hinterlässt und selbst ins Verderben geht. Einige Wandelbilder sind dazu gestellt, zarte Landschafts- und Tieraquarelle. Surreale, sinnliche und erotische Fantasiegebilde wechseln sich mit naturnahen und heimatlichen Landschaften ab. Dazu kommt allerlei Installationen wie Körtings „Schicksalmaschine“ oder die „Freundliche Maschine“, ebenso die Polymer-Figur „Der letzte Genosse“ von 1989. Daneben kann man seine Experimente mit Schablonendrucken von 1983 bewundern, seine Entwürfe für Porzellantassen, seine verrückten Ideen für den Betrieb eines Schaufelraddampfers auf der Saale, mit dem er sogar bis ins Ministerium gereist ist.

Kristian Körting – ein unglaublich ideenreicher, kreativer, sympathischer Künstler. Ihn reizt das Mehrdeutige, das Rätselhafte, das Absurde, das er mit unglaublich viel Humor und Ironie füllt.

Seine Keramik wird derzeit und noch bis 23. Februar 2020 im Keramikmuseum Bürgel ausgestellt.

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